Fünf Wochen Iran-Krieg, Rohöl bei 115 Dollar, einbrechendes Verbrauchervertrauen in Europa — und trotzdem steigen ausgerechnet Infrastrukturwerte kräftig. Der letzte Handelstag des ersten Quartals 2026 zeigt im EuroStoxx 600 ein gespaltenes Bild. Während Unternehmen mit langfristiger Auftragssicherheit und stabilen Cashflows gefeiert werden, geraten konjunktursensible Titel und Energiewerte unter Druck.

Die Europäische Kommission meldete zuletzt sinkende Stimmungsindikatoren. Auf Sektorebene kristallisiert sich ein klares Muster heraus:

  • Infrastruktur und Finanzen profitieren von Flucht in Qualität und defensive Geschäftsmodelle
  • Personaldienstleister leiden unter gedämpfter Einstellungsdynamik in Europa und Nordamerika
  • Zahlungstechnologie kämpft mit unternehmensspezifischen Restrukturierungsproblemen
  • Energie erlebt gegenläufige Kräfte — hohe Preise treffen auf massive geopolitische Unsicherheit

Alstom: Belgrad-Vertrag befeuert die Auftragsdynamik

Alstom liefert mit einem Plus von 5,4 % den stärksten Tagesgewinn unter den EuroStoxx-Spitzenreitern. Der Auslöser ist klar identifizierbar: Am 27. März sicherte sich der französische Schienenfahrzeughersteller einen 915 Millionen Euro schweren Turnkey-Vertrag für den Bau der Metro Line 1 in Belgrad — das erste vollautomatisierte U-Bahn-System Serbiens.

Als Systemintegrator liefert Alstom 32 fahrerlose Metropolis-Triebzüge, Signaltechnik, Stromversorgung, Gleisbau und Cybersicherheitssysteme aus einer Hand. Die französische Regierung unterstützt die Finanzierung, was die Vereinbarung politisch absichert.

Der Markt honoriert diesen Abschluss mit Nachdruck. Alstom hatte zuletzt eine Serie von Auftragsgewinnen vermeldet — darunter ein 380-Millionen-Euro-Vertrag für den Houston Airport Skyway sowie ein 800-Millionen-Euro-Verlängerungsvertrag für GO Transit und UP Express in Kanada. Die Kursreaktion spiegelt keine kurzfristige Euphorie wider, sondern die Bestätigung eines strukturellen Trends. Bemerkenswert: Das Short Interest auf Alstom-ADRs ist bis Mitte März um 53,9 % gefallen. Selbst kritische Marktteilnehmer lösen ihre Wetten gegen den Titel auf. Bei 24,20 Euro notiert die Aktie allerdings noch deutlich unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 26,43 Euro.

Getlink: Eiffage stockt auf, EBITDA übertrifft Guidance

Der Eurotunnel-Betreiber klettert um 5,1 % auf 18,41 Euro und markiert damit ein neues 52-Wochen-Hoch. Gleich zwei Katalysatoren treiben den Kurs.

Erstens: Großaktionär Eiffage erwarb zwischen dem 23. und 26. März am offenen Markt 1,74 % des Getlink-Kapitals. Der Baukonzern hält nun 29,40 % des Kapitals und 29,50 % der Stimmrechte. Ein solch gezielter Zukauf eines strategischen Ankeraktionärs sendet dem Markt ein unmissverständliches Vertrauenssignal.

Zweitens liefert der Jahresbericht fundamentalen Rückenwind. Getlink meldete ein Current EBITDA von 859 Millionen Euro für 2025 — ein Plus von 4 % gegenüber dem Vorjahr und damit oberhalb der eigenen Prognose. Rekordvolumina im Eurotunnel-Kerngeschäft und bei der Europorte-Tochter trugen das Ergebnis. Für 2026 gab das Management eine EBITDA-Guidance von 820 bis 860 Millionen Euro aus. Die bis 2086 laufende Konzession macht Getlink zu einem seltenen Beispiel einer defensiven Infrastrukturstory, die gleichzeitig durch aktives Investoreninteresse beflügelt wird.

London Stock Exchange Group: Rückkaufprogramm und zweistelliges Gewinnwachstum

Die LSEG-Aktie gewinnt 5,1 % auf 103,00 Euro. Hinter dem Kursanstieg steht ein Zusammenspiel aus laufendem Aktienrückkauf und überzeugenden Jahreszahlen.

Am 26. März kaufte LSEG über Morgan Stanley 359.769 eigene Aktien zu einem volumengewichteten Durchschnittspreis von 8.338,68 Pence zurück. Der tiefere Treiber liegt in den Anfang März präsentierten Jahreszahlen: Die Erlöse wuchsen um 7,6 %, wobei alle Geschäftsbereiche positiv beitrugen. Data & Analytics gewann an Dynamik. Das organische Umsatzwachstum von 7,1 % wurde in ein EBITDA-Plus von 11,8 % und ein EPS-Wachstum von 15,7 % übersetzt — auf konstanter Währungsbasis sogar 19,4 %.

