Oliver Riedel: Der designierte CEO der Baader Bank
Oliver Riedel wird zum 1. Juli 2026 neuer Vorstandsvorsitzender (CEO) der Baader Bank AG. Er löst Nico Baader ab, der nach elf Jahren als CEO zurücktritt. Riedel ist seit 2010 bei der Bank, gehört seit 2015 dem Vorstand an und war zuletzt als stellvertretender CEO für den Marktbereich verantwortlich. In der Podcast-Episode „Börsepeople im Podcast S14/24" begrüßte Host Christian Drastil den damaligen Deputy CEO Oliver Riedel live von der 13. Baader Investment Conference in München – und bekommt dabei tiefe Einblicke in die Strategie eines der wichtigsten deutschen Kapitalmarktakteure.
Der Weg zur Baader Bank: Vom BayernLB-Lehrling zum Vorstand
Oliver Riedels Karriere im Bankwesen begann 1995 mit einer klassischen Banklehre bei der BayernLB in Nürnberg. Dort erhielt er über ein Nachwuchs-Händler-Programm erstmals die Möglichkeit, in München Börsenluft zu schnuppern – vier Jahre, die er als prägende Zeit beschreibt. Zur Jahrtausendwende wechselte er zur Schmittbank in seiner Heimatstadt Nürnberg, wo er im Eigenhandel tätig war. Die Schmittbank war damals vor allem als Muttergesellschaft von Consors bekannt, das in jener Zeit den Gang an die Börse wagte. Riedel erlebte dieses IPO hautnah mit.
Die Nullerjahre verbrachte er bei der HypoVereinsbank, zunächst in München, dann mit globaler Verantwortung für den Aktienhandel. Diese Phase war geprägt von den Extremen des Neuen Marktes – extrem hohe Bewertungen zu Beginn, gefolgt von der tiefen Krise. Riedel stieg vom Eigenhandel in den Kundenhandel auf und übernahm schließlich die Gesamtverantwortung für den Aktienbereich. Die damalige Fusion mit der Bank Austria brachte zudem eine enge Verbindung nach Österreich mit sich, die bis heute nachwirkt.
2010 folgte dann der Schritt zur Baader Bank, gemeinsam mit zahlreichen Kollegen. Dort baute das Team das institutionelle Aktiengeschäft auf. „Ich habe noch keinen einzigen Tag bereut", resümiert Riedel seine mittlerweile langjährige Zugehörigkeit zum Haus. 2015 wurde er Vorstandsmitglied, als Udo Baader in den Ruhestand ging und Nico Baader den Vorstandsvorsitz übernahm. Seit 2023 fungierte Riedel als Deputy CEO und verantwortet sämtliche Marktbereiche, während Nico Baader die administrativen Ressorts wie Personal, Controlling und Finanzen führt.
Die Helvea-Übernahme: Schlüssel zur internationalen Kundenbasis
Ein strategischer Meilenstein in der jüngeren Geschichte der Baader Bank war die Übernahme der Schweizer Brokerage-Firma Helvea, die ursprünglich aus dem Pictet-Universum stammte. Das Rationale dahinter war klar: Wer im Aktiengeschäft erfolgreich sein will, braucht Zugang zu internationalen Investoren. Ein erheblicher Anteil deutscher und österreichischer Aktien befindet sich in den Händen US-amerikanischer und Schweizer Investoren – der Zugang zu diesen Lokationen war daher geschäftskritisch.
Durch Helvea gewann die Baader Bank Standorte und Kundenbeziehungen in der Schweiz, in Großbritannien und in den USA. Riedel betont, dass Helvea heute als integraler Bestandteil des gesamten Brokerage-Geschäfts betrachtet wird, auch wenn es sich formal um unterschiedliche Gesellschaften handelt. Das Research-Angebot „Baader Europe" umfasst mittlerweile rund 500 Aktien in der Coverage und macht die Bank zu einem vollwertigen paneuropäischen Anbieter. Dieser breite Ansatz ist auch deshalb notwendig, weil es immer weniger reine Deutschland- oder Österreich-Fonds gibt und Anbieter die nötige kritische Masse an europäischer Abdeckung mitbringen müssen.
Bemerkenswert ist dabei auch das starke Österreich-Engagement: Drastil hebt hervor, dass die Baader Bank neben der Raiffeisen eine der wesentlichen Adressen für die Research-Coverage österreichischer Titel darstellt – eine Leistung, die angesichts der allgemein rückläufigen Analystenabdeckung in Wien besondere Bedeutung hat.
Die 13. Baader Investment Conference: Europas Kapitalmarkt unter einem Dach
Die Zahlen der 13. Baader Investment Conference 2024 sprachen eine deutliche Sprache: 230 Unternehmen aus 16 Ländern, größtenteils vertreten durch C-Level-Entscheidungsträger wie CEOs und CFOs, treffen auf 750 Investoren aus 26 verschiedenen Ländern – verteilt über vier Konferenztage. Allein 18 der teilnehmenden Unternehmen stammen aus Österreich, was Riedel als beachtlich einordnet: Das entspreche quasi der Hälfte des österreichischen Marktes, der sich dort Investoren vorstellt.
Die Konferenz ist bewusst nach Branchen strukturiert, da Investoren häufig sektoral aufgestellt sind. Spezialisten für Chemie, Automobile, Versicherungen oder Immobilien können gezielt an den für sie relevanten Tagen teilnehmen. Auf der Investorenseite kommen 50 Prozent der Teilnehmer aus Deutschland, gefolgt von US-amerikanischen, Schweizer, österreichischen und kroatischen Kunden.
Neben dem klassischen Format – Investoren treffen Unternehmenslenker in One-on-One-Meetings und Präsentationen – bietet die Konferenz mehrere Spezialformate. Ein Vermögensverwalter-Forum adressiert die wachsende Bedeutung von Wertpapieren in der Vermögensverwaltung. Ein Trader-Forum bringt Händler verschiedener Banken zusammen, weil Handel, wie Riedel betont, die DNA der Baader Bank ist. Im Expertenforum diskutieren Fachleute die aktuelle Marktlage, und Baader-Gründer Uto Baader selbst ist als Redner dabei.








