AMD Aktie: Trotz Rücksetzer
AMD hat auf der CES 2026 große Geschütze für das KI-Zeitalter aufgefahren – doch an der Börse folgte erst einmal Ernüchterung. Statt neuer Fantasie dominierten Gewinnmitnahmen, verschärft durch starke Konkurrenzsignale von Intel. Ein Analystenupgrade zeigt jedoch: Fundamental bleibt die Story intakt, die Bewertung sorgt aber für Diskussionen.
CES-Highlights ohne Kursfantasie
Auf der CES präsentierte CEO Lisa Su die bislang ehrgeizigsten KI-Infrastrukturpläne des Unternehmens. Kernstück ist die neue „Helios“-Plattform, ein Rack-Scale-System, das mit Instinct-MI455X-Beschleunigern bis zu 3 KI-Exaflops Leistung pro Rack liefern soll. Dazu stellte AMD die nächste GPU-Generation MI500 in Aussicht, die bis 2027 eine bis zu 1.000-fache KI-Performance im Vergleich zur MI300X erreichen soll.
Trotz dieses Technologiefeuerwerks reagierte der Markt kühl. Nach einer Rally von 77 % im Jahr 2025 nutzten viele Anleger die Bühne CES 2026 offenbar für Gewinnmitnahmen. Der Kurs gab am Donnerstag spürbar nach, am Freitag folgte ein weiterer leichter Rückgang. Auf Wochensicht liegt die Aktie rund 9 % im Minus, bleibt aber klar über dem Niveau von vor einem Jahr.
Ein wichtiger Grund: Die Erwartungshaltung war extrem hoch. Viele Investoren hatten offenbar noch konkretere kurzfristige Umsatzimpulse aus den Ankündigungen erhofft. Stattdessen zielen Helios und die MI500-Roadmap eher auf die mittlere Frist.
Intels Auftritt erhöht den Druck
Zusätzlichen Gegenwind brachte Intel. Deren „Panther Lake“-Vorstellung auf der CES lenkte Aufmerksamkeit und Kapital um.
- Die neue Arc-B390-Grafiklösung soll laut Intel 77 % schneller sein als der Vorgänger im Gaming-Bereich.
- Das neue 18A-Fertigungsverfahren zielt direkt auf die Kostenstruktur und Wettbewerbsfähigkeit bei High-Performance-Chips.
Diese Kombination stärkt Intels Position im PC- und AI-PC-Segment und verschiebt die kurzfristige Anlegerwahrnehmung. Marktteilnehmer fokussieren sich stärker auf Intel als „nächsten“ AI-PC-Profiteur, während AMDs CES-Paket eher als langfristiger Infrastrukturbaustein gelesen wird. Die Folge: spürbare Umschichtungen aus AMD heraus.
Analysten bleiben überwiegend positiv
Trotz der jüngsten Korrektur bleibt das Analystenbild konstruktiv. Am Samstag stufte Wall Street Zen die Aktie von „Hold“ auf „Buy“ hoch – und das nach einer ohnehin schon klar positiven Konsensmeinung.
- Konsens-Rating: „Moderate Buy“
- Durchschnittliches Kursziel: 277,06 USD
- Beispiele für aktuelle Einschätzungen:
- Loop Capital: Buy, Kursziel 290 USD (5. November 2025)
- Stifel Nicolaus: Buy, Ziel auf 280 USD angehoben (5. November 2025)
- HSBC: Buy, Kursziel 310 USD (15. Oktober 2025)
- Truist Financial: Buy, Kursziel 277 USD (19. Dezember 2025)
Von 42 beobachtenden Analysten empfehlen 28 den Kauf, drei stufen auf „Strong Buy“, elf raten zum Halten. Das Upgrade von Wall Street Zen reiht sich damit in ein breites positives Votum ein und signalisiert, dass die CES-Entwicklungen grundsätzlich als wertsteigernd, nicht als Enttäuschung, gewertet werden.
Bewertung und Insiderverkäufe im Fokus
Die Kehrseite: Die Aktie ist alles andere als günstig. AMD wird aktuell mit einem Forward-KGV von rund 100,6 gehandelt. Das befeuert die Debatte, ob das erwartete Wachstum hoch genug ist, um diesen Bewertungsaufschlag zu rechtfertigen.
Operativ untermauert das Unternehmen die Hoffnungen bislang:
- Im dritten Quartal 2025 lag der Gewinn je Aktie (EPS) bei 1,20 USD und damit leicht über den Konsensschätzungen von 1,17 USD.
- Der Umsatz stieg auf 9,25 Milliarden USD, ein Plus von 35,6 % gegenüber dem Vorjahr.
Etwas psychologischen Druck bringt allerdings der Blick auf die Insideraktivität: In den vergangenen 90 Tagen wurden 178.358 Aktien im Gegenwert von rund 39,2 Millionen USD verkauft. Solche Verkäufe sind nicht automatisch ein Negativsignal – sie können auch der Diversifikation oder privaten Gründen dienen –, doch in einem hoch bewerteten Titel verstärken sie das Bewusstsein für das Risiko einer Korrektur.
Per Freitag schloss die Aktie bei 203,17 USD. Nach dem Rückgang der letzten Tage liegt der Kurs rund 10 % unter dem 52-Wochen-Hoch, aber weit über dem Zwischentief von 2025 – das Bild bleibt also das einer starken, aber volatilen Aufwärtsbewegung.
Sektorrotation und Makrorisiken
Die jüngste Schwäche ist nicht nur eine AMD-Geschichte. Im gesamten Chipsektor kam es zu deutlichen Gewinnmitnahmen.
- Speicherhersteller wie Western Digital und Seagate verzeichneten ebenfalls kräftige Rückgänge.
- Investoren realisierten Gewinne in hoch volatilen Halbleiterwerten nach der starken Entwicklung des Vorjahres.
Mit einem Beta von 1,95 reagiert AMD besonders sensibel auf solche Bewegungen: Läuft der Markt gut, verstärkt sich der Anstieg, dreht die Stimmung, fällt der Wert überdurchschnittlich.
Hinzu kommen übergeordnete Risiken, die speziell Halbleiterwerte betreffen:
- US-Lizenzpolitik gegenüber China, insbesondere beim Export leistungsstarker KI-Chips
- Unsicherheit über mögliche neue Zölle oder Regulierungen
- Zweifel, ob die derzeit extrem hohen Investitionen in KI-Infrastruktur sich dauerhaft im bisherigen Tempo fortsetzen
Diese Gemengelage sorgt dafür, dass kurzfristig handelnde Marktteilnehmer schnellen Gewinnmitnahmen den Vorzug geben, statt neue Positionen in einem hoch bewerteten Titel aufzubauen.
Langfristige KI-Story bleibt stark
Auf strategischer Ebene bleibt das Bild für AMD jedoch überzeugend. Das Unternehmen peilt ein jährliches Wachstum von rund 80 % im KI-Rechenzentrumsbereich an, was das geplante Gesamtwachstum von etwa 35 % treiben soll.
Bereits im dritten Quartal 2025 wuchs das Data-Center-Geschäft um 22 % gegenüber dem Vorjahr – und das noch ohne Beitrag der neuen Helios-Plattform und MI455X-Beschleuniger. Die CES-Neuheiten zielen also auf eine zusätzliche Beschleunigung in den kommenden Jahren.
Zudem unterstreichen Partnerschaften die Marktakzeptanz:
- Die Kooperation mit KunlunMeta adressiert den chinesischen KI-Markt und signalisiert Interesse an AMD-Beschleunigern in einem strategisch sensiblen Umfeld.
- Die Zusammenarbeit mit HPE bei offener Rack-Scale-KI-Infrastruktur stärkt die Position im Enterprise-Segment und erleichtert Großkunden die Integration von AMD-Lösungen.
In Summe bleibt die Langfrist-These klar: AMD will sich als zentrale Alternative im KI-Rechenzentrum neben dem Marktführer positionieren und parallel auf der CPU- und PC-Seite mitspielen.
Ausblick: Quartalszahlen als nächster Prüfstein
Der nächste harte Test steht bereits fest: Am Dienstag, den 3. Februar 2026, nach US-Börsenschluss legt AMD die Zahlen für das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2025 vor, im Anschluss folgt um 17:00 Uhr EST die Analystenkonferenz. Am 3. März 2026 wird CTO Mark Papermaster zudem auf der Morgan Stanley Technology, Media & Telecom Conference weitere Einblicke liefern.
Mit einem 12-Monats-Anstieg von über 70 %, einem Kurs rund 10 % unter dem Hoch und einem durchschnittlichen Analystenziel deutlich oberhalb des aktuellen Niveaus wird vor allem eines entscheidend sein: Ob AMD bei Umsatz, Margen und KI-Ausblick genug liefert, um die hohe Bewertung zu rechtfertigen und die nach CES eingesetzte Konsolidierung in eine neue Wachstumsphase zu drehen.
AMD-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue AMD-Analyse vom 10. Januar liefert die Antwort:
Die neusten AMD-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für AMD-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 10. Januar erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
AMD: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...








