Silber: Rally aus der Korrektur
Nach zwei harten Verlusttagen dreht Silber zum Wochenschluss deutlich nach oben. Auslöser ist nicht nur eine technische Gegenbewegung, sondern ein Paket aus schwächeren US-Arbeitsmarktdaten, Index-Umschichtungen und einer zunehmend angespannten Angebotslage. Wie stabil ist diese Erholung?
Starker Rebound nach technischer Bereinigung
Am Freitag legte der Silberpreis rund 4 Prozent zu und erholte damit einen Teil der Rückgänge der Vortage. Zuvor hatte das Edelmetall innerhalb von nur zwei Handelstagen etwa 8 Prozent verloren – primär getrieben durch technische Verkäufe im Zuge der jährlichen Rohstoff-Index-Anpassungen.
Mehrere Punkte spielten dabei zusammen:
- Passive Rohstofffonds reduzierten ihre Silber-Futures im Rahmen von Index-Rebalancings
- Banken schätzen die Verkaufswelle bei Gold und Silber jeweils auf 6–7 Milliarden US-Dollar
- Beim Silber entsprach das Volumen rund 10–12 Prozent des durchschnittlichen Tagesumsatzes
- Die Korrektur löschte nur etwa die Hälfte der bis dahin aufgebauten Jahresanfangsgewinne
Auffällig: Käufer nutzten die Rücksetzer konsequent. Der Abgabedruck wurde schnell absorbiert, was die Basis für die kräftige Erholung am Freitag legte.
Charttechnisch unterstreichen die bereitgestellten Daten die Stärke des Aufwärtsimpulses: Der Schlusskurs vom Freitag bei 79,77 US‑Dollar liegt rund 23 Prozent über dem 50‑Tage-Durchschnitt von 64,64 US‑Dollar. Mit einem Abstand von nur gut 2 Prozent zum 52‑Wochen-Hoch und einem 14-Tage-RSI von 62 bewegt sich der Markt bereits im oberen, aber noch nicht extrem überkauften Bereich.
Schwache US-Payrolls stützen Zinsfantasie
Den inhaltlichen Rückenwind liefert der US-Arbeitsmarkt. Im Dezember entstanden lediglich 50.000 neue Stellen und damit deutlich weniger als erwartet. Gleichzeitig blieb die Arbeitslosenquote mit 4,4 Prozent niedrig.
Die Kombination aus schwächerer Einstellungsdynamik und stabil niedrigen Entlassungen signalisiert einen abkühlenden, aber nicht kollabierenden Arbeitsmarkt. Für die Geldpolitik bedeutet das: Mehr Spielraum für weitere Zinssenkungen, weniger Risiko einer erneuten Straffung.
Die Kette dahinter:
- Erwartete Fed-Zinssenkungen drücken perspektivisch Realrenditen
- Sinkende Realzinsen erhöhen die Attraktivität unverzinslicher Anlageklassen wie Edelmetalle
- Investoren bauten neue Long-Positionen auf, während Short-Positionen eingedeckt wurden
- Die dünne Marktliquidität verstärkte den Aufwärtsimpuls zusätzlich
Silber profitiert damit doppelt – als „Edelmetall mit Zinshebel“ und als Asset, das traditionell sensibel auf Veränderungen der Realzinsen reagiert.
Angebotsknappheit als struktureller Treiber
Kurzfristige Zinsfantasie ist das eine, die strukturelle Knappheit im physischen Markt das andere. Genau hier setzen mehrere Banken mit deutlich optimistischeren Preisprognosen an.
HSBC hat seine Schätzung für den durchschnittlichen Silberpreis 2026 klar nach oben korrigiert:
- Neue Prognose: 68,25 US‑Dollar pro Unze
- Vorherige Prognose: 44,50 US‑Dollar pro Unze
Begründet wird dies mit:
- Anhaltender physischer Knappheit am Londoner Markt
- Ausgeprägter Backwardation bei CME-Futures, ein klassisches Signal für fehlendes lieferbares Metall
UBS geht noch einen Schritt weiter und sieht grundsätzlich Potenzial für dreistellige Silberpreise. Grundlage sind Schätzungen eines Marktdefizits von rund 300 Millionen Unzen im Jahr 2025, mit ähnlich hohen Fehlmengen im Jahr 2026. Das unterstreicht: Der Markt ist nicht nur zyklisch eng, sondern strukturell im Minus.
Chinas Exportregeln verschärfen das Bild
Zusätzlichen Druck auf die Angebotsseite bringen neue Exportauflagen in China. Seit Januar 2026 gelten dort Exportlizenzanforderungen für Silber. Das ist nicht nur eine technische Randnotiz, sondern mengenmäßig relevant:
- China exportierte zuletzt netto etwa 9,3 Millionen Unzen Silber pro Monat
- Die globale Monatsproduktion liegt bei rund 88 Millionen Unzen
Damit stammt gut ein Zehntel der weltweiten Produktion aus dem chinesischen Nettoexport. Wie stark die neuen Lizenzvorgaben diese Ströme tatsächlich bremsen, ist noch offen – die Unsicherheit allein reicht jedoch, um die ohnehin enge Marktlage weiter zuzuspitzen und Risikoprämien in den Preis einzupreisen.
Geopolitik und Safe-Haven-Nachfrage
Parallel zur geld- und angebotsseitigen Story wirken geopolitische Risiken als zusätzlicher Stützungsfaktor. Die US-Intervention in Venezuela sowie steigende Spannungen zwischen China und Japan erhöhen die Nachfrage nach als „sicher“ wahrgenommenen Werten.
Für Silber bedeutet das:
- Sekundäre Safe-Haven-Nachfrage flankiert die industrielle und spekulative Nachfrage
- Politische Risiken verstärken die Tendenz, Rücksetzer zu kaufen statt Positionen abzubauen
Vor diesem Hintergrund ist es wenig überraschend, dass sich der Preis weiterhin in der Nähe seiner historischen Höchststände bewegt – trotz der heftigen, kurzfristigen Schwankungen.
Fazit: Erholung mit Substanz, Risiken im Timing
Die jüngste Erholung des Silberpreises ist mehr als nur ein technischer Gegenschlag auf das Index-Rebalancing. Sie fußt auf drei Säulen: einem nachlassenden Zinsdruck dank schwächerer US-Payrolls, einer klar erkennbaren physischen Knappheit mit deutlichen Defiziten in den kommenden Jahren und einer geopolitisch bedingten Nachfrage nach sicheren Häfen.
Kurzfristig sprechen der geringe Abstand zum 52‑Wochen-Hoch, der deutliche Aufschlag auf den 50‑Tage-Durchschnitt und die hohe 30‑Tage-Volatilität von über 65 Prozent für ein nervöses, aber konstruktives Umfeld. Mittelfristig bleibt entscheidend, wie stark Chinas Exportauflagen die Lieferströme tatsächlich drosseln und ob sich die prognostizierten Angebotsdefizite im Umfang von rund 300 Millionen Unzen pro Jahr realisieren.
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