B&C greift nach Semperit: Freiwilliges Übernahmeangebot lässt nicht nur den Kurs springen
In der Sonderfolge #27 des Private Investor Relations Podcasts analysiert Host Christian Drastil einen überraschenden Paukenschlag am österreichischen Aktienmarkt: Die B&C Holding unterbreitet den Semperit-Aktionären ein freiwilliges Übernahmeangebot – mit deutlicher Prämie auf den letzten Schlusskurs.
Das Übernahmeangebot im Detail
Die B&C Holding hat am 18. März bekannt gegeben, den Aktionären der Semperit AG Holding ein freiwilliges Angebot gemäß § 4 des Übernahmegesetzes zu unterbreiten. Das ist insofern bemerkenswert, als B&C bereits eine komfortable Mehrheit am Unternehmen hält: 12,03 Millionen Aktien, was 58,48 Prozent des Grundkapitals entspricht.
Den verbleibenden Aktionären, die zusammen 41,52 Prozent des Grundkapitals und der Stimmrechte halten – das sind rund 8,542 Millionen Aktien –, wird ein Angebotspreis von 15 Euro je Aktie in bar angeboten. Dieser Preis versteht sich Ex-Dividende 2025, wobei Drastil hier einen wichtigen Hinweis gibt: „Wie man weiß, ist das mit der Dividende nur theoretisch, denn Semperit hat ja bereits Anfang März bekannt gegeben, dass es eben für 2025 keine Dividende geben wird." Die für 2025 fällige Ausschüttung, die regulär 2026 erfolgt wäre, entfällt somit – der Abschlag durch die Ex-Dividende-Klausel ist in diesem Fall rein formaler Natur.
Deutliche Prämie auf den Börsenkurs
Die gebotenen 15 Euro je Aktie stellen eine erhebliche Prämie dar. Konkret handelt es sich um rund 25 Prozent Aufschlag auf den Schlusskurs des Vortages. Gemessen am volumensgewichteten Durchschnittskurs der letzten sechs Monate vor dem Stichtag beträgt die Prämie immer noch rund 17 Prozent. Die Semperit-Aktie reagierte prompt und legte am Handelstag nahezu auf das Niveau des Angebotspreises von 15 Euro zu.
Dieser Kurssprung hatte einen unmittelbaren Effekt auf das Austria 30 Private IR Wikifolio, das gleichgewichtet aufgebaut ist: Durch den sprunghaften Kursanstieg wurde Semperit auf einen Schlag zum Schwergewicht im Portfolio. Drastil selbst ist mit 50.000 Euro als Seed-Investor in dem Wikifolio engagiert, das Anfang März mit 29 österreichischen Aktien bestückt wurde. Ein 30. Titel soll noch folgen. Das Wikifolio lag zum Zeitpunkt der Aufnahme leicht im Minus – dank der Semperit-Entwicklung allerdings weniger als zuvor.
Aufschiebende Bedingung und weitere Schritte
Interessant ist die aufschiebende Bedingung, die B&C in das Angebot eingebaut hat: Der ATX darf bis zum Ende der Annahmefrist nicht an drei aufeinanderfolgenden Börsentagen unter den Wert von 2.671,68 Punkten fallen. Dieser Schwellenwert entspricht einem Rückgang von 50 Prozent zum Schlusskurs des Vortages. Drastil ordnet dies pragmatisch ein: „Man hat sich da doch einen Out-of-the-Money-Put eingebaut als B&C, aber ich glaube, das ist fair enough." In der Praxis dürfte diese Bedingung nur in einem extremen Marktcrash-Szenario schlagend werden.
Der weitere Fahrplan sieht vor, dass die Übernahmekommission die Unterlagen prüft. Anschließend wird das formale Übernahmeangebot auf den Websites der B&C-Gruppe, der Semperit sowie der Übernahmekommission veröffentlicht. Dieser Prozess dürfte einige Wochen in Anspruch nehmen.
Kein Delisting geplant – Signal an den Markt
Besonders hervorzuheben ist der letzte Satz der offiziellen Aussendung: Das beabsichtigte Angebot ist kein Delisting-Angebot. Semperit soll also weiterhin an der Wiener Börse notiert bleiben. Für den österreichischen Kapitalmarkt ist das ein relevantes Signal, denn ein bereits jetzt avisierter Rückzug von der Börse hätte die ohnehin überschaubare Titellandschaft weiter ausgedünnt.
Neben dem Kursanstieg selbst hebt Drastil auch die positiven Nebeneffekte hervor: Die Handelsvolumina bei Semperit dürften deutlich anziehen, was auch für das ATX-Rennen insgesamt relevant ist. Ebenso steigt durch den höheren Kurs die Marktkapitalisierung – ein Faktor, der bei künftigen Indexentscheidungen eine Rolle spielen könnte.
Bewertungsfrage in der zweiten Reihe
Drastil sieht in dem Übernahmeangebot ein breiteres Signal für den österreichischen Aktienmarkt: „Es ist auch eine Sache, die zeigt, dass wohl große Stakeholder die zweite Reihe am österreichischen Aktienmarkt, hier Beispiel Semperit, teilweise wohl noch unterbewertet gesehen haben." Wenn ein Großaktionär wie die B&C Holding bereit ist, eine Prämie von 25 Prozent auf den Börsenkurs zu zahlen, lässt das Rückschlüsse auf die wahrgenommene Diskrepanz zwischen Marktbewertung und innerem Wert zu.
Darüber hinaus kündigte Drastil an, dass es in einer separaten Ausgabe der Wiener Börse Party einen Blick auf die neue ATX-Konstellation per September geben werde. Dort sei ein zusätzlicher Player ins Spiel gekommen – wobei er ausdrücklich betonte, dass damit noch nicht Semperit gemeint sei, diese aber möglicherweise zusätzlich eine Rolle spielen könnte.
Zusammenfassung
Die B&C Holding baut ihre ohnehin dominante Position bei Semperit weiter aus und bietet den freien Aktionären 15 Euro je Aktie – eine Prämie von 25 Prozent auf den Vortagesschlusskurs. Das Angebot ist an eine großzügig bemessene ATX-Bedingung geknüpft und explizit kein Delisting-Angebot. Für das Austria 30 Private IR Wikifolio bedeutet der Kurssprung, dass Semperit kurzfristig zum größten Einzelwert aufgestiegen ist. Und für den österreichischen Kapitalmarkt insgesamt liefert die Transaktion einen Hinweis darauf, dass Teile der zweiten Börsereihe aus Sicht großer Investoren noch Aufholpotenzial bieten.








