Amazon Aktie: Umbau mit Risiko
Amazon zieht den Rotstift im Konzernbereich deutlich schärfer an. Nach einem ersten größeren Stellenabbau im Herbst steht nun die nächste Runde bevor – insgesamt könnten rund 30.000 Büro- und Managementjobs wegfallen. Im Kern geht es um einen tiefen Umbau der Strukturen, der Effizienz bringen soll, aber die Geduld der Anleger testet.
Zweite Entlassungswelle und Kulturwandel
Laut Reuters plant Amazon, bereits ab Dienstag rund 14.000 weitere Corporate-Stellen zu streichen. Diese zweite Welle folgt auf die 14.000 Jobs, die im Oktober 2025 angekündigt wurden. Ziel ist ein schlankerer Konzern mit weniger Managementebenen und klarerer Verantwortung.
Beth Galetti, Senior Vice President für People Experience and Technology, hatte den Kurs früh umrissen: Amazon brauche „weniger Ebenen und mehr Ownership“, um schneller zu werden – für Kunden und Geschäft. CEO Andy Jassy ordnet die Kürzungen ausdrücklich als kulturelle Maßnahme ein, nicht als reinen Technologiewechsel durch KI. Frühere Spekulationen, generative KI würde direkt Stellen verdrängen, stellt er damit in den Hintergrund.
Die Dimension des Programms ist klar umrissen:
- Geplante Gesamtkürzungen: rund 30.000 Corporate-Positionen
- Bereits umgesetzt (Oktober 2025): 14.000 Stellen
- Bevorstehend: weitere ca. 14.000 Stellen ab nächster Woche
Der Fokus liegt damit klar auf der Verwaltungsebene. Operative Aktivitäten, etwa in Logistikzentren, sind nicht Kern dieses Pakets, was auf einen gezielten Strukturumbau in der Zentrale hindeutet.
Analysten: Positiv, aber vorsichtiger
Trotz der negativen Schlagzeilen bleibt die Grundstimmung an der Wall Street konstruktiv. Das Konsensrating für die Aktie liegt bei „Moderate Buy“, also einer überwiegend positiven Einschätzung. Der durchschnittliche Zielkurs von 295,42 US‑Dollar signalisiert aus Analystensicht weiterhin nennenswertes Potenzial gegenüber dem aktuellen Niveau.
Gleichzeitig zeigen einzelne Häuser mehr Zurückhaltung. Raymond James hat das Kursziel auf 260 US‑Dollar reduziert und verweist auf Gegenwind im sogenannten „agentic commerce“ – also in neuen, KI-gestützten Handelsmodellen, die noch nicht in vollem Umfang tragen. Rothschild & Co Redburn senkte das Ziel auf 230 US‑Dollar und bleibt neutral. Die Erwartungshaltung an die Aktie wird damit etwas eingedampft, auch wenn der übergeordnete Trend optimistisch bleibt.
Hohe Investitionen drücken freien Cashflow
Parallel zum Stellenabbau läuft ein massives Investitionsprogramm, das die Bilanzseite spürbar belastet. Der freie Cashflow ist auf 14,8 Milliarden US‑Dollar in den letzten zwölf Monaten gefallen. Haupttreiber ist ein sprunghafter Anstieg der Ausgaben für Sachanlagen um 50,9 Milliarden US‑Dollar gegenüber dem Vorjahr.
Das Management hat die Investitionsplanung für 2025 bereits von 118 auf 125 Milliarden US‑Dollar angehoben – mit weiteren Erhöhungen in 2026 in Aussicht. Dahinter stehen vor allem Ausbauprojekte in Cloud-Infrastruktur, Logistik und eventuell neue KI-Kapazitäten. Kurzfristig schmälert das die finanziellen Spielräume, mittelfristig soll genau diese Basis aber das Wachstum sichern.
Gleichzeitig nimmt der Druck im Kerngeschäft zu. Walmart meldet im Onlinehandel ein Wachstum von 27 % im Jahresvergleich. Plattformen wie Temu und Shein gewinnen in preissensiblen Segmenten mit aggressiven Rabatten schnell Marktanteile. Das verstärkt den Zwang für Amazon, Kosten zu senken und sich strategisch zu fokussieren – gerade im margenschwächeren E‑Commerce.
Kursentwicklung und Marktumfeld
An der Börse spiegeln sich diese Spannungsfelder bislang nur begrenzt wider. Die Aktie liegt seit Jahresbeginn 2026 rund 2 % im Plus und damit leicht im grünen Bereich, bleibt aber hinter den starken Jahren nach der Pandemie deutlich zurück. Gegenüber dem 52‑Wochen-Hoch von 247,50 US‑Dollar notiert der Titel aktuell etwa 6,5 % darunter.
Hinzu kommt ein Sektortrend: Viele Investoren haben im vergangenen Jahr Kapital aus den „Magnificent Seven“ – inklusive Amazon – abgezogen und in Small Caps, zyklische Werte, Value-Aktien und internationale Märkte umgeschichtet. Einige Analysten sehen die großen Tech-Titel daher inzwischen wieder attraktiver bewertet als noch vor einigen Monaten.
Insider halten derzeit 9,70 % der ausstehenden Aktien. Jüngste Insider-Verkäufe liefen über vorab festgelegte Rule‑10b5‑1‑Pläne, also automatische Verkaufsprogramme zur Portfolio-Diversifikation. Solche Transaktionen gelten in der Regel nicht als direkter Kommentar zur aktuellen Geschäftslage.
Blick auf die Q4-Zahlen
Die nächste Bewährungsprobe wartet in Kürze: Am 5. Februar legt Amazon die Zahlen für das vierte Quartal 2025 vor. Entscheidend wird, ob der Konzern den Spagat zwischen massiv steigenden Investitionen, hartem Wettbewerb im Onlinehandel und kulturellem Umbau überzeugend vermitteln kann. Insbesondere der Trend beim freien Cashflow und der Ausblick auf die Investitionsplanung für 2026 dürften dann zeigen, ob die aktuelle Strategie das Fundament für die nächsten Wachstumsjahre legt oder zunächst weiter auf die Margen drückt.
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