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320 Milliarden Dollar Bewertung für ein Startup – klingt absurd? Willkommen bei OpenAI, wo NVIDIA gerade das größte Investment seiner Firmengeschichte vorbereitet. Doch während im Silicon Valley die KI-Milliarden fließen, kämpft in Essen ein Traditionskonzern um seine Zukunft: ThyssenKrupp, dessen Aktie gestern noch abgestraft wurde, bekommt plötzlich Rückenwind von unerwarteter Seite. Und dann wäre da noch Apple, das mit neuen KI-Wearables die Konkurrenz ausstechen will – während Tesla-Chef Elon Musk mit schwachen Zahlen hadert. Drei Welten, drei Strategien, eine Frage: Wo lohnt sich der Einsatz?

NVIDIA setzt 30 Milliarden auf OpenAI – und ändert damit die Spielregeln

Was zunächst nach einer weiteren Finanzierungsrunde klingt, ist in Wahrheit ein strategischer Paukenschlag: NVIDIA plant laut Reuters, 30 Milliarden US-Dollar direkt in OpenAI zu investieren – und ersetzt damit eine frühere Absichtserklärung, die bis zu 100 Milliarden über mehrere Jahre in OpenAI-Rechenzentren fließen lassen sollte. Die neue Struktur ist flexibler, die Beteiligung direkter. Für NVIDIA-Chef Jensen Huang ist die Botschaft klar: „Sam Altman schließt die Runde ab, und wir werden definitiv beteiligt sein."

Die aktuelle Finanzierungsrunde könnte OpenAI auf eine Bewertung von bis zu 830 Milliarden Dollar katapultieren – mehr als die meisten börsennotierten Tech-Konzerne. Neben NVIDIA sollen auch SoftBank und Amazon signifikante Summen beisteuern. Das frische Kapital fließt vor allem in Hochleistungschips, um die nächste Generation von KI-Modellen zu trainieren. Trotz eigener Chip-Ambitionen bleibt OpenAI massiv auf NVIDIAs H100- und Blackwell-Prozessoren angewiesen. Ein Börsengang? Frühestens Ende 2026, heißt es in Marktkreisen.

An der NASDAQ reagierte die NVIDIA-Aktie gestern mit einem marginalen Minus von 0,04 Prozent auf 187,90 Dollar – die Anleger scheinen die Neuigkeit bereits eingepreist zu haben. Doch die eigentliche Frage lautet: Kann OpenAI die Billionen-Investitionen, die CEO Sam Altman für eine globale KI-Infrastruktur veranschlagt, jemals in Umsatz verwandeln? Die Skepsis gegenüber der Rentabilität hoher KI-Ausgaben wächst – und belastet auch andere Tech-Werte.

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ThyssenKrupp: Vom Sorgenkind zum Kaufkandidat

Noch vor einer Woche brach die ThyssenKrupp-Aktie nach enttäuschenden Quartalszahlen um über zwölf Prozent ein. Jetzt die Kehrtwende: Die Investmentbank Jefferies stuft das Papier von "Hold" auf "Buy" hoch und hebt das Kursziel von 12,50 auf 13 Euro an. Analyst Tommaso Castello sieht die jüngste Korrektur als Einstiegschance in eine „interessante Anlagestory" – und liegt damit deutlich über dem Konsens.

Die Argumente: Dank politischem Rückenwind und Umstrukturierung sieht Castello Ergebnispotenzial im EU-Stahlgeschäft. Er erhöht seine operative Ergebnisprognose (EBITDA) für 2026 um fünf Prozent auf 1,51 Milliarden Euro – sechs Prozent über dem Analystenkonsens. Hinzu kommen mögliche Wertfreisetzungen durch den Verkauf des europäischen Stahlgeschäfts, einen potenziellen Börsengang der Aufzugsparte TK Elevator oder eine Abspaltung des Werkstoffgeschäfts.

Die Aktie reagierte prompt: Im vorbörslichen Handel kletterte sie um über vier Prozent auf 11,25 Euro. Damit rückt das Siebenjahres-Hoch bei 12,48 Euro wieder in Reichweite. Seit dem Rekordtief im Herbst 2024 bei 2,08 Euro hat sich das Papier versechsfacht – ein beeindruckendes Comeback für einen Konzern, der lange als Sanierungsfall galt. Doch bis zum Allzeithoch von 35 Euro aus dem Jahr 2007 bleibt der Weg weit.

Apple: Neue KI-Wearables als Rettungsanker?

Die Apple-Aktie hat seit Jahresbeginn rund vier Prozent verloren – kein Einzelschicksal, sondern Ausdruck einer breiteren Skepsis gegenüber Tech-Bewertungen. Hinter der Zurückhaltung steht die Frage: Rechtfertigen die massiven KI-Investitionen die künftigen Erträge? Apple arbeitet nun an einer Antwort: Laut Bloomberg-Journalist Mark Gurman entwickelt der Konzern drei neue KI-gestützte Produkte – eine smarte Brille, einen tragbaren Anhänger und technologisch aufgerüstete AirPods.

Alle Geräte sollen eng mit dem iPhone verknüpft sein und ein Kamerasystem nutzen, um dem digitalen Assistenten Siri visuellen Kontext zu liefern. Während Anhänger und AirPods als einfache Assistenzprodukte mit niedriger Kameraauflösung konzipiert sind, positioniert Apple die intelligente Brille als High-End-Produkt. Ziel: Nutzer langfristig ans eigene Ökosystem binden und Meta in diesem Segment die Marktführerschaft streitig machen.

Am 4. März lädt Apple zu einer „Special Apple Experience" in New York, London und Shanghai. Erwartet werden das iPhone 17e als neues Einstiegsmodell, MacBook-Pro-Varianten mit M5-Chips, die zwölfte Generation des iPads sowie Updates für Apple TV und HomePod mini. CEO Tim Cook hat intern bereits die Arbeit an neuen KI-basierten Produktkategorien bestätigt – ein notwendiger Schritt, nachdem das Vision-Pro-Headset die Erwartungen enttäuschte.

Europas Chipindustrie: Infineon eröffnet früher, Analysten werden skeptisch

Während NVIDIA Milliarden in KI pumpt, macht Infineon Tempo in Dresden: Die neue „Smart Power Fab" wird bereits am 2. Juli eröffnet – früher als ursprünglich geplant. Vorstandschef Jochen Hanebeck begründet den beschleunigten Zeitplan mit der wachsenden Nachfrage nach KI-Chips. Die Investition: fünf Milliarden Euro, davon eine Milliarde aus Fördermitteln. Rund 1.000 neue Arbeitsplätze sollen entstehen.

Doch nicht alle teilen den Optimismus: Die Bank of America stufte Europas Chipbranche nach der „wahnsinnigen Rally" auf „Underweight" ab – rät also zur Untergewichtung in Portfolios. Zyklische Branchen wie Halbleiter, Investitionsgüter und Bauwerte stehen bei den BofA-Strategen nicht hoch im Kurs. Stattdessen setzen sie auf „Verstecke vor KI-Risiken" wie Konsumgüter, Telekom und Chemie.

Die Infineon-Aktie notierte gestern ex Dividende bei 45,53 Euro – bereinigt um den Abschlag von 0,35 Euro bewegt sie sich im Plus. Für das laufende Geschäftsjahr erhöht der Konzern seine geplanten Investitionen von 2,2 auf 2,7 Milliarden Euro, um bis 2027 Umsätze von rund 2,5 Milliarden Euro im KI-Segment zu erzielen. Ob das reicht, um die skeptischen Analysten zu überzeugen?

Gold glänzt trotz starkem Dollar – Iran-Krise als Preistreiber

Während Tech-Aktien schwächeln, bleibt Gold gefragt: Der Spotpreis legte gestern um 0,4 Prozent auf 5.017,85 Dollar je Unze zu. Trotz eines festeren US-Dollars und hawkisher Fed-Signale stützen die eskalierenden Spannungen zwischen den USA und dem Iran den Goldpreis. US-Präsident Donald Trump warnte Teheran vor „erheblichen Konsequenzen", sollte sich das Regime nicht auf ein Atomabkommen einlassen. Die Welt werde „wahrscheinlich in den nächsten zehn Tagen herausfinden", in welche Richtung es geht.

Das Szenario eines Militärschlags hält die Märkte in Atem – und treibt auch die Ölpreise. Brent-Rohöl kletterte auf 72,27 Dollar je Barrel, WTI auf 66,98 Dollar. Für die Woche steuert Gold dennoch auf ein Minus von 0,6 Prozent zu, da die Hoffnung auf eine diplomatische Lösung zwischenzeitlich für Entspannung sorgte. Silber notiert bei 78,80 Dollar je Unze, Platin bei 2.089,65 Dollar.

Rüstungsaktien profitieren von der Unsicherheit: Rheinmetall legte zeitweise um 0,5 Prozent zu, HENSOLDT um 0,3 Prozent. Bei thyssenkrupps Marinesparte TKMS und RENK zeigten sich die Anleger hingegen zurückhaltender. Die Frage bleibt: Wie lange hält die geopolitische Prämie?

Ausblick: Was die nächsten Tage bringen

Die kommende Woche dürfte spannend bleiben: Am Montag ruht der Handel in Japan und China wegen Feiertagen, am Dienstag stehen in den USA wichtige Konjunkturdaten an. Besonders im Fokus: die erste BIP-Schätzung für das vierte Quartal 2025 sowie der PCE-Preisindex, das bevorzugte Inflationsmaß der Fed. Eine Wachstumsrate von annualisiert drei Prozent würde die Zinssenkungserwartungen dämpfen – und könnte Tech-Aktien weiter belasten.

In Europa blicken Anleger auf die Einkaufsmanagerindizes, die heute Vormittag veröffentlicht werden. Die Erwartung: leichte Verbesserungen der Stimmungslage. Ob das reicht, um den DAX nachhaltig über die 25.000-Punkte-Marke zu hieven, bleibt abzuwarten. Die Chartunterstützung hielt gestern, doch vor dem Wochenende dürfte die Zurückhaltung angesichts der Iran-Krise überwiegen.

Eines wird klar: Die Märkte befinden sich in einer Neubewertungsphase. KI-Investitionen werden kritischer hinterfragt, traditionelle Industrien wie Stahl erleben überraschende Comebacks, und geopolitische Risiken rücken wieder in den Vordergrund. Wer jetzt investiert, sollte genau hinschauen – und nicht blind den großen Namen folgen.

Beste Grüße aus dem Newsroom,
Andreas Sommer