Die Sanierung des Erneuerbaren-Projektierers geht heute in die entscheidende Phase. In Wiesbaden stimmen die Anleihegläubiger über die finanzielle Zukunft des Unternehmens ab – nach einem gescheiterten ersten Versuch und vor dem Hintergrund eines historischen Verlusts von 170 Millionen Euro. Die Weichen für die Restrukturierung werden jetzt gestellt.

Zweiter Anlauf mit gesenkter Hürde

Ab 14 Uhr tagt die Gläubigerversammlung der Anleihe 2024/2029 in der Wiesbadener IHK. Der Termin ist ein Novum: Beim ersten Versuch einer "Abstimmung ohne Versammlung" hatte die Mehrheit der Gläubiger den Vorschlägen zugestimmt, doch die erforderliche Mindestbeteiligung von 50 Prozent wurde verfehlt. Nur 38 Prozent des ausstehenden Kapitals hatten sich beteiligt.

Diesmal genügt ein Quorum von 25 Prozent für die Beschlussfähigkeit. Die Messlatte liegt deutlich niedriger.

Worum es konkret geht

Die Gläubiger entscheiden über mehrere Anpassungen der Anleihebedingungen. Die Negativverpflichtung soll aufgehoben werden – sie blockiert derzeit neue Kredite und Bürgschaften. Kündigungsrechte der Gläubiger bei Umschuldungsverhandlungen sollen entfallen, weitere Kündigungsrechte bis Ende Mai ausgesetzt werden.

Zusätzlich soll ein gemeinsamer Vertreter die Interessen der Anleihegläubiger im Restrukturierungsprozess bündeln. Die Maßnahmen zielen darauf ab, dem Management Luft für die Umsetzung des Sanierungskonzepts zu verschaffen.

Von der Erfolgsstory zur schwersten Krise

ABO Energy durchlebt die härteste Phase seiner fast 30-jährigen Geschichte. Für 2025 erwartet die Geschäftsführung einen Jahresfehlbetrag von rund 170 Millionen Euro – das erste Minus überhaupt. Die Konzerngesamtleistung liegt voraussichtlich bei 230 Millionen Euro.

Noch im November 2025 war die Prognose bei 95 Millionen Euro Verlust gelegen, bevor am 15. Januar eine erneute Korrektur nach unten folgte. Besonders der deutsche Heimatmarkt belastet: Überzeichnete Wind-an-Land-Auktionen führten zu drastisch reduzierten Einspeisevergütungen und schrumpfenden Margen. Wertberichtigungen im Umfang von 35 Millionen Euro wurden nötig. Hinzu kamen negative Entwicklungen in Spanien, Finnland, Griechenland und Ungarn sowie Projektverschiebungen.

Operative Lichtblicke trotz Finanzkrise

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Operativ meldet das Unternehmen Fortschritte. In der jüngsten Bundesnetzagentur-Ausschreibung erhielt ABO Energy Zuschläge für drei Solarparks mit zusammen 50 Megawatt in Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Der durchschnittliche Zuschlagswert lag bei 5,00 Cent pro Kilowattstunde. Baustart ist für Herbst 2026 geplant, im Folgejahr sollen Batteriespeicher folgen.

Damit konnte ABO Energy in allen drei Solar-Ausschreibungen 2025 Zuschläge erzielen – insgesamt für rund 107 MW. Das aktuelle Hybrid-Portfolio umfasst acht Standorte mit 100 MWp Solarkapazität und rund 80 MW Batteriespeicher.

Der Plan: Profitabilität ab 2026

Das laufende Effizienz- und Transformationsprogramm soll bereits 2026 wieder zu einem positiven Konzernergebnis führen. Kern der Strategie ist die Umstellung auf ein Betreibermodell als Independent Power Producer. Für die operative Umsetzung wurde Hübner Management als CRO-Team eingebunden.

Die Geschäftsführung verweist auf die Projektpipeline von rund 30 Gigawatt an Wind-, Solar- und Batterieprojekten. Mehr als ein Drittel entfällt auf die Kernmärkte Deutschland und Frankreich.

Kapitalmarkt: Massive Verluste

Die Anleihe 2024 notiert bei etwa 16 Prozent des Nennwerts. Die Aktie verlor innerhalb von drei Monaten mehr als 80 Prozent. Das 52-Wochen-Hoch lag im Juli 2025 bei 45,20 Euro, das Tief im Februar 2026 bei 4,25 Euro.

Was heute entschieden wird

Ein positives Votum würde dem Management den nötigen finanziellen Spielraum verschaffen, um die 30-Gigawatt-Pipeline abzuarbeiten und die geplante Rückkehr in die Gewinnzone anzugehen. Die Veröffentlichung des Jahresabschlusses 2025 ist für den 22. Juni 2026 terminiert, die Hauptversammlung für den 13. August 2026. Das heutige Ergebnis bestimmt die Rahmenbedingungen für diese nächsten Etappen.

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