Alphabet Aktie: Verhältnisse unsicher?
Australien will YouTube vor Gericht bringen. Gleichzeitig belasten interne Dokumente aus einem US-Verfahren das Unternehmen mit dem Vorwurf, Nutzersucht bewusst als Produktziel verfolgt zu haben. Für Alphabet häufen sich die juristischen Fronten — und das in einem Marktumfeld, das ohnehin schon angespannt ist.
Australien und die Klage gegen YouTube
Drei Monate nach Inkrafttreten des weltweit ersten gesetzlichen Social-Media-Verbots für unter 16-Jährige hat Australiens eSafety Commissioner festgestellt, dass ein erheblicher Teil der betroffenen Kinder weiterhin auf den verbotenen Plattformen aktiv ist. Die Behörde untersucht nun Instagram, Facebook, YouTube, Snapchat und TikTok auf mögliche Verstöße.
Bis Mitte 2026 sollen Strafen verhängt werden. Für YouTube drohen Bußgelder von bis zu umgerechnet rund 21 Millionen Euro. Das Gesetz hat international Aufmerksamkeit erregt — Malaysia, Frankreich, Neuseeland und Indonesien prüfen ähnliche Regelungen.
Interne Chats und ein Urteil aus Los Angeles
Wenige Tage vor der australischen Ankündigung wurden in einem US-Gerichtsverfahren interne Dokumente öffentlich, die YouTube-Mitarbeiter dabei zeigen, wie sie „Viewer Addiction" — also Nutzersucht — als explizites Produktziel diskutierten. Ein YouTube-Manager bestätigte die Echtheit der Chat-Protokolle, bestand jedoch darauf, dass es dabei um eine Videoerstellungs-App gegangen sei, nicht um die Hauptplattform.
Ebenfalls aus den Dokumenten: Schutzfunktionen für jüngere Nutzer wurden intern verworfen, weil sie keinen ausreichenden Return on Investment lieferten.
Am 25. März verurteilte ein Geschworenengericht in Los Angeles Meta und YouTube gemeinsam zur Zahlung von sechs Millionen US-Dollar Schadensersatz — wegen des Designs suchtfördernder Algorithmen, die einer heute 20-jährigen Frau seit ihrer Kindheit geschadet haben sollen. YouTube trägt 30 Prozent der Summe. Das Unternehmen hat Berufung angekündigt und argumentiert, YouTube sei eine Streaming-Plattform, kein soziales Netzwerk. Rund 2.000 weitere Klagen sind anhängig, ein bundesweites Verfahren ist für den Sommer 2026 angesetzt.
Was die Analysten sagen
Die Aktie verlor am Tag des Urteils rund drei Prozent — weniger als Meta mit fast acht Prozent, aber genug, um einen Rückgang von 21 Prozent seit Februar zu zementieren. Damit notiert Alphabet deutlich unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von rund 266 Euro.
Trotzdem halten große Banken an ihren positiven Einschätzungen fest. Wells Fargo erhöhte das Kursziel am 27. März von 387 auf 397 US-Dollar und verwies auf das TPU-Lizenzierungsprogramm sowie die abgeschlossene Übernahme des Cybersicherheitsunternehmens Wiz für 32 Milliarden US-Dollar — die größte Akquisition in Googles Geschichte. Evercore bestätigte ein Kursziel von 400 US-Dollar und erwartet ein Umsatzwachstum von mindestens 14 Prozent für 2026, leicht über dem Analystenkonsens von 13 Prozent. Der Konsens-Kurszielwert liegt bei 368 US-Dollar, 44 von 51 Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf.
Cloud als Gegengewicht
Das Cloud-Geschäft liefert weiterhin starke Zahlen. Im vierten Quartal 2025 wuchs Google Cloud um 48 Prozent auf 17,7 Milliarden US-Dollar — und übertraf damit nach Unternehmensangaben erstmals seit Jahren das Wachstumstempo von Microsoft Azure. Der Auftragsbestand im Cloud-Segment liegt bei rund 240 Milliarden US-Dollar. Wells Fargo rechnet damit, dass TPU-Lizenzen und die Wiz-Integration den Cloud-Umsatz 2026 um vier Prozent zusätzlich steigern, 2027 sogar um sieben Prozent.
Ob das Cloud-Wachstum die steigenden Kosten auf der Rechts- und Regulierungsseite dauerhaft kompensieren kann, wird sich spätestens mit dem Bundesverfahren im Sommer 2026 konkreter abzeichnen.
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