Valneva Aktie: Rückzug aus USA
Der Rückzug des Chikungunya-Impfstoffs IXCHIQ vom US-Markt markiert eine Zäsur für Valneva. Nach Monaten wachsender Sicherheitsbedenken zieht der Impfstoffspezialist nun die Reißleine – während die Börse überraschend gefasst reagiert. Entscheidend wird, ob die Pipeline, allen voran der Borreliose-Kandidat, die entstehende Lücke perspektivisch schließen kann.
US-Markt: Lizenz weg, Studien gestoppt
Am 19. Januar 2026 gab Valneva den vollständigen Rückzug von IXCHIQ aus den USA bekannt. Das Unternehmen zieht sowohl die Biologics License Application (BLA) als auch den Investigational New Drug (IND)-Antrag bei der FDA freiwillig zurück.
Auslöser ist eine weitere Verschärfung der US-Behörde:
Nach der bereits im August 2025 ausgesprochenen Suspendierung der Lizenz verhängte die FDA nun zusätzlich einen klinischen Stopp. Hintergrund ist ein neuer schwerwiegender Zwischenfall (Serious Adverse Event) außerhalb der USA. Betroffen war ein jüngerer Erwachsener, der drei Impfungen gleichzeitig erhielt – darunter IXCHIQ. Eine endgültige Klärung des ursächlichen Zusammenhangs liegt laut Valneva noch nicht vor.
Wesentliche Fakten im Überblick:
- Rückzug von BLA- und IND-Anträgen bei der FDA
- Klinischer Stopp in den USA nach neuem schweren Zwischenfall
- IXCHIQ bleibt in Europa, Kanada, Großbritannien und Brasilien zugelassen
- Beitrag des Impfstoffs zur Gesamtbewertung laut Kempen nur rund 10 %
- Kooperation zum Borreliose-Kandidaten VLA15 mit Pfizer als strategischer Fokus
Eskalation mit Ansage
Die aktuelle Entscheidung ist das vorläufige Ende einer längeren Problemkette rund um IXCHIQ:
- Mai 2025: Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) setzt die Anwendung bei älteren Erwachsenen vorübergehend aus.
- August 2025: Die FDA suspendiert die US-Lizenz nach Berichten über schwere Nebenwirkungen, Krankenhauseinweisungen und einzelne Todesfälle.
- Dezember 2025: Valneva und das Serum Institute of India beenden ihre Lizenzvereinbarung für den Chikungunya-Impfstoff.
Mit dem zusätzlichen klinischen Stopp der FDA war der wirtschaftliche Spielraum in den USA praktisch verschwunden. Stifel-Analyst Damien Choplain hatte die US-Umsätze daher bereits nach der FDA-Entscheidung im August aus seinen Prognosen gestrichen und sprach von einer „ungünstigen Wirtschaftlichkeit“, die sogar eine komplette Einstellung des Produkts möglich erscheinen lasse.
Kurs reagiert begrenzt
An der Börse fällt die unmittelbare Reaktion moderat aus. Gestern schloss die Aktie bei 4,33 Euro, heute notiert sie mit 4,20 Euro etwas schwächer. Auf Wochensicht ergibt sich damit ein Rückgang von gut 5 Prozent, während der Titel auf 30-Tage-Sicht noch klar im Plus liegt.
Charttechnisch bleibt der Wert trotz der Nachricht im Aufwärtstrend:
Der Kurs liegt über dem 50-Tage-Durchschnitt von 4,02 Euro und deutlich über dem 200-Tage-Durchschnitt von 3,63 Euro. Der Abstand zum 52‑Wochen-Hoch von 5,16 Euro beträgt rund 18 Prozent, vom Tief bei 2,19 Euro ist die Aktie aber mehr als 90 Prozent entfernt. Das unterstreicht, dass ein wesentlicher Teil der US-Risiken offenbar bereits zuvor eingepreist wurde.
Analysten uneins, Fokus wandert zur Pipeline
Die Einschätzungen der Experten gehen deutlich auseinander:
- Stifel: Kaufempfehlung mit Kursziel 10 Euro (Stand: 6. Januar 2026).
- Goldman Sachs: Neutrale Bewertung mit Kursziel 3,25 Euro (November 2025).
- Kempen: Hält den Rückzug von IXCHIQ aus den USA für die richtige Entscheidung und verweist darauf, dass der Impfstoff nur etwa 10 Prozent der Gesamtbewertung ausmache.
Parallel verschiebt sich der Blick klar auf die Produktpipeline. Im November 2025 meldete Valneva positive Phase‑2-Daten für den gemeinsam mit Pfizer entwickelten Borreliose-Impfstoffkandidaten VLA15. Dieser gilt im aktuellen Setup als potenzieller künftiger Umsatztreiber und rückt durch das Aus für IXCHIQ in den USA noch stärker ins Zentrum der Investmentstory.
Internationale Zulassungen und Ausblick
Trotz des US-Rückzugs bleibt IXCHIQ in mehreren wichtigen Märkten verfügbar: Europa, Kanada, Großbritannien und Brasilien halten ihre Zulassungen bislang aufrecht. Valneva plant, die vorgesehenen Post-Marketing-Studien fortzusetzen, vorbehaltlich weiterer Gespräche mit den zuständigen Behörden.
Operativ steht damit ein klarer Fahrplan: Die bestehenden Märkte für IXCHIQ sollen stabilisiert, gleichzeitig die Pipeline – insbesondere VLA15 – vorangetrieben werden. Kursseitig bleibt entscheidend, ob sich der Titel oberhalb der mittelfristigen Durchschnittslinien behauptet und weitere positive Studiendaten den Fokus weg von den regulatorischen Problemen hin zu den langfristigen Wachstumsperspektiven lenken.
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