Liebe Leserinnen und Leser,

stellen Sie sich vor, Sie hätten gestern Nacht die Schlagzeilen aus Seoul gelesen: Samsung springt 7,5 Prozent, SK Hynix sogar fast 9 Prozent – und das mitten in einem Krieg, der die Energiemärkte lähmt. Was wie ein Widerspruch klingt, ist heute das prägende Bild an den Märkten. Der Iran-Konflikt tritt kurz in den Hintergrund, weil eine andere Kraft die Agenda übernimmt: künstliche Intelligenz, in voller Fahrt.

Heute dreht sich vieles um die Frage, wie viel Gewissheit man in einem unsicheren Umfeld kaufen kann. Nvidia bekommt grünes Licht aus Peking, Visa erfindet das Bezahlen neu, und die Commerzbank-Saga erreicht eine neue Eskalationsstufe. Dazu ein Wasserstoff-Unternehmen, das gleichzeitig gute und schlechte Nachrichten liefert – und ein Bitcoin, der still auf die Fed wartet.

KI-Chips: Peking öffnet die Tür – und Seoul feiert

Es war die Meldung, auf die Chip-Anleger monatelang gewartet hatten. Nvidia hat von der chinesischen Regierung die Genehmigung erhalten, seine H200-KI-Chips wieder nach China zu verkaufen. CEO Jensen Huang brachte es auf der GTC-Konferenz auf den Punkt: „Unsere Lieferkette läuft wieder an." Ein Markt, der einst 13 Prozent von Nvidias Gesamtumsatz ausmachte, ist damit wieder zugänglich.

Die Reaktion in Asien war unmittelbar. Seoul explodierte förmlich – der Kospi schoss um fünf Prozent nach oben, angetrieben von Samsung und SK Hynix. Der Hintergrund: Samsung kündigte auf seiner Hauptversammlung an, künftig mehrjährige Verträge über drei bis fünf Jahre mit Großkunden anzustreben, statt wie bisher quartalsweise zu verhandeln. Co-CEO Jun Young-hyun sprach von einem „beispiellosen Superzyklus" in der Chipbranche – und betonte, man wolle die Versorgungsstabilität absichern, bevor der nächste Nachfrageeinbruch kommt.

Wolfe Research bestätigte unterdessen seine Outperform-Einstufung für Nvidia mit einem Kursziel von 275 Dollar. Die Analysten verweisen auf Nvidias Aussage, für 2026 und 2027 gemeinsam über eine Billion Dollar Umsatz in Sicht zu haben. Gleichzeitig bereitet Nvidia eine Version des Groq-Chips für den chinesischen Markt vor – für Inferenz-Anwendungen, also den Betrieb fertiger KI-Modelle. Das ist strategisch clever: Die leistungsstärksten Chips, die Vera-Rubin-Serie, bleiben vom chinesischen Markt ausgeschlossen. Groq schließt die Lücke.


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Visa denkt das Bezahlen neu – mit deutschen Banken vorne dabei

Parallel zur Chip-Rallye läuft eine Geschichte, die für den deutschen Anleger besonders relevant ist: Visa hat sein Pilotprogramm für KI-gestützte Zahlungen gestartet – und Commerzbank sowie DZ Bank sind in der ersten Welle dabei.

Das Konzept heißt „Agentischer Handel": KI-Agenten kaufen im Auftrag von Unternehmen oder Verbrauchern ein, verhandeln Preise und schließen Transaktionen ab – ohne menschliches Eingreifen. Visa nennt das Programm „Visa Agentic Ready" und will es nach dem europäischen Pilotstart schrittweise weltweit ausrollen.

Was das bedeutet? Traditionelle Zahlungsabwickler wie Visa und Mastercard stehen unter Druck von Fintechs wie Stripe, die denselben Markt im Blick haben. Visa versucht, durch frühe Partnerschaften mit Banken die Kontrolle über das neue Zahlungsökosystem zu behalten. Dass ausgerechnet zwei deutsche Institute in der ersten Runde dabei sind, zeigt, dass Frankfurt in dieser Debatte nicht nur Zuschauer ist.

