Tesla steht zum Wochenausklang zwischen gegensätzlichen Signalen: Auf der einen Seite gibt es Diskussionen um sinkende Mitarbeiterzahlen in der deutschen Gigafactory, auf der anderen Seite Rückenwind für die Softwarestrategie rund um Full Self-Driving (FSD) durch ein neues Versicherungsmodell. Im Kern geht es darum, ob kurzfristige operative Stolpersteine die langfristige Story als KI- und Robotaxi-Anbieter ausbremsen können.

Streit um Stellen in Grünheide

Auslöser der aktuellen Debatte ist ein Bericht des Handelsblatt vom Donnerstag. Demnach sei die Belegschaft der Gigafactory in Grünheide seit 2024 um rund 1.700 Beschäftigte geschrumpft, was einer Reduktion von etwa 14 % entspricht. Das Werk komme damit aktuell auf 10.703 Mitarbeiter.

Tesla widerspricht allerdings der Darstellung eines aktiven Stellenabbaus. Gegenüber Reuters betonte der Konzern, es gebe keine Pläne für strukturelle Personalkürzungen oder Produktionsdrosselungen in Grünheide. Die geringere Zahl an Beschäftigten sei auf normale Fluktuation und einen geringeren Bedarf an Leiharbeitern nach der Anlaufphase zurückzuführen.

Parallel dazu dämpft CEO Elon Musk die Erwartungen an Teslas nächste Wachstumsstorys im Bereich Robotaxis und humanoider Roboter. Er bezeichnete den Produktionshochlauf des Cybercab-Robotaxis und des Roboters „Optimus“ als „painfully slow“. Das wirkt wie ein Gegenakzent zu den hohen Hoffnungen vieler Anleger, die Tesla zunehmend als KI- und Robotik-Play sehen – zumal der Konzern bereits zu Jahresbeginn beim Q4-Auslieferungsziel die Analystenerwartungen verfehlt hatte.

FSD-Versicherung als Rückenwind

Trotz dieser operativen Fragezeichen erhält die Aktie zugleich ein wichtiges Vertrauenssignal für die FSD-Software. Der US-Versicherer Lemonade kündigte an, ab dem 26. Januar in Arizona ein „Autonomous Car“-Versicherungsprodukt auf Basis der Tesla-API zu starten.

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Kern des Modells: Für mit aktiviertem FSD gefahrene Kilometer sollen die Versicherungsprämien um rund 50 % sinken. Grundlage sind Daten, wonach FSD-Fahrten deutlich geringere Unfallraten aufweisen sollen als menschliche Fahrer. Damit wird Teslas Argumentation, dass FSD-Sicherheit ein zentrales Verkaufsargument ist, erstmals in ein konkretes Tarifsystem eines unabhängigen Versicherers übersetzt.

Diese Nachricht passt zu Teslas strategischer Verschiebung hin zu wiederkehrenden Software-Erlösen. Der Konzern will das einmalige Kaufmodell für FSD am 14. Februar 2026 abschaffen und vollständig auf ein Abomodell mit 99 US-Dollar im Monat umstellen. Kooperationen wie die mit Lemonade stützen die These, dass FSD nicht nur technisch, sondern auch ökonomisch einen echten Mehrwert liefern kann.

Der größere Kontext: Vom Blech zur Software

Die gegensätzlichen Nachrichten – niedrigere Beschäftigtenzahlen im Werk versus positive Signale aus der Software- und Versicherungswelt – verdeutlichen den strukturellen Wandel im Geschäftsmodell.

  • Produktionsseite: Die Entwicklung in Grünheide fügt sich ein in die globalen Kostensenkungsprogramme, die Musk bereits im April 2024 mit einem Ziel von rund 10 % weniger Stellen ausgerufen hatte. Hohe Zinsen und Margendruck im Autogeschäft erhöhen den Druck zur Effizienzsteigerung.
  • Softwareseite: FSD und Robotaxis sollen mittelfristig zu einer wiederkehrenden, margenstarken Erlösquelle werden. Die Abschaffung der Einmalkäufe zugunsten eines Abo-Modells ist ein klarer Schritt in diese Richtung.
  • Bewertung: Tesla wird stark auf diese Zukunftsthemen bepreist. Die hohe Bewertung fußt weniger auf klassischen Automargen als auf der Erwartung, dass Robotaxis, KI-Software und Energiegeschäfte künftige Gewinnblöcke liefern.

Der aktuelle Kursverlauf spiegelt diese Spannung wider. Die Aktie hat in den vergangenen sieben Tagen um gut 10 % nachgegeben und liegt rund 19 % unter dem 52‑Wochen-Hoch, notiert aber immer noch deutlich über ihrem 200‑Tage-Durchschnitt. Das deutet darauf hin, dass der Markt zwar jüngste Unsicherheiten einpreist, die langfristige Wachstumsstory aber keineswegs abgeschrieben hat.

Ausblick auf Zahlen und Softwarephase

Der nächste harte Prüfstein steht bereits fest: Am 28. Januar legt Tesla die Zahlen für das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2025 vor. Neben den Diskussionen um Grünheide dürfte dann vor allem die Energiesparte im Vordergrund stehen, die im Schlussquartal mit 14,2 GWh ausgelieferter Speicherkapazität einen Rekordwert erreicht hat und damit Schwächen im Autogeschäft abfedern könnte.

Operativ und strategisch rücken zugleich klare Termine näher: Mitte Februar stellt Tesla vollständig auf das FSD-Abo-Modell um, am 31. März endet das Programm zur Übertragung von FSD-Lizenzen. Die kommenden sechs Wochen werden damit entscheidend dafür, wie überzeugend Tesla seine Story als Software- und Robotikunternehmen mit konkreten Umsätzen und Fortschritten unterlegt.

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