ASML Aktie: Neue Dimension
ASML hat in dieser Woche eine neue Größenordnung erreicht. Der Ausrüster der Chipindustrie stößt in die Liga der Unternehmen mit mehr als 500 Milliarden Dollar Börsenwert vor – getragen von einem deutlich höheren Investitionsplan seines wichtigsten Kunden TSMC und einer Welle optimistischer Analystenstudien. Im Kern geht es um eine Frage: Wie stark profitiert ASML vom nächsten Ausbauschub in der KI-Infrastruktur?
TSMC dreht den Investitionshahn auf
Auslöser der jüngsten Kursrally war der neue Investitionsplan von Taiwan Semiconductor Manufacturing (TSMC). Der weltgrößte Auftragsfertiger für Chips plant für 2026 Ausgaben für Anlagen (Capex) von 52 bis 56 Milliarden US‑Dollar – rund 32 % mehr als im Vorjahr und klar über den bisherigen Markterwartungen.
Für ASML ist das direkt relevant. Das Unternehmen ist alleiniger Anbieter von EUV‑Belichtungsanlagen, die für die Fertigung modernster KI‑Chips nötig sind. Mehr Capex bei TSMC bedeutet in diesem Segment praktisch automatisch mehr Nachfrage für ASML‑Systeme.
Diese Perspektive hat den Kurs auf ein neues Rekordniveau gehoben. Am Freitag schloss die Aktie bei 1.358,57 US‑Dollar und damit exakt auf ihrem 52‑Wochen-Hoch. Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Plus von knapp 57 %, in den vergangenen zwölf Monaten summiert sich der Anstieg auf mehr als 86 %. Der Abstand zum 200‑Tage‑Durchschnitt von rund 72 % unterstreicht, wie stark die Rally bereits gelaufen ist.
Mit einer Marktkapitalisierung von inzwischen über 534 Milliarden US‑Dollar (rund 450 Milliarden Euro) gehört ASML nun zu einem sehr exklusiven Club: Nach Novo Nordisk und LVMH ist es erst das dritte europäische Unternehmen, das die Marke von 500 Milliarden Dollar überspringt.
Analysten erhöhen Kursziele deutlich
Die verbesserte Investitionsperspektive im Halbleitersektor hat umgehend zu neuen, teils deutlich höheren Kurszielen geführt.
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Morgan Stanley stufte ASML am 16. Januar zur „Top Pick“ hoch. Im bullischen Szenario sehen die Analysten bis 2027 Kurspotenzial von rund 70 % auf 2.000 Euro. Das Basisszenario-Kursziel wurde auf 1.400 Euro angehoben. Begründung: der anhaltende „AI Tech Boom“ und steigende Ausgaben der Chipfertiger. Beim Gewinn je Aktie rechnet Morgan Stanley bis 2027 mit einer nahezu Verdoppelung auf etwa 46 Euro.
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Bernstein Research bestätigte das Rating „Outperform“ mit einem Kursziel von 1.300 Euro (1.528 US‑Dollar). Analyst David Dai leitet aus der TSMC-Investitionsplanung ab, dass zusätzlich etwa 30 EUV‑Anlagen nachgefragt werden könnten. Aus seiner Sicht könnten selbst die bisherigen Konsensprognosen für ASML im Jahr 2026 noch zu vorsichtig sein.
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Wells Fargo erhöhte das Kursziel auf 1.450 US‑Dollar.
RBC Capital nahm die Beobachtung mit „Outperform“ auf und nannte ein Ziel von 1.550 US‑Dollar.
Im Kern sind sich die Häuser einig: Das faktische Monopol bei hochmoderner Lithografie verschafft ASML einen strukturellen Vorteil. Während die Halbleiterbranche insgesamt wächst, ist das Unternehmen besonders stark an den modernsten Fertigungsknoten (N2/N3) beteiligt, die TSMC für KI‑Prozessoren nutzt. Damit trauen Analysten ASML ein höheres Wachstum zu als Wettbewerbern wie Applied Materials oder Lam Research, die breiter, aber weniger fokussiert auf diese Spitzentechnologie aufgestellt sind.
AI‑Superzyklus als Treiber
Die Rally bei ASML lässt sich nur im Kontext des entstehenden „AI‑Superzyklus“ verstehen. Die Nachfrage nach generativer KI zwingt die Industrie, schneller als gewohnt auf kleinere und leistungsfähigere Strukturen – 2 Nanometer und darunter – umzustellen. Für diesen Technologiesprung sind die neuesten High‑NA‑EUV‑Systeme von ASML erforderlich, die pro Stück mehr als 350 Millionen US‑Dollar kosten.
In diesem Segment dominiert ASML die Lieferkette derzeit praktisch vollständig. Hinzu kommt ein politischer Rückenwind: Berichte vom 15. und 16. Januar sprechen von einer US‑Taiwan‑Vereinbarung über umfangreiche Investitionen, mit einem Volumen von bis zu 500 Milliarden US‑Dollar zur Finanzierung von Chipfabriken in den USA. Das schafft einen langfristigen Bedarf nach Lithografieanlagen außerhalb Chinas.
Gleichzeitig plant ASML, den Umsatzanteil in China infolge von Exportkontrollen zurückzufahren – von derzeit 36 % auf etwa 20 % bis Ende 2026. Die Kombination aus wachsender Nachfrage in den USA und begrenztem Zugang zum chinesischen Markt zwingt das Unternehmen zu einer geografischen Neujustierung, die durch die US/Taiwan‑Pläne derzeit gut flankiert wird.
Bewertungstechnisch bewegt sich der Titel inzwischen klar im Premiumbereich. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei rund 50 bis 55 auf Basis der aktuellen Schätzungen. Anleger sind damit bereit, einen hohen Aufschlag für den technologischen Vorsprung und die durch den TSMC‑Capex‑Plan gestützte Visibilität zu zahlen.
Ausblick auf die Zahlen und die nächsten Jahre
Der nächste konkrete Prüfstein steht bereits fest: Am 28. Januar 2026 legt ASML die Zahlen für das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2025 vor. Der Markt rechnet beim Umsatz mit rund 32,5 Milliarden Euro.
Entscheidend dürfte jedoch weniger der Rückblick auf 2025 sein, sondern der Blick nach vorn. Mit dem nun bestätigten Investitionsbudget von TSMC erwarten viele Analysten, dass ASML eine spürbar optimistischere Prognose für 2026 und 2027 vorlegt, insbesondere bei Auftragseingang und EUV‑Auslieferungen. Aus charttechnischer Sicht notiert der Wert in „Blue‑Sky‑Regionen“ ohne sichtbaren Widerstand nach oben, doch die hohe Bewertung setzt die Messlatte hoch: Um das aktuelle Kursniveau zu rechtfertigen und weiteres Potenzial zu eröffnen, muss ASML seine Lieferpläne in den kommenden Jahren weitgehend ohne größere Rückschläge umsetzen.
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