Guy Spier schließt seinen Fonds. Bitcoin kämpft um die 66.000-Dollar-Marke. Und Coinbase verliert fast ein Fünftel seines Wertes – wegen eines einzigen Gesetzentwurfs. Drei Ereignisse, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben. Auf den zweiten Blick erzählen sie dieselbe Geschichte: Der Markt bestraft gerade alles, was auf Vertrauen und Zukunftsversprechen gebaut ist – und belohnt das Greifbare, das Physische, das Defensive. Gold nähert sich 4.500 Dollar. Öl-Aktien legen zweistellig zu. Wer das versteht, versteht diese Woche.

Das Ende des klassischen Stockpickers

Guy Spier ist kein Name, der täglich durch die Finanzpresse geistert. Aber sein Rückzug diese Woche verdient mehr Aufmerksamkeit als er bekommt. Der Züricher Value-Investor schließt seinen 470-Millionen-Dollar-Fonds Aquamarine Fund – und das nach einer Lebensrendite von 1.186 Prozent seit 1997. Klingt nach Erfolg. Ist es auch. Trotzdem reicht es nicht mehr.

Spiers Begründung ist so ehrlich wie unbequem: Die Recherche-Vorteile, auf denen aktives Stockpicking einst beruhte, werden von KI systematisch eingeebnet. Wer früher in philippinischen Molkereien oder britischen Getreideproduzenten verborgene Werte aufspürte, kämpft heute gegen Algorithmen, die dieselben Daten in Millisekunden auswerten. „Alle schauen überall hin\" – so formuliert es Spier selbst. Der Informationsvorsprung ist weg.

Hinzu kommt ein strukturelles Problem, das viele Value-Investoren der Buffett-Schule kennen: Wer die Magnificent Seven jahrelang gemieden hat, weil die Bewertungen zu hoch erschienen, hat schlicht die größte Rallye der letzten Dekade verpasst. Spier schwenkte zwar irgendwann auf Alphabet um – zu spät, um den Rückstand aufzuholen. Acht Jahre Underperformance gegenüber dem S&P 500 in Folge sind das Ergebnis.

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Für deutsche Anleger stellt sich die Frage: Wenn ein erfahrener Profi mit nachgewiesener Langfristbilanz aufgibt, was bedeutet das für aktiv gemanagte Fonds im eigenen Depot? Die Antwort liegt nahe: Wer noch in teuren aktiven Fonds sitzt, sollte deren Kostenquote und Benchmark-Performance sehr genau unter die Lupe nehmen.

Speicherchips unter Beschuss – und eine Kaufgelegenheit?

Micron Technology verlor in den vergangenen fünf Handelstagen spürbar an Wert – ausgelöst durch eine unerwartete Quelle: Google präsentierte TurboQuant, einen neuen Kompressionsalgorithmus, der den Speicherbedarf von KI-Systemen erheblich reduzieren soll. Die Logik dahinter ist simpel: Weniger Speicherbedarf bedeutet weniger Umsatz für Speicherchip-Hersteller.

Doch Bank-of-America-Analyst Vivek Arya sieht das anders. In einer Note schreibt er, die Kursrückgänge schüfen eine Einstiegsgelegenheit – die Nachfrage nach KI-Speicher bleibe strukturell stark. Das ist ein klassischer Widerspruch, der an den Märkten dieser Tage häufig vorkommt: kurzfristiger Schock trifft auf langfristige These.

Interessant ist auch der Zeitpunkt. Micron hatte erst Mitte März Zahlen vorgelegt, die Gewinn und Umsatz vervielfacht zeigten – ein starkes Quartal. Wer die Aktie daraufhin gekauft hat, sitzt nun trotzdem im Minus. Das zeigt, wie schnell ein einzelner technologischer Ankündigung die Stimmung kippen kann. Ob TurboQuant tatsächlich so disruptiv ist wie befürchtet, wird sich erst in den kommenden Quartalen zeigen.

Meta, Haftung und das Milliarden-Risiko

Eine Los-Angeles-Jury befand Meta und Google diese Woche für fahrlässig in der Gestaltung sozialer Plattformen, die Jugendlichen schaden. Das klingt nach einem juristischen Randthema – ist es aber nicht. Meta-Aktionäre straften den Konzern mit einem Kursrückgang von über 13 Prozent innerhalb von fünf Tagen ab.

Das eigentliche Risiko liegt nicht im Urteil selbst, sondern in dem, was es auslöst: eine Welle ähnlicher Klagen. Wenn Plattformbetreiber künftig für Designentscheidungen haftbar gemacht werden können, verändert das die gesamte Geschäftslogik von Social Media. Regulierungsdruck aus Europa kennen Meta-Anleger schon länger – aber US-Haftungsrecht ist eine andere Dimension.

Stablecoins: Wenn ein Gesetzentwurf die Branche erschüttert

Coinbase verlor in den letzten fünf Handelstagen fast 20 Prozent. Der Auslöser: Berichte über einen Gesetzentwurf zur Stablecoin-Regulierung, der Zinszahlungen auf Stablecoin-Bestände einschränken würde. Circle, der Herausgeber von USD Coin, wurde von denselben Berichten getroffen.

Morgan-Stanley-Analyst James Faucette ordnet die Reaktion so ein: Der Markt hatte auf einen White-House-Kompromiss gehofft, der zinsähnliche Erträge auf Stablecoins erlaubt hätte. Diese Erwartung ist nun geplatzt. Faucette hält trotzdem an seinem Kursziel fest – er sieht das langfristige Potenzial von Circle in Bereichen wie KI-Agenten-Transaktionen, Collateral Management und grenzüberschreitenden Zahlungen.

