Viking vollzieht Phase-3-Meilenstein — fünf Biotech-Aktien zwischen Aufbruch und Abwärtstrend
Gestern meldete Viking Therapeutics den Abschluss der Patientenrekrutierung für seine entscheidende Phase-3-Studie im Bereich Adipositas. Die Nachricht setzt ein Signal in einem Sektor, der gerade an mehreren Fronten gleichzeitig in Bewegung ist: Hims & Hers baut sein Geschäftsmodell um, Healwell AI vermeldet Rekordumsätze, Tilray steht kurz vor Quartalszahlen — und Onco-Innovations arbeitet sich langsam Richtung klinische Erprobung vor. Fünf Unternehmen, fünf grundverschiedene Risikolagen.
Viking Therapeutics: Startschuss für die entscheidende Studienphase
Die Meldung vom 26. März hat Gewicht. Viking Therapeutics hat die vollständige Rekrutierung der Phase-3-Studie VANQUISH-2 abgeschlossen — rund 1.000 Erwachsene mit Typ-2-Diabetes und Adipositas nehmen teil. Der duale GLP-1/GIP-Rezeptoragonist VK2735 wird über 78 Wochen subkutan verabreicht, in drei Dosierungen gegen Placebo getestet. Eine 52-wöchige Verlängerungsphase schließt sich an.
Die Studienergebnisse werden für 2027 erwartet. Bereits im dritten Quartal 2026 sollen Daten zur Erhaltungsdosis aus der Phase-1-Studie vorliegen — ein wichtiger Zwischenschritt für die optimale Dosierungsstrategie.
Klinisch steht Viking auf solidem Fundament. Die im Januar 2026 im Fachjournal Obesity veröffentlichten Phase-2-Ergebnisse zeigten bis zu 14,7 % Gewichtsverlust unter der subkutanen Formulierung. Die orale Tablettenform erzielte in 13 Wochen durchschnittlich bis zu 12,2 %. Am 25. März notierte die Aktie bei rund 33,10 US-Dollar. Die Marktkapitalisierung liegt bei etwa 3,82 Milliarden US-Dollar, der Cashbestand bei rund 714,6 Millionen US-Dollar. JP Morgan hält an seiner Übergewichtung fest. Mehrere Analysten sehen im VANQUISH-Programm das Potenzial, das GLP-1-Duopol von Eli Lilly und Novo Nordisk aufzubrechen.
Hims & Hers: Vom Kompounder zum Markenpartner — mit Nebenwirkungen
Die strategische Neuausrichtung bei Hims & Hers greift tief in die Geschäftsstruktur ein. Das Unternehmen verlagert seinen Schwerpunkt weg von selbst hergestellten kompoundierten Semaglutid-Präparaten hin zu Marken-GLP-1-Medikamenten — ein Schritt, der Lieferkette und Compliance verbessert, aber die Margen drückt.
Kern der Neuausrichtung ist die im März angekündigte Partnerschaft mit Novo Nordisk. Kunden sollen Zugang zu einem breiten Sortiment zugelassener GLP-1-Medikamente erhalten, während kompoundiertes Semaglutid nur noch in begrenztem Umfang angeboten wird. Die Nachricht löste eine kräftige Kursreaktion aus: Von einem Tief bei 14,59 US-Dollar Ende Februar erholte sich die Aktie bis auf ein Intraday-Hoch von 28,06 US-Dollar am 12. März. Zuletzt pendelte der Kurs um 20,91 US-Dollar.
Die Zahlen verdeutlichen den Spagat. 2025 erzielte Hims & Hers einen Umsatz von 2,35 Milliarden US-Dollar — ein Plus von 59 % gegenüber dem Vorjahr. Für 2026 erwarten Analysten im Mittel rund 2,73 Milliarden US-Dollar, was einem deutlich gedämpften Wachstum von etwa 16,4 % entspricht. Gleichzeitig dürften die Bruttomargen von rund 74 % auf etwa 72 % sinken. Die EBITDA-Marge soll von 13,5 % auf 12,0 % zurückgehen.
Barclays-Analyst Glen Santangelo hob sein Kursziel nach dem Novo-Nordisk-Deal von 25 auf 29 US-Dollar an und behielt seine Übergewichtung bei. Das durchschnittliche Analystenrating liegt bei „Hold" mit einem Zwölfmonats-Kursziel von 28,83 US-Dollar. Ein Wermutstropfen: Ende März 2026 gab eine Anwaltskanzlei bekannt, mögliche Ansprüche von Aktionären gegen das Unternehmen zu prüfen.
Healwell AI: Rekordumsatz trifft auf Kursrücksetzer
Healwell AI lieferte mit seinen Jahreszahlen 2025 eine überraschend starke Topline. Der Gesamtumsatz aus fortgeführten Geschäftsbereichen erreichte rund 103,8 Millionen Kanadische Dollar — ein Rekordwert. Allein im vierten Quartal lagen die Erlöse bei 32,20 Millionen CAD, ein Anstieg von 374 % gegenüber dem Vorjahr.
Im Earnings Call vom 19. März meldete das Unternehmen einen Verlust je Aktie von -0,015 CAD und übertraf damit die Konsensschätzung von -0,033 CAD deutlich. Trotzdem reagierte der Markt zunächst verhalten. Am 24. März notierte die Aktie bei 0,84 CAD — ein Wochenminus von 12,5 %. In Euro gerechnet liegt der Kurs bei rund 0,49 € und damit nahe am 50-Tage-Durchschnitt, aber über 30 % unter dem 200-Tage-Schnitt.
