Liebe Leserinnen und Leser,

während in Hongkong und Seoul die Technologiebörsen zum Jahresauftakt neue Rekorde feiern, sorgt ausgerechnet Deutschlands Schwerindustrie für Aufsehen. Salzgitter und thyssenkrupp – zwei Namen, die man eher mit Strukturwandel als mit Kursrallys verbindet – starten mit zweistelligen Gewinnen ins neue Jahr. Gleichzeitig erhält der niederländische Chipausrüster ASML ein überraschendes Analyst-Upgrade, und aus China meldet BYD Zahlen, die Tesla den Rang als weltgrößter E-Autobauer kosten dürften. Drei Märkte, drei Geschichten – und doch verbindet sie eine Frage: Haben wir die falschen Werte im Blick gehabt?

Deutsche Stahlriesen auf Höhenflug: Rüstung und Kupfer als Kurstreiber

Salzgitter schießt zum Jahresauftakt um fast 8 Prozent nach oben und erreicht damit den höchsten Stand seit April 2022. thyssenkrupp legt über 4 Prozent zu und nähert sich wieder dem oberen Ende seiner Handelsspanne. Was auf den ersten Blick überrascht, hat handfeste Gründe: Beide Konzerne profitieren von der Hoffnung auf eine Belebung der deutschen Wirtschaft und auf weitere Schutzmaßnahmen der EU gegen Billigimporte aus China. Doch das ist nur die halbe Geschichte.

Salzgitter hat sich als Hersteller von Panzerstahl zertifizieren lassen – ein strategischer Schachzug in Zeiten steigender Verteidigungsausgaben. Zudem hält der Konzern fast 30 Prozent an Aurubis, dem Kupfergiganten, der gerade ein neues Rekordhoch markiert hat. Kupfer ist unverzichtbar für erneuerbare Energien, Elektromobilität und KI-Infrastruktur – drei Megatrends, die Aurubis in die Karten spielen. Die Hamburger Kupferhütte profitiert zusätzlich von der Inbetriebnahme eines neuen US-Standorts. Das Ergebnis: Salzgitter legte 2025 um über 153 Prozent zu und landete auf Platz drei im SDAX.

thyssenkrupp hatte es 2025 sogar noch besser: Mit einem Plus von fast 215 Prozent führte der Konzern den MDAX an. Neben Konjunkturhoffnungen und Protektionismus half die Abspaltung des Marineschiffbauers TKMS, dessen Bewertung vom Rüstungsboom profitiert. Auch ArcelorMittal zieht mit – die Aktie steigt um rund ein Prozent. Deutschlands Schwerindustrie, totgesagt und abgeschrieben, meldet sich zurück.

ASML: Vom Sorgenkind zum Hoffnungsträger

Der niederländische Chipausrüster ASML erlebt eine bemerkenswerte Neubewertung. Aletheia Capital hebt die Einstufung von "Sell" auf "Buy" an und verdoppelt das Kursziel von 750 auf 1.500 US-Dollar. Die Aktie reagiert prompt mit einem Kurssprung von über 3 Prozent. Was hat sich geändert?

Die Analysten sehen eine deutliche Verbesserung der Nachfrage nach ASMLs EUV-Lithographie-Systemen – jenen Hightech-Maschinen, ohne die moderne Chips nicht hergestellt werden können. Insbesondere Speicherchiphersteller und TSMC sollen ihre Bestellungen hochfahren. TSMC allein könnte 2027 zwischen 40 und 45 EUV-Systeme installieren, während der Konzern seine fortschrittlichen Kapazitäten um 40 bis 50 Prozent ausbaut. Aletheia erwartet, dass ASMLs Low-NA-EUV-Umsatz 2026 um rund ein Drittel wächst und 2027 um weitere 50 bis 60 Prozent zulegt – weit über den bisherigen Konsensschätzungen.