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Die Kapitalrückführungsstrategie ist ambitioniert: 2025 kaufte LSEG eigene Aktien im Wert von 2,1 Milliarden Pfund zurück, die Dividende stieg um 15 %. Für die kommenden zwölf Monate wurde ein weiteres Rückkaufprogramm über 3 Milliarden Pfund angekündigt. 17 Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf, keiner rät zum Verkauf. Die verzögerte Würdigung dieser Qualitätsstory erklärt den heutigen Sprung.

Randstad: Ex-Dividende verschärft den Abwärtstrend

Randstad verliert 4,5 % und notiert bei 22,70 Euro — nur knapp über dem 52-Wochen-Tief. Ein erheblicher Teil des heutigen Rückgangs ist technisch bedingt: Heute ist Ex-Dividende-Tag, die Ausschüttung beträgt 1,62 Euro je Aktie. Bei einem Vortagesschluss von 23,77 Euro entspricht das einem rechnerischen Abschlag von rund 6,8 %. Der tatsächliche Rückgang fällt geringer aus — was bedeutet, dass der Kurs den Dividendenabgang teilweise kompensierte.

Das strukturelle Problem wiegt schwerer. Seit Jahresbeginn hat die Aktie rund 30 % verloren. Schwächer als erwartete Geschäftsbedingungen in Nordamerika und Nordeuropa belasten seit Monaten. Der Umsatz lag 2025 bei 23,08 Milliarden Euro, ein Rückgang von 4,3 % gegenüber dem Vorjahr. Die eingetrübten europäischen Konjunkturerwartungen infolge des Iran-Konflikts verstärken den Gegenwind im Personaldienstleistungsmarkt zusätzlich. Am 22. April werden die nächsten Quartalszahlen erwartet. Bis dahin dürfte der Verkaufsdruck auf dem Titel anhalten.

Worldline: Massive Verwässerung drückt den Kurs auf 26 Cent

Worldline büßt 3,7 % ein und notiert bei 0,26 Euro. Die 52-Wochen-Spanne — von 0,24 bis 6,25 Euro — illustriert die Dimension der Krise beim französischen Zahlungsdienstleister eindrücklich.

Der unmittelbare Belastungsfaktor ist die laufende Kapitalerhöhung. Am 12. März lancierte Worldline eine Bezugsrechtsemission über rund 392 Millionen Euro, den Schlussstein einer Gesamtkapitalerhöhung von rund 500 Millionen Euro. Die Konditionen sind drastisch: Aktionäre konnten sechs neue Aktien je gehaltener Aktie zu einem Preis von 0,202 Euro zeichnen. Die Zeichnungsfrist endete am 27. März. Der Markt verarbeitet nun die erhebliche Verwässerung.

Die Erlöse sollen den Transformationsplan „North Star 2030" finanzieren und den Schuldenabbau vorantreiben. Goldman Sachs hält an einem Hold-Rating fest — eine Einschätzung, die den schwierigen Erholungspfad treffend beschreibt. Kein Wunder, dass Anleger hier extrem vorsichtig agieren.

Aker BP: Hohe Ölpreise, fallender Kurs — ein Paradoxon?

Aker BP gibt 3,2 % nach auf 31,53 Euro. Ein Ölproduzent, der bei Rohölpreisen von über 115 Dollar fällt — das wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich. Die Lage ist vielschichtiger.

Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus, über die vor dem Konflikt ein Fünftel der weltweiten Öl-Seetransporte liefen, ist seit Kriegsbeginn nahezu zum Erliegen gekommen. Für norwegische Nordsee-Produzenten bedeutet das zwar hohe Preise, aber auch erhebliche Unsicherheit über Lieferketten und Absatzmärkte. SEB Equities hatte Aker BP bereits am 11. März von Hold auf Sell herabgestuft — ein Signal, das institutionelle Investoren nicht ignorieren.

Trumps widersprüchliche Rhetorik — mal lobt er die Gespräche mit dem Iran als produktiv, mal droht er mit weiterer Militärpräsenz — macht eine verlässliche Bewertung von Energietiteln nahezu unmöglich. J.P. Morgan-Analysten gehen davon aus, dass selbst ein schneller Waffenstillstand den Ölpreis langfristig mit einem Sicherheitsaufschlag belasten wird, bedingt durch neue Schiffsrouten und höhere Versicherungskosten. Trotz einer starken YTD-Performance von über 43 % bleibt die kurzfristige Richtung unklar.

Infrastruktur als Schutzschild im geopolitischen Sturm

UBS hat sein Jahresendziel für den STOXX 600 bereits von 650 auf 630 gesenkt — angetrieben durch steigende Energieversorgungsrisiken. Irans Parlamentspräsident lehnte am 29. März die laufenden Verhandlungen mit den USA ab, während Trump gleichzeitig behauptete, der Iran habe den meisten amerikanischen Forderungen zugestimmt. Diese widersprüchlichen Signale werden Energie- und Konjunkturtitel weiter volatil halten.

Wer in diesem Umfeld reüssiert, sind Unternehmen mit langfristiger Auftragssichtbarkeit. Alstom, Getlink und LSEG liefern unabhängig von täglichen Geopolitikschlagzeilen. Qualitätstitel mit stabilen Cashflows, Rückkaufprogrammen und wachsender Auftragspipeline dürften im zweiten Quartal 2026 die bevorzugte Anlegerklasse bleiben — während Randstad, Worldline und Aker BP jeweils mit ganz eigenen Herausforderungen kämpfen.

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