Commerzbank: Der Poker wird persönlicher

Andrea Orcel, Chef der UniCredit, hat seine Botschaft auf einer Morgan-Stanley-Konferenz deutlich gemacht: „Das Angebot ist für 100 Prozent." Die Italiener halten bereits knapp 30 Prozent an der Commerzbank – direkt über Aktien und indirekt über Finanzinstrumente. Nun haben sie ein Zeitfenster von zwölf Wochen für Gespräche eröffnet.

Der angebotene Tauschkurs: 0,485 neue UniCredit-Aktien je Commerzbank-Anteil, was etwa 30,80 Euro entspricht – ein Aufschlag von lediglich vier Prozent auf den Schlusskurs vom vergangenen Freitag. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp nennt das ein „taktisches Manöver" und besteht auf Eigenständigkeit. Der deutsche Staat, der noch rund 12 Prozent hält, stützt diese Position.

Die Commerzbank-Aktie legte heute trotzdem rund 3,3 Prozent zu – Anleger spekulieren offenbar darauf, dass der Druck der Italiener letztlich zu einem höheren Angebot führen wird. Das finale Angebot soll erst im Mai vorgelegt werden, nachdem die UniCredit-Aktionäre einer Kapitalerhöhung zugestimmt haben. Bis dahin bleibt das Verhältnis zwischen Frankfurt und Mailand das, was es seit Monaten ist: angespannt und öffentlich.

Thyssenkrupp Nucera: Gute Aufträge, schlechte Zahlen – ein Wasserstoff-Dilemma

Selten liefert ein Unternehmen an einem einzigen Tag so gegensätzliche Signale wie heute Thyssenkrupp Nucera. Am Vorabend hatte die Dortmunder Elektrolysesparte ihre Jahresziele gekappt: Der Umsatz soll nur noch 450 bis 550 Millionen Euro erreichen statt der bisher anvisierten 500 bis 600 Millionen. Und beim operativen Ergebnis erwartet das Management nun einen Verlust von 30 bis 80 Millionen Euro – zuvor hatte man noch null bis minus 30 Millionen in Aussicht gestellt. Ursache sind unerwartet hohe Kosten in der Grünen-Wasserstoff-Sparte sowie ein geplatztes Projekt.

Gleichzeitig verkündete Nucera heute Morgen einen Auftrag, der die Stimmung zumindest etwas aufhellte: Das spanische Energieunternehmen Moeve hat Elektrolyseure mit 300 Megawatt Kapazität für eine Wasserstoffanlage in Andalusien bestellt – Volumen im niedrigen dreistelligen Millionenbereich. Dazu kommt ein bereits im Dezember gebuchter Großauftrag für eine Chlor-Alkali-Anlage im Nahen Osten. In der Summe hebt Nucera seine Auftragseingangs-Prognose für das laufende Geschäftsjahr auf 550 bis 850 Millionen Euro an – die bisherige Spanne lag bei 350 bis 900 Millionen Euro.

Die Aktie verlor zunächst fast elf Prozent, erholte sich dann aber auf ein Minus von rund drei Prozent. Ein Händler brachte es auf den Punkt: Es stehen „offene Fragen zur Zukunft des Geschäfts mit grünem Wasserstoff" im Raum. Dass Nucera seit dem Börsengang im Juli 2023 zu 20 Euro heute bei rund 8 Euro notiert, zeigt, wie hart der Markt diesen Sektor bewertet. Der Spanien-Auftrag ist ein Hoffnungsschimmer – aber kein Wendepunkt.

Bitcoin wartet auf Powell – und die SEC sortiert das Krypto-Recht

Bitcoin pendelt heute ruhig um die 74.000-Dollar-Marke. Das ist kein Zufall. Der Markt hält den Atem an vor dem Fed-Entscheid heute Abend. Die Notenbank wird die Zinsen erwartungsgemäß unverändert lassen – der eigentliche Inhalt kommt aus der Pressekonferenz mit Jerome Powell.

Die entscheidende Frage: Wie sehr hat der Iran-Krieg mit seinen Ölpreisschocks die Fed-Pläne verändert? Vor dem Konflikt hatten Märkte noch zwei Zinssenkungen für 2026 eingepreist. Heute rechnet kaum noch jemand mit mehr als einer – und selbst das gilt als unsicher. Für Bitcoin und andere Krypto-Assets bedeutet ein hawkisher Powell tendenziell Gegenwind: Höhere Zinsen machen risikolose Anlagen attraktiver.

