Siemens, Mercedes & Lufthansa: Wenn Rekordaufträge auf Gewinneinbrüche treffen und Streiks den Flugverkehr lahmlegen
Liebe Leserinnen und Leser,
drei deutsche Schwergewichte, drei Quartalszahlen, drei komplett unterschiedliche Geschichten – und doch offenbaren sie alle dasselbe: Die deutsche Wirtschaft kämpft an mehreren Fronten gleichzeitig. Während Siemens heute Morgen mit überraschend starken Zahlen und einer angehobenen Prognose die Börse elektrisierte und SAP als wertvollstes DAX-Unternehmen ablöste, musste Mercedes-Benz einen dramatischen Gewinneinbruch eingestehen, der den gesamten Automobilsektor mit nach unten zog. Und als wäre das nicht genug, legten Piloten und Kabinenpersonal die Lufthansa lahm – hunderte Flüge fielen aus, zehntausende Passagiere strandeten. Was auf den ersten Blick wie ein chaotischer Handelstag aussieht, zeichnet bei genauerem Hinsehen ein klares Bild: Wer sich neu erfindet und auf die richtigen Trends setzt, wird belohnt. Wer zögert oder in alten Strukturen verharrt, gerät unter die Räder.
Siemens triumphiert: KI-Boom und Rechenzentren treiben