Strategisch treibt Healwell die Expansion voran:
- Anfang März: Abschluss eines millionenschweren US-Vertrags für Health-Information-Exchange-Software, der die Präsenz im Bereich Dateninteroperabilität stärkt.
- Mitte März: Die hauseigene DARWEN™-KI-Plattform wurde mittlerweile in 47 peer-reviewed Publikationen validiert — neue Ergebnisse wurden auf der Tagung der European Crohn's and Colitis Organisation vorgestellt.
Scotiabank senkte das Kursziel zwar von 2,50 auf 2,00 CAD, behielt aber die Einstufung „Outperform" bei. Im Analystenschnitt liegt das Zwölfmonats-Kursziel bei 3,13 CAD — ein erheblicher Abstand zum aktuellen Niveau.
Tilray Brands: Übernahmeoffensive vor dem nächsten Quartalsbericht
Am 25. März gab Tilray bekannt, die Ergebnisse des dritten Geschäftsquartals (Stichtag: 28. Februar 2026) am 1. April vor Börseneröffnung zu veröffentlichen. Der Markt schaut genau hin, ob die aggressive Akquisitionsstrategie sich in den Zahlen niederschlägt.
Die jüngste Übernahme zielt auf den internationalen Getränkemarkt. Tilray schloss Anfang März den Kauf wesentlicher BrewDog-Assets in den USA ab und übernahm gleichzeitig BrewDog Brewing Australia — inklusive der Brauerei in Brisbane und eines Portfolios an Bar-Standorten. Die erworbenen BrewDog-Assets sollen im Geschäftsjahr 2027 rund 200 Millionen US-Dollar Nettoumsatz und 6 bis 8 Millionen US-Dollar bereinigtes EBITDA liefern. Die globale Getränkeplattform von Tilray wächst damit auf etwa 500 Millionen US-Dollar Jahresumsatz, der Gesamtkonzern peilt annualisiert rund 1,2 Milliarden US-Dollar an.
Im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres lag der Umsatz bei 217,5 Millionen US-Dollar — ein bescheidenes Plus von 3,1 % zum Vorjahr. An der Börse spiegelt sich die Skepsis wider: Bei rund 6,66 US-Dollar notiert die Aktie deutlich unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 9,50 US-Dollar und 71 % unter dem 52-Wochen-Hoch. Cannabis-bezogene regulatorische Entwicklungen auf US-Bundesebene bleiben ein potenzieller, aber bislang uneingelöster Katalysator.
Onco-Innovations: Hohes Risiko, große Optionalität
Am anderen Ende des Reifespektrums steht Onco-Innovations. Das Biotech-Unternehmen befindet sich im präklinischen Stadium und entwickelt mit ONC010 einen neuartigen Inhibitor des DNA-Reparaturenzyms PNKP in Nanopartikel-Formulierung für die Krebstherapie.
Die nächsten Meilensteine sind klar umrissen: Eine FDA-Einreichung wird für 2025/26 angestrebt, Phase-1-Studien sollen 2026 starten und zunächst Sicherheit und Dosierung prüfen. Parallel plant das Unternehmen eine Zweitnotierung an einer US-Börse, um die Investorenbasis zu verbreitern. Im Februar 2026 reichte Onco-Innovations bei den kanadischen Wertpapieraufsichtsbehörden einen vorläufigen Basisprospekt ein — eine Vorbereitung für künftige Kapitalmaßnahmen.
Strategisch setzt das Unternehmen auf hochkarätige Partnerschaften. AstraZeneca hat Interesse bekundet, als Gründungsmitglied am PROmAI-Konsortium teilzunehmen — einer KI-Initiative der Onco-Tochter Inka Health AI. Zudem besteht eine neue Forschungsvereinbarung mit der University of Alberta und dem Cross Cancer Institute.
Die Bewertung reflektiert den frühen Entwicklungsstand. Die Marktkapitalisierung liegt bei rund 34,5 Millionen CAD, der nachlaufende Umsatz bei gerade einmal 154.670 CAD. In Euro gerechnet notiert die Aktie bei 0,37 € — nur knapp über dem 52-Wochen-Tief von 0,35 € und rund 75 % unter dem Jahreshoch.
Fünf Aktien, ein gemeinsamer Nenner — und viele offene Fragen
GLP-1 bleibt die dominierende Gravitationskraft im Sektor. Viking baut mit VK2735 einen eigenen Kandidaten, Hims & Hers wandelt sich vom Kompounder zum Distributor für Markenmedikamente, und Healwell AIs pharmazeutische Partnerschaften im Bereich Real-World-Evidence bedienen dasselbe Ökosystem. Tilray operiert bewusst abseits dieser Dynamik als breit aufgestellte Lifestyle-Plattform. Onco-Innovations besetzt die Position mit dem höchsten Risiko — und der größten Optionalität.
Für Viking wird die Phase-1-Erhaltungsdosis-Auswertung im dritten Quartal 2026 zum nächsten Stimmungstest. Bei Hims & Hers steht ein mehrquartaler Margenübergang bevor, der die Profitabilität kurzfristig belasten dürfte. Healwell AI muss zeigen, dass aus Rekordumsätzen auch operativer Cashflow wird. Tilrays Quartalsbericht am 1. April liefert den nächsten Realitätscheck für die Übernahmestrategie. Und bei Onco-Innovations entscheiden die FDA-Einreichung und eine mögliche US-Notierung über die kurzfristige Richtung. Über alle fünf Namen hinweg gilt: Die Kluft zwischen Kapitalmarkterwartungen und tatsächlicher Umsetzung bleibt die zentrale Herausforderung.
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