Immerhin lieferte die US-Börsenaufsicht SEC heute eine strukturierende Nachricht: Sie hat ein neues Klassifizierungsrahmenwerk für Kryptowährungen veröffentlicht, das digitale Assets in Kategorien wie digitale Rohstoffe, Stablecoins und digitale Wertpapiere einteilt. Nur letztere unterliegen dem vollen Wertpapierrecht. Das schafft mehr Klarheit – und Klarheit ist in diesem Markt immer willkommen.

Ethereum notiert bei rund 2.328 Dollar, XRP bei 1,53 Dollar. Altcoins zeigen sich heute leicht freundlicher, aber ohne klare Richtung.

Gold unter 5.000 Dollar – und die Fed als Zünglein

Gold hat heute die symbolisch wichtige Marke von 5.000 Dollar nach unten durchbrochen. In London wurden zeitweise 4.986 Dollar je Feinunze gezahlt. Der Grund ist dieselbe Geschichte, die auch den Bitcoin belastet: Ein stärkerer US-Dollar und die Erwartung, dass Zinssenkungen weiter nach hinten rücken, machen Gold als Anlage weniger attraktiv.

Commerzbank-Rohstoffexperte Carsten Fritsch bringt das Paradox auf den Punkt: Gold tue sich schwer, „seiner Rolle als sicherer Hafen in Krisenzeiten gerecht zu werden". Der Iran-Krieg sollte eigentlich Gold antreiben – tut es aber nur bedingt, weil der Ölpreisschock gleichzeitig den Dollar stärkt und die Zinssenkungserwartungen drückt.

DAX im Erholungsmodus – aber der Abend entscheidet

Der DAX startete heute mit einem Plus von rund 0,5 Prozent bei knapp 23.844 Punkten und kämpfte sich damit wieder an die exponentielle 200-Tage-Linie heran – charttechnisch ein wichtiger Orientierungspunkt für den längerfristigen Trend.

Neben dem übergeordneten Iran-Thema lieferten einige Einzelwerte heute Impulse. Heidelberg Materials sprang nach einer spektakulären Kehrtwende von Morgan Stanley um bis zu fünf Prozent an. Analystin Cedar Ekblom drehte ihre Empfehlung gleich um zwei Stufen – von „Underweight" auf „Overweight" – und bezeichnete die Sorgen der Anleger um den europäischen Emissionshandel als bloßen „Lärm". Ihr Kursziel bleibt bei 219 Euro, während die Aktie zuletzt von ihrem Januar-Rekord bei fast 242 Euro um ein Drittel eingebrochen war.

HelloFresh hingegen setzte seinen Absturz fort und fiel auf ein Rekordtief. Das Management erwartet für 2026 einen Umsatzrückgang, der stärker ausfällt als bisher von Analysten geschätzt – und das operative Ergebnis soll im Gegensatz zum Vorjahr sinken. Ein Händler kommentierte trocken: „Schwer, etwas Positives zu finden."

Ausblick: Der Abend gehört Powell

Heute Abend nach europäischem Börsenschluss wird Jerome Powell sprechen. Die Märkte haben die Zinserwartungen bereits deutlich zurückgeschraubt – laut CME-FedWatch-Tool gilt eine erste Senkung erst im September als wahrscheinlich. Wenn Powell hawkisher klingt als erwartet, dürfte das Gold, Bitcoin und Wachstumsaktien kurzfristig belasten. Gleichzeitig schauen Anleger auf Micron Technology, das nach US-Börsenschluss seine Quartalszahlen vorlegt – ein erster Fingerzeig, wie stark die KI-Nachfrage tatsächlich in den Chip-Bilanzen ankommt.

Morgen folgt dann die EZB mit ihrem eigenen Zinsentscheid. Zwei Zentralbanken, eine Woche – selten war der geldpolitische Kalender so dicht. Und selten war es so schwer, den richtigen Ton zu treffen: zu viel Optimismus ignoriert den Ölpreisschock, zu viel Vorsicht würgt die Konjunktur ab.

Bleiben Sie neugierig – und schlafen Sie ruhig.

Herzliche Grüße,
Andreas Sommer
Mittwoch, 18. März 2026