Liebe Leserinnen und Leser,

selten hat ein technischer Defekt die Weltmärkte so sehr in Atem gehalten wie das „kleine elektrische Problem" an Bord der Air Force One. Dass sich die Ankunft von Donald Trump in Davos an diesem Mittwoch um drei Stunden verzögert, entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Die Weltwirtschaft hängt buchstäblich in der Warteschleife.

Während wir auf die für 15:30 Uhr geplante Rede warten, herrscht auf dem Parkett bereits Klarheit über die Stimmungslage. Die Ungewissheit treibt das Kapital in die klassischen Schutzbunker. Der Goldpreis markierte mit über 4.859 US-Dollar pro Unze ein neues Allzeithoch, während der DAX seine Wunden leckt. Die elektrisierende Spannung, von der wir gestern sprachen, hat sich nicht entladen – sie hat sich angestaut.

Hier ist, was Sie heute Mittag wissen müssen.

Der arktische Kälteschock für den DAX

Manchmal bedarf es des sprichwörtlichen Schritts zurück, um die Dimension einer Marktbewegung zu erfassen. Noch vor einer Woche feierten wir im DAX Rekordstände jenseits der 25.500 Punkte. Heute Mittag kämpft der Leitindex bei rund 24.530 Zählern um Bodenhaftung. Ein Verlust von fast 1.000 Punkten in wenigen Handelstagen bedeutet faktisch: Die Gewinne des noch jungen Jahres 2026 sind beinahe pulverisiert.

Der Auslöser bleibt die aggressive Rhetorik aus Washington bezüglich Grönland und die damit verknüpfte Drohung von Strafzöllen gegen acht NATO-Partner. Diese Unsicherheit hängt wie ein Damoklesschwert über der deutschen Exportindustrie. BDI-Präsident Peter Leibinger nannte das Vorgehen heute Vormittag auf der Jahresauftakt-Pressekonferenz unmissverständlich „unangemessen". Zwar prognostiziert der Industrieverband für 2026 endlich wieder ein zartes Wachstum von 1 Prozent – nach drei Jahren der Stagnation –, doch Leibinger warnte deutlich: Neue Zölle könnten dieses fragile Pflänzchen sofort wieder ersticken.

Im heutigen Handel trifft es vor allem die Finanzwerte. Die Deutsche Bank (-1,6 Prozent) und die Commerzbank (-1,45 Prozent) geben nach. Die Kausalkette der Händler ist logisch: Zölle treiben die Inflation, Inflation zwingt die EZB zur Vorsicht, und Handelskriege erhöhen das Ausfallrisiko bei Krediten. Lichtblicke finden sich nur in der Defensive oder der Spekulation: Henkel bietet als klassischer „Sicherer Hafen" mit einem Plus von 2,3 Prozent Schutz, während QIAGEN von Übernahmefantasien getrieben wird.

Netflix und die 82-Milliarden-Dollar-Frage

Gestern Abend blickten wir gespannt auf die Zahlen von Netflix, heute Morgen sehen wir das Ergebnis einer strategischen Neuausrichtung, die den Anlegern schwer im Magen liegt. Obwohl der Streaming-Pionier im vierten Quartal 2025 die Erwartungen bei Umsatz und Gewinn übertraf, rauscht die Aktie vorbörslich um rund 6 Prozent in die Tiefe.

Der Grund ist nicht die operative Performance, sondern die strategische Wette auf die Zukunft: Die geplante Übernahme von Warner Bros. Discovery (WBD) ist ein 82,7-Milliarden-Dollar-Koloss. Um diesen Deal zu finanzieren, setzt das Management die beliebten Aktienrückkäufe aus. Für die Wall Street ändert sich damit das Narrativ schlagartig: Aus der verlässlichen Cashflow-Maschine wird vorübergehend eine komplexe Integrations-Großbaustelle.

Erschwerend kommt hinzu, dass der Ausblick auf das Umsatzwachstum 2026 mit prognostizierten 12 bis 14 Prozent die hochgesteckten Erwartungen leicht verfehlte. Es ist eine schmerzhafte Erinnerung daran, dass an der Börse stets die Zukunft gehandelt wird – und diese sieht für Netflix-Aktionäre nun zunächst teurer und komplizierter aus als erhofft.

Davos: Risse im Fundament

Während Trump noch in der Luft ist (oder das Flugzeug wechselt), wird am Boden in Davos bereits Tacheles geredet. Kanadas Premier Mark Carney wählte bemerkenswert offene Worte und diagnostizierte, die Welt befinde sich „mitten in einem Bruch". Die Front der US-Verbündeten gegen die Grönland-Pläne formiert sich zusehends – von Frankreichs Präsident Macron bis zu EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen.

Taktisch interessant ist dabei die Rolle von NATO-Generalsekretär Mark Rutte. Er wählte heute einen pragmatischen, fast schmeichelnden Ansatz: Man könne „froh sein", dass Trump da sei, da er Europa gezwungen habe, mehr für die eigene Verteidigung zu tun. Es wirkt wie der verzweifelte Versuch, den politischen Bündnisfall zu retten, während auf wirtschaftlicher Ebene der Handelskrieg droht.

Krypto vs. Gold: Barren schlägt Bytes

In Phasen echter geopolitischer Anspannung trennt sich die Spreu vom Weizen – oder in diesem Fall: das physische vom digitalen Asset. Lange wurde Bitcoin als das „digitale Gold" vermarktet. Die letzten 24 Stunden demaskieren diese These. Während Gold auf Rekordjagd ist (+1,7 Prozent), fällt der Bitcoin unter die Marke von 90.000 US-Dollar (aktuell ca. 76.130 Euro).

Die Korrelation ist eindeutig: Bitcoin verhält sich aktuell wie eine risikobehaftete Tech-Aktie und korreliert stark mit dem S&P 500, nicht wie ein Krisenschutz. Hinzu kommen regulatorische Sorgen in den USA – Coinbase-CEO Armstrong kritisiert aktuell scharf den „CLARITY Act". Wer heute Sicherheit sucht, vertraut auf physische Schwere, nicht auf kryptografische Algorithmen.

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Was sonst noch wichtig ist

  • VW setzt auf Kreislauf: Ein wichtiges Signal für den Industriestandort Sachsen kommt aus Zwickau. Volkswagen investiert 90 Millionen Euro, um den Standort zum Zentrum für Kreislaufwirtschaft auszubauen. Ab 2030 sollen dort jährlich bis zu 15.000 E-Fahrzeuge recycelt werden.
  • Telekom unter Druck: Die T-Aktie fiel auf ein Zweimonatstief. Belastungsfaktor sind hier primär regulatorische Sorgen auf EU-Ebene, die Investoren verunsichern.
  • Zugriff in Brandenburg: Der Generalbundesanwalt hat heute zwei mutmaßliche Unterstützer prorussischer Milizen festnehmen lassen – ein ernstes Signal der Wehrhaftigkeit in politisch unruhigen Zeiten.

Schlussgedanke

Die Augen der Finanzwelt richten sich nun auf 15:30 Uhr. Wenn Donald Trump in Davos ans Mikrofon tritt, wird nicht nur über das Schicksal Grönlands debattiert, sondern auch über die kurzfristige Richtung des DAX entschieden. Die Volatilität dürfte hoch bleiben. Für Sie als Anleger gilt in diesen Stunden: Lassen Sie sich nicht von jeder Eilmeldung aus der Ruhe bringen, aber prüfen Sie, ob Ihre Stop-Loss-Marken noch sinnvoll gesetzt sind.

Ich wünsche Ihnen einen erkenntnisreichen Mittwoch.

Herzlichst,

Ihr

Eduard Altmann