Sigmundsherberg sagt Ja zum 7,1-Millionen-Euro-Gemeindezentrum
Die Bürger von Sigmundsherberg haben sich knapp für den Bau eines neuen Gemeindezentrums ausgesprochen. Das 7,1-Millionen-Euro-Projekt spaltete die niederösterreichische Marktgemeinde und führte zu einer hitzigen politischen Debatte. Mit einer Wahlbeteiligung von 73 Prozent zeigte die Bevölkerung großes Interesse an der Zukunft ihres Ortes.
Knappes Ja bei hoher Beteiligung
Die Volksbefragung markiert den Höhepunkt einer jahrelangen Debatte. Von den 1.408 wahlberechtigten Bürgern gaben 1.028 ihre Stimme ab – eine außergewöhnlich hohe Beteiligung. 13 Stimmen waren ungültig. Das äußerst knappe Ergebnis zeigt, wie tief die Gemeinde in dieser Frage gespalten ist. Die intensive Mobilisierung beider Lager schlug sich direkt in den Urnen nieder.
Was das Zentrum alles bieten soll
Das Projekt hat eine lange Vorgeschichte. Bereits 2021 beschloss der Gemeinderat einstimmig, mit der Waldviertler Siedlungsgenossenschaft (WAV) ein multifunktionales Gebäude zu errichten. Geplant sind ein barrierefreies Gemeindeamt, ein Saal für 200 Personen, eine Bibliothek, Gastronomie und barrierefreie Wohnungen. Auch eine Post-Partner-Stelle, Startup-Büros und ein Nahversorger sollen einziehen.
Die architektonischen Pläne sehen runde Gebäudeformen vor, die an historische Türme der Region erinnern. Nach der Fertigstellung will die Gemeinde den Großteil des Gebäudes von der Genossenschaft zurückkaufen. Nur die Wohnungen bleiben im Eigentum der WAV.
Der umstrittene Grundstücksdeal
Aus der anfänglichen Einigkeit wurde ein massiver politischer Streit. Besonders die FPÖ, die später in den Gemeinderat einzog, kritisierte das Vorhaben scharf. Auch die SPÖ warb für ein „Nein“.
Ein zentraler Kritikpunkt: das Grundstück gehörte ursprünglich Bürgermeister Franz Göd (ÖVP) selbst. Er verkaufte es an die WAV. Nun soll die Gemeinde die benötigten Flächen von der Genossenschaft zurückkaufen. Die Opposition bemängelte mangelnde Transparenz bei den Preisen. Der Bürgermeister verteidigte das Vorgehen: Die Gemeinde kaufe nur, was sie wirklich brauche.
Warnungen vor der finanziellen Last
Die größte Sorge galt den Kosten. Die Opposition warnte eindringlich vor einem finanziellen Kollaps. Sie argumentierte, die Ausgaben von 7,1 Millionen Euro überstiegen die Möglichkeiten der Gemeinde bei Weitem. Kritisiert wurden auch die Pläne für eine große Bibliothek und ein Wirtshaus ohne konkretes Pächterkonzept.
Könnte die Gemeinde durch die Kreditlast auf Jahrzehnte handlungsunfähig werden? Die Befürworter hielten dagegen: Die Vermietung von Saal und Gastronomie bringe Einnahmen. Langfristig schaffe das Zentrum wirtschaftlichen Mehrwert für die ganze Region.
Was kommt jetzt auf die Gemeinde zu?
Mit dem Ja der Bürger ist die politische Hürde genommen. Nun muss die Gemeindeführung die Finanzierung sichern und Bauphasen planen. Da die Entwürfe weit fortgeschritten sind, könnten die ersten Maßnahmen bald starten.
Die größte Herausforderung liegt jedoch woanders: Wie bringt man die gespaltene Bevölkerung wieder zusammen? Experten sind sich einig: Absolute Transparenz bei Bauaufträgen und strikte Kostenkontrolle sind jetzt unerlässlich. Hält das Projekt den finanziellen Rahmen und belebt es den Ortskern, könnte es ein Vorzeigeprojekt für das Waldviertel werden. Bis zur Eröffnung bleibt es unter genauer Beobachtung.








