Zum Jahreswechsel hat Silber eine bemerkenswerte Kehrtwende hingelegt: Auf ein Rekordjahr und ein neues Hoch folgte binnen Stunden der stärkste Rückgang seit 2020. Auslöser waren nicht nur technische Überhitzung, sondern vor allem neue Rahmenbedingungen aus China und der Terminbörse CME. Wie stabil ist das aktuelle Niveau um 71 bis 72 US‑Dollar je Unze?

Rekordjahr mit abruptem Dämpfer

Nach einem Anstieg von über 150 Prozent im Jahr 2025, der stärksten Jahresperformance seit 1979, schoss Silber Ende Dezember kurzfristig auf über 84 US‑Dollar je Unze. Dann folgte die scharfe Korrektur: Am 29. Dezember verlor der Preis intraday bis zu 11 Prozent – der heftigste Tagesrückgang seit September 2020.

Gestern schloss Silber bei 70,98 US‑Dollar. Damit liegt der Preis rund 13 Prozent unter dem 52‑Wochen-Hoch vom 28. Dezember (81,66 US‑Dollar), aber mehr als 50 Prozent über dem Tief vom November (46,90 US‑Dollar). Der Markt hat also viel Momentum aufgebaut, bleibt aber hochvolatil: Die annualisierte 30‑Tage-Volatilität beträgt derzeit knapp 61 Prozent.

Wichtige technische Kennzahlen:

  • Schlusskurs: 70,98 US‑Dollar
  • Veränderung 30 Tage: +20,00 %
  • Abstand zum 52‑Wochen-Hoch: –13,08 %
  • Abstand zum 52‑Wochen-Tief: +51,36 %
  • 50‑Tage-Durchschnitt: 60,59 US‑Dollar (aktuell rund 17 % darüber)
  • RSI (14 Tage): 62,0

Der RSI ist von klar überkauften Bereichen zurückgefallen, signalisiert aber weiterhin eine aufgeheizte Marktlage.

Margin-Anhebungen beschleunigen den Rückgang

Ein wesentlicher Treiber der Korrektur war eine deutliche Verschärfung der Handelsbedingungen an der Terminbörse CME. Die Margin-Anforderungen für Silber-Futures wurden auf 25.000 US‑Dollar pro Kontrakt angehoben.

Für kleinere Händler ohne ausreichende Kapitaldecke hatte das unmittelbare Folgen: Positionen mussten zwangsweise geschlossen werden. Diese erzwungenen Verkäufe lösten eine Kaskade weiterer Orders aus. Das zeitgleiche, dünne Handelsvolumen in der Feiertagsperiode verstärkte den Effekt zusätzlich, sodass der Rückgang außerordentlich schnell und heftig ausfiel.

Parallel dazu war der Markt technisch überhitzt. Über Wochen lag der 14‑Tage-RSI oberhalb der 70‑Marke, ein klassisches Signal für überkaufte Bedingungen. Silber war seit Mitte Dezember um mehr als 25 Prozent gestiegen und hatte bei rund 72 US‑Dollar ein wichtiges Fibonacci-Extensions-Ziel erreicht. In dieser Konstellation reichte der Margin-Schock, um eine kräftige Gegenbewegung auszulösen.

China zieht die Zügel beim Export an

Während der Markt noch die Korrektur verarbeitet, tritt heute eine strukturell bedeutsame Änderung in Kraft: China hat ein neues Export-Lizenzierungssystem für verarbeitetes Silber eingeführt. Künftig benötigen 60 bis 70 Prozent des weltweit gehandelten raffinierten Silbers eine Genehmigung aus Peking.

Sollten Anleger Gewinne mitnehmen? Oder startet bei Silber Preis gerade der nächste Boom?

Die Hürden für Exporteure sind hoch:

  • Mindestproduktionskapazität: 80 Tonnen pro Jahr
  • Erforderliche Kreditlinien: 30 Millionen US‑Dollar
  • Ein Großteil der bisherigen Exporteure erfüllt diese Kriterien nicht

Die Konsequenz: Rund 121 Millionen Unzen jährlicher Silberexporte aus China unterliegen nun direkter staatlicher Kontrolle. Da China etwa 60 bis 70 Prozent der globalen Silberverarbeitung dominiert, erhält das Land erheblichen Einfluss auf die verfügbare Angebotsmenge und deren Timing.

Gleichzeitig sind die sichtbaren Lagerbestände ohnehin angespannt:

  • COMEX-Lagerbestände sind seit 2020 um rund 70 Prozent gefallen
  • Tresorbestände in London und Shanghai liegen nahe historischer Tiefstände

Vor diesem Hintergrund verstärkt die chinesische Exportpolitik die Sorge, dass zusätzliche Angebotsengpässe entstehen können – insbesondere, wenn die Nachfrage hoch bleibt.

Angebotsdefizit ohne schnelle Entlastung

Bereits vor den neuen Exportregeln war der Silbermarkt strukturell eng. Zum fünften Jahr in Folge übersteigt die globale Nachfrage die Minenproduktion. Getrieben wird sie vor allem von:

  • Solarindustrie
  • Elektrofahrzeugen
  • Elektronik
  • Verteidigungstechnologie

Auf der Angebotsseite gibt es wenig kurzfristige Stellschrauben. Rund 70 bis 80 Prozent der weltweiten Silberförderung fallen als Nebenprodukt beim Abbau von Kupfer, Blei, Zink und Gold an. Die Produktion lässt sich daher nicht einfach nach oben fahren, nur weil der Silberpreis steigt.

Neue, primäre Silberminen benötigen von der Entdeckung bis zur Produktionsreife typischerweise 10 bis 20 Jahre. Das bedeutet: Selbst wenn hohe Preise Investitionen anstoßen, wirkt sich das erst mit erheblicher Verzögerung auf das verfügbare Angebot aus. Das bestehende Defizit dürfte somit nicht rasch verschwinden.

Technisches Bild: Konsolidierung auf hohem Niveau

Nach dem Rücksetzer pendelt Silber aktuell in einer Spanne zwischen etwa 71 und 80 US‑Dollar je Unze. Der Kurs liegt komfortabel über dem 50‑Tage-Durchschnitt bei 60,59 US‑Dollar, was das übergeordnete Momentum unterstreicht. Mit einem RSI von 62 ist die Überhitzung abgebaut, ohne dass der Markt in einen klar überverkauften Bereich geraten wäre.

Charttechnisch gelten zwei Marken als besonders relevant:

  • Unterseite: Ein Bruch der Zone um 71 US‑Dollar könnte den Blick in Richtung 60 US‑Dollar öffnen, wo der 50‑Tage-EMA verläuft und eine wichtige Unterstützung bildet.
  • Oberseite: Stabilisiert sich der Kurs in der aktuellen Spanne, rückt das Rekordhoch bei über 84 US‑Dollar perspektivisch wieder in Reichweite.

Der mittelfristige Aufwärtstrend seit August 2025 bleibt trotz der Korrektur intakt. Kurzfristig dominiert jedoch eine Phase erhöhter Schwankungen, in der sowohl technische Faktoren als auch politische Entscheidungen – wie die chinesischen Exportkontrollen – den Ton angeben.

Silber Preis: Kaufen oder verkaufen?! Neue Silber Preis-Analyse vom 01. Januar liefert die Antwort:

Die neusten Silber Preis-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Silber Preis-Investoren. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 01. Januar erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Silber Preis: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...