Für Krypto-Anleger in Deutschland ist das eine wichtige Lektion: Regulierungsrisiko ist real und kann schnell einschlagen. Wer in Krypto-Infrastruktur investiert – ob direkt oder über Coinbase-Aktien – sollte den politischen Prozess in Washington genauso beobachten wie Kurscharts.

Bitcoin zwischen Geopolitik und Optionsablauf

Bitcoin schloss die Woche mit einem Verlust von rund drei Prozent – gemessen am Wochenverlauf von Montag bis Freitag ein vergleichsweise moderates Minus. Schwerer wog der Kontext: 14 Milliarden Dollar an Bitcoin-Optionen liefen am Freitag aus, das größte Optionsablaufereignis des Jahres. Gleichzeitig sorgten ETF-Abflüsse und steigende US-Anleiherenditen für Gegenwind.

Der Iran-Krieg bleibt das dominierende Makro-Thema. Steigende Ölpreise befeuern Inflationserwartungen, was Zentralbanken zu einer restriktiveren Haltung zwingt – und das wiederum drückt auf Bitcoin und andere Risikoanlagen. Iliya Kalchev vom Krypto-Analysehaus Nexo bringt es auf den Punkt: „Eine Woche, die mit vorsichtigem Optimismus über diplomatische Fortschritte begann, endet auf einer defensiveren Note.\"

Ether verlor auf Wochensicht knapp fünf Prozent, XRP über fünfeinhalb Prozent. Im Krypto-Wochenranking (KW 13) gab es kaum Lichtblicke – Stellar war mit einem Plus von 8,2 Prozent die einzige nennenswerte Ausnahme im Feld der größeren Coins.

Gold bei 4.434 Dollar – und ein Analyst sieht noch viel mehr

Ed Yardeni, Gründer von Yardeni Research, sorgte mit einer Prognose für Aufsehen: 6.000 Dollar pro Unze Gold bis Ende 2026, langfristig sogar 10.000 Dollar. Aktuell notiert Gold bei rund 4.434 Dollar – das wäre ein Anstieg von 35 Prozent in weniger als neun Monaten.

Yardenis Hauptargument: Geopolitik und das Einfrieren russischer Zentralbankreserven durch den Westen haben das Vertrauen in Dollar-basierte Reserven dauerhaft erschüttert. Zentralbanken weltweit diversifizieren – und Gold ist die natürliche Alternative. Außerdem, so Yardeni, verlaufen Gold und der S&P 500 kurzfristig oft gegenläufig, was Gold zum effektiven Diversifikationsinstrument macht.

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Ob 6.000 Dollar realistisch sind, bleibt offen. Was aber feststeht: Gold hat in diesem Umfeld – Iran-Krieg, Inflationsdruck, geopolitische Unsicherheit – alle Treiber auf seiner Seite. Für ein deutsches Depot, das ohnehin stark in Aktien gewichtet ist, verdient Gold als Beimischung gerade besondere Aufmerksamkeit.

Arm Holdings: Der Chip-Designer wird zum Chip-Hersteller

Ein Thema, das in der Nachrichtenflut dieser Woche etwas unterging: Arm Holdings kündigte an, erstmals in seiner Geschichte eigene Silizium-Produkte herzustellen. Die Aktie sprang daraufhin zeitweise um 16 Prozent, bevor ein Teil der Gewinne wieder abgegeben wurde.

Needham-Analysten hoben ihre Einstufung auf „Buy\" an und ziehen einen ungewöhnlichen Vergleich: Arm verhalte sich wie das frühe Facebook unter Zuckerbergs Motto „Move fast and break things.\" Das Unternehmen erhöht Lizenzgebühren, drängt in Subsysteme und produziert nun eigene Chips – eine Reihe aggressiver Wetten, die das bestehende Halbleiter-Ökosystem herausfordern. Ob das auf Dauer gut geht, ist offen. Kurzfristig zeigt der Markt: Er glaubt daran.

Was die kommende Woche bringt

Der April-6-Deadline im Iran-Konflikt rückt näher. Bis dahin hat Trump angekündigt, Angriffe auf iranische Energie- und Wasserinfrastruktur aufzuschieben – vorausgesetzt, es gibt Fortschritte bei der Wiedereröffnung der Straße von Hormus. Gelingt das nicht, dürfte die nächste Eskalationsstufe Ölpreise, Anleiherenditen und damit Aktien- und Kryptomärkte gleichermaßen treffen.

Für Krypto-Anleger gilt: Nach dem großen Optionsablauf vom Freitag dürfte die kurzfristige Hedging-Aktivität nachlassen – Bitcoin wäre dann stärker dem direkten Nachrichtenstrom ausgesetzt. Ein Waffenstillstand könnte die Kurse schnell nach oben treiben. Eine Eskalation ebenso schnell nach unten.

Auf der Unternehmensseite steht am 30. März noch die Bilanz von Virgin Galactic an – kein Marktbeweger, aber ein Gradmesser für die Stimmung gegenüber spekulativen Zukunftswetten.

Die übergreifende Frage dieser Woche bleibt unbeantwortet: Ist das, was wir gerade sehen – die Flucht in Öl, Gold und Staatsanleihen, der Druck auf Tech und Krypto – eine temporäre Risikoaversion oder der Beginn einer dauerhaften Neubewertung? Guy Spiers Abschied legt nahe: Zumindest für das klassische Stockpicking könnte die Antwort bereits feststehen.

Bis zur nächsten Ausgabe,

Andreas Sommer