Nach einem historischen Jahr 2025 mit einem Kursplus von über 147% steht Silber zum Jahresauftakt unter ganz anderem Vorzeichen. Auf die Rally folgen nun gleich mehrere technische Belastungsfaktoren, allen voran die Neugewichtung eines der wichtigsten Rohstoffindizes. Entscheidend wird, ob die starke fundamentale Lage ausreicht, um diesen Druck abzufedern.

Historische Gewinne, erste Abkühlung

Ende Dezember 2025 markierte Silber mit 83,62 US‑Dollar je Unze ein neues Allzeithoch. Seitdem hat der Preis spürbar nachgegeben und pendelt aktuell im Bereich von 71 bis 73 US‑Dollar. Vom Rekordstand entspricht das einem Rückgang von rund 16%.

Der Blick auf die Kursdaten unterstreicht das Bild einer starken, aber inzwischen reiferen Rally:

  • Schlusskurs Freitag: 72,27 US‑Dollar je Unze (+1,81% zum Vortag)
  • 30‑Tage-Performance: +23,28%, 7‑Tage-Performance: −9,30%
  • Abstand zum 52‑Wochen-Hoch: rund −11,5%, zum 52‑Wochen-Tief: +54,1%
  • 50‑Tage-Durchschnitt: 61,48 US‑Dollar (aktueller Preis deutlich darüber)

Mit einem RSI von 62 auf 14‑Tage-Basis und einer annualisierten 30‑Tage-Volatilität von gut 60% bleibt der Markt schwankungsanfällig, wirkt aber technisch nicht mehr so überhitzt wie auf dem Hoch.

Getrieben wurde die Rally 2025 vor allem durch eine Mischung aus knapperem Angebot, politischer Einstufung und geldpolitischen Erwartungen:

  • Silber wurde in den USA als „kritisches Mineral“ eingestuft.
  • Angebotsdefizite am physischen Markt trafen auf niedrige Lagerbestände.
  • Die Nachfrage aus Industrie (u.a. Solar, Elektromobilität) und Investmentseite blieb hoch.
  • Erwartete Zinssenkungen der Federal Reserve und ein schwächerer US‑Dollar stützten den Preis.

Diese Kombination brachte das Edelmetall in kurzer Zeit in eine Liga, die Anleger zuletzt Ende der 1970er Jahre gesehen hatten.

Bloomberg-Index als möglicher Bremsklotz

Kurzfristig rückt nun jedoch ein klar identifizierbarer technischer Faktor in den Mittelpunkt: das Rebalancing des Bloomberg Commodities Index. Ab dem 8. Januar startet die fünftägige Roll-Periode, in der die Zusammensetzung des Index an die Zielgewichtungen für 2026 angepasst wird.

Aktuell machen Silber-Futures noch rund 9% des Index aus. Das Zielgewicht liegt für das neue Jahr aber bei unter 4%. Die Folge: Indexfonds und andere Produkte, die diesen Benchmark abbilden, müssen Positionen abbauen.

Die Größenordnung ist erheblich:

Sollten Anleger Gewinne mitnehmen? Oder startet bei Silber Preis gerade der nächste Boom?

  • Mehr als 5 Milliarden US‑Dollar an Silber-Positionen sollen innerhalb von zwei Wochen reduziert werden.
  • Laut Daniel Ghali, Senior Commodity Strategist bei TD Securities, entspricht das etwa 13% des gesamten Open Interest an der Comex.

Ein so umfangreicher, weitgehend preisunabhängiger Verkaufsdruck kann gerade in Phasen niedriger Liquidität deutliche Ausschläge auslösen. Genau diese Situation liegt aktuell vor: Wichtige Märkte in Japan und China befinden sich noch im Neujahrsurlaub, die Marktbreite ist eingeschränkt. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit abrupter Bewegungen zusätzlich.

Überzogene Erwartungen? Stimmung dreht vorsichtig

Parallel zum drohenden Indexdruck mehren sich Stimmen, die vor einer zu einseitig optimistischen Positionierung warnen. Institutionelle Investoren werden vorsichtiger, obwohl die Fundamentaldaten unverändert solide wirken.

Olive Resource Capital etwa bezeichnet Silber als potenziell „enttäuschendsten“ Rohstoff des Jahres 2026 – nicht, weil die Nachfrage einbrechen oder das Angebot schlagartig steigen würde, sondern weil die Erwartungen vieler Marktteilnehmer sehr hoch gesteckt seien. Nach der gewaltigen Rally könnte bereits eine „normale“ Entwicklung als Enttäuschung wahrgenommen werden.

Auch die technische Perspektive liefert Argumente für mehr Zurückhaltung. Das Gold‑Silber‑Verhältnis hat sich auf Basis von 25 Jahren volumengewichteter Daten wieder in den Bereich seines Durchschnitts bewegt. Ein wesentlicher Teil der Aufholbewegung von Silber gegenüber Gold scheint damit bereits erfolgt zu sein. Die „Aufholfantasie“ allein bietet also weniger Spielraum als noch zu Beginn der Rally.

Fundamentale Stütze bleibt bestehen

Auf der anderen Seite sprechen mehrere strukturelle Faktoren weiterhin für einen robusten Unterbau des Silbermarktes. Kurzfristige Korrekturen ändern daran zunächst wenig.

Zu den zentralen Treibern zählen:

  • Erwartete Zinssenkungen der US‑Notenbank um mindestens zwei Viertelprozentpunkte im Jahr 2026, was zinslosen Anlagen wie Edelmetallen tendenziell hilft.
  • Anhaltende geopolitische Spannungen, u.a. im Nahen Osten (Iran, Gaza) und in der Ukraine, die die Rolle von Edelmetallen als Absicherungsinstrument unterstreichen.
  • Eine wachsende industrielle Nachfrage, vor allem aus dem Solarbereich und der Elektromobilität.
  • Positive physische Prämien in den Kernmärkten Indien und China – zum ersten Mal seit zwei Monaten zahlen Käufer dort wieder Aufschläge auf den Spotpreis, ein Indiz für reale Nachfrage.

Hinzu kommt die Einschätzung großer Investmenthäuser im Edelmetallsektor. Goldman Sachs etwa sieht für Gold ein Kursziel von 4.900 US‑Dollar je Unze. Historisch betrachtet profitiert Silber häufig von starken Goldphasen, da Investoren das „kleinere“ Edelmetall als Hebel auf den Goldtrend nutzen.

Zwischen Euphorie und notwendiger Korrektur

In diesem Spannungsfeld aus technisch bedingtem Verkaufsdruck und stabilen Fundamentaldaten stellt sich die Frage: Steht Silber vor einer tieferen Bereinigung oder nur vor einer notwendigen Atempause nach einem Ausnahmejahr?

Mehrere Strategen halten es für möglich, dass der Markt zunächst noch einen letzten Ausschlag nach oben sieht – einen sogenannten „Blowoff Top“ –, bevor eine längere Konsolidierungsphase einsetzt. Klar ist: Die Volatilität dürfte in den kommenden Wochen hoch bleiben, was die Ausschläge in beide Richtungen verstärken kann.

Für die weitere Entwicklung werden vor allem zwei Punkte entscheidend sein: Zum einen, wie reibungslos der Abbau der Indexpositionen über die Bühne geht und welche Spuren er im Kurs hinterlässt. Zum anderen, ob die starke reale Nachfrage und das Umfeld sinkender Zinsen ausreichen, um Rücksetzer aufzufangen und das aktuell erhöhte Preisniveau zu stabilisieren.

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