Amazons 200-Milliarden-Wette, die Krypto-Kernschmelze und der Export-Hoffnungsschimmer
Liebe Leserinnen und Leser,
200 Milliarden US-Dollar. Lassen Sie diese Zahl einen Moment wirken. Es ist nicht das Bruttoinlandsprodukt Ungarns, sondern die Summe, die Amazon allein im Jahr 2026 investieren will – primär in Chips, Rechenzentren und KI-Infrastruktur.
Wenn Sie sich fragen, warum die Tech-Börsen heute Morgen husten und der DAX nur mühsam die Balance hält: Hier liegt die Antwort. Die Party der künstlichen Intelligenz geht in die nächste Phase über, und jetzt wird die Rechnung serviert. Die Anleger realisieren schlagartig, dass „Transformation" zunächst massive Geldverbrennung bedeutet, bevor auch nur ein Cent Gewinn sprudelt.
Gleichzeitig erleben wir an den Krypto-Märkten eine Kernschmelze, die selbst hartgesottene „HODLer" auf die Probe stellt, während Gold seinen Status als sicherer Hafen zementiert. Es ist ein klassischer „Risk-Off"-Freitag, an dem Liquidität Schutz sucht und bloße Versprechen nicht mehr genügen.
Hier ist, was Sie zum Wochenausklang wissen müssen.
Der teure Preis der Zukunft
Gestern Abend nach US-Börsenschluss lieferte Amazon eigentlich solide Zahlen. Der Umsatz im vierten Quartal kletterte auf über 213 Milliarden Dollar, die Cloud-Sparte AWS wuchs um satte 24 Prozent. Doch an der Wall Street wird Zukunft gehandelt, und CEO Andy Jassy hat diese Zukunft extrem teuer veranschlagt.
Die Ankündigung, die Investitionsausgaben (CAPEX) im Jahr 2026 auf rund 200 Milliarden Dollar hochzuschrauben – weit über den Analystenschätzungen von knapp 149 Milliarden – sorgte für Schockwellen. Die Aktie rutschte im vorbörslichen Handel zeitweise zweistellig ab.
Die Botschaft ist unmissverständlich: Das KI-Wettrüsten zwischen Amazon, Microsoft und Alphabet verschlingt Kapital in historischem Ausmaß. Marktbeobachter sprechen bereits von einer Flucht aus den Tech-Werten, da die Sorge wächst, dass die Monetarisierung dieser gigantischen Summen deutlich länger dauert als erhofft. Der Motor, der die Rallye der letzten Jahre getrieben hat, stottert unter der Last seiner eigenen Betriebskosten.
Genau zu diesem Thema der massiven Chip-Investitionen lohnt sich ein Blick auf die andere Seite der Medaille: Während Amazon, Microsoft und Co. Hunderte Milliarden in Halbleiter-Infrastruktur pumpen, stellt sich die Frage, welche Chip-Hersteller von diesem Geldregen profitieren. In einem kostenlosen Webinar werden vier konkrete Chip-Aktien analysiert, die vom aktuellen KI-Boom überproportional profitieren könnten. Sie erfahren, welche Unternehmen die Infrastruktur für das KI-Wettrüsten liefern und wie Sie als Anleger davon profitieren können. Details zur Chip-Aktien-Analyse ansehen
Krypto-Winter im Februar
Während Tech-Investoren noch über die CAPEX-Explosion grübeln, herrscht am Krypto-Markt offene Panik. Bitcoin erlebte heute einen der schärfsten Einbrüche seit Jahren und fiel zeitweise unter die psychologisch wichtige Marke von 60.000 US-Dollar – ein Verlust von fast 50 Prozent gegenüber dem Allzeithoch vom Oktober 2025.
Die Gründe für diesen Ausverkauf sind vielschichtig:
\ Risiko-Aversion: Die Tech-Schwäche zieht hochspekulative Assets mit in den Abgrund.
\ Politische Unsicherheit: Die Nominierung von Kevin Warsh als möglicher Fed-Vorsitzender durch Donald Trump schürt Zinsängste.
\ Institutioneller Druck:* Über eine Milliarde Dollar an Positionen wurden binnen 24 Stunden zwangsliquidiert.
Besonders hart trifft es Akteure wie Strategy (ehemals MicroStrategy), die heute einen Quartalsverlust von 12,4 Milliarden Dollar meldeten – verursacht durch massive Abschreibungen auf ihre Bitcoin-Bestände. Währenddessen sucht das Kapital Sicherheit: Gold notiert fest über 4.800 Dollar. Die alte Marktregel bestätigt sich erneut: Wenn es an den Märkten stürmt, flüchtet man ins Gold, nicht in die Bits.
Düsseldorfer Realitätscheck
Auch hierzulande gab es in den letzten 24 Stunden eine heilsame Ernüchterung, allen voran bei Rheinmetall. Der Rüstungskonzern, lange Zeit der unangefochtene Liebling im DAX, trug gestern mit einem Minus von über 6,5 Prozent die rote Laterne. Der Auslöser: Ein Umsatzausblick für 2026 (13,2–14,1 Mrd. EUR), der deutlich unter den Erwartungen des Marktes (15,8 Mrd. EUR) blieb. Selbst ein Auftragsbestand von 80 Milliarden Euro schützt nicht vor Enttäuschung, wenn die Wachstumskurve flacher verläuft als die Fantasie der Anleger.
Doch das Bild der deutschen Wirtschaft ist nicht nur grau. Das Statistische Bundesamt lieferte heute Morgen eine positive Überraschung: Die deutschen Exporte sind im Dezember um satte 4,0 Prozent gestiegen. Es ist das erste positive Jahreszeichen seit zwei Jahren und ein Indiz dafür, dass die globale Nachfrage trotz Zollstreitigkeiten robuster ist als gedacht. Zwar sank die Industrieproduktion um 1,9 Prozent, doch der Exportanstieg weckt die Hoffnung, dass sich die deutsche Wirtschaft mühsam aus der Stagnation herausarbeitet.
EZB: Die Zins-Pause und das Währungs-Dilemma
In Frankfurt hat die EZB gestern wie erwartet den Leitzins bei 2,0 Prozent belassen – zum fünften Mal in Folge. Christine Lagarde bleibt hart, und die Inflation von 1,7 Prozent gibt ihr recht. Doch am Horizont braut sich ein neues Problem zusammen: Der Euro.
Mit Notierungen um 1,18 US-Dollar ist die Gemeinschaftswährung so stark wie lange nicht. EZB-Ratsmitglied Martins Kazaks warnte heute explizit: Eine zu schnelle Aufwertung könnte die Inflation zu stark drücken und die exportorientierte Wirtschaft (siehe oben) abwürgen. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Während wir uns lange über einen schwachen Euro sorgten, könnte er nun zum Bremsklotz werden, sollte der Dollar aufgrund der US-Politik weiter schwächeln.
Quintessenz
Das Wochenende steht vor der Tür, doch die Unsicherheit bleibt. Während Bundeskanzler Friedrich Merz in den Emiraten weilt und dort auf Investitionen hofft, müssen Anleger die Verschiebung des US-Arbeitsmarktberichts auf den 11. Februar verkraften.
Mein Rat für die nächsten Tage: Lassen Sie sich von der Volatilität bei Tech und Krypto nicht anstecken. Die Rotation in defensivere Werte und Gold zeigt, dass der Markt nicht zusammenbricht, sondern sich neu sortiert – weg von der reinen Hoffnungs-Story, hin zu substanziellen Zahlen und echtem Cashflow.
Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende.
Herzlichst,
Ihr
Eduard Altmann