Zehn Analysten haben ihre Gewinnprognosen für ASML zuletzt nach oben korrigiert, und die Finanzdaten untermauern den Optimismus: 22,77 Prozent Umsatzwachstum in den vergangenen zwölf Monaten, eine Fünfjahres-CAGR von 19 Prozent. ASML ist nicht nur ein Zulieferer, sondern der Flaschenhals der gesamten Chipindustrie – und dieser Flaschenhals weitet sich.

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BYD überholt Tesla: Chinas E-Auto-Offensive trägt Früchte

BYD hat 2025 rund 4,6 Millionen Fahrzeuge ausgeliefert, darunter 2,3 Millionen reine Elektroautos – und dürfte damit Tesla als weltgrößten E-Autobauer ablösen. Tesla wird seine Zahlen erst am Freitagnachmittag veröffentlichen, doch Analysten rechnen mit einem Rückgang der Auslieferungen um 11 bis 15 Prozent im vierten Quartal. Für das Gesamtjahr erwarten sie rund 1,6 Millionen verkaufte Fahrzeuge – weit hinter BYD.

Die BYD-Aktie reagiert in Hongkong mit einem Plus von 3,7 Prozent. Doch der Triumph ist nicht ohne Schattenseiten: Im Dezember sanken die Auslieferungen um 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei reinen E-Autos um 8 Prozent. Peking fährt Kaufanreize zurück, der heimische Wettbewerb verschärft sich, und Handelsbarrieren erschweren die Expansion ins Ausland. BYD steht 2026 unter zunehmendem Druck – und das gilt für die gesamte chinesische Autoindustrie.

Tesla kämpft derweil mit eigenen Problemen. Elon Musks Unterstützung für Donald Trump hat Teile der Kundschaft vergrätzt, und die chinesische Konkurrenz macht dem Konzern das Leben schwer. Anleger setzen längst nicht mehr primär auf Autoverkäufe, sondern auf Robotaxis und humanoide Roboter – Zukunftswetten, die erst in Jahren aufgehen könnten. Die Tesla-Aktie legte 2025 dennoch um 11 Prozent zu, getragen von der Hoffnung auf Musks nächste Vision.

Asiens Börsen feiern – Europa folgt verhalten

Die asiatischen Technologiebörsen starten fulminant ins neue Jahr. Der Hang Seng in Hongkong steigt um 2,5 Prozent, der südkoreanische Kospi um 2,3 Prozent und markiert ein Allzeithoch. Samsung Electronics klettert um 7,2 Prozent auf ein Rekordhoch, SK Hynix um 4 Prozent. Der Grund: Chinas Einkaufsmanagerindex für die Industrie überspringt erstmals seit acht Monaten wieder die Expansionsschwelle von 50 Punkten – ein Signal, dass die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt an Fahrt gewinnt.

Europa reagiert gedämpfter. Der DAX legt zum Jahresauftakt um 0,5 Prozent zu, der Euro Stoxx 50 um 0,7 Prozent. Rüstungswerte führen die Gewinnerliste an: Rheinmetall plus 1,9 Prozent, Airbus plus 2,5 Prozent, MTU Aero Engines plus 2,6 Prozent. Doch das Handelsvolumen bleibt dünn – viele Investoren sind noch in der Neujahrspause. Erst kommende Woche dürfte der Handel richtig anziehen.

Ausblick: Zwischen Hoffnung und Vorsicht

Die Märkte starten mit gemischten Signalen ins Jahr 2026. Deutsche Industriewerte überraschen positiv, Chipausrüster erhalten neuen Rückenwind, und China zeigt erste Lebenszeichen. Doch die Herausforderungen bleiben: steigende Zinsen, geopolitische Spannungen, unklare Konjunkturaussichten. Anleger sollten die kommenden Wochen genau beobachten – insbesondere die US-Arbeitsmarktdaten nächste Woche und die Berichtssaison, die bald beginnt.

Eines ist sicher: 2026 wird kein Jahr der leichten Gewinne. Wer erfolgreich sein will, muss genau hinsehen – und bereit sein, auch dort zu investieren, wo andere längst aufgegeben haben.

Einen erfolgreichen Start ins Börsenjahr 2026 wünscht Ihnen

Andreas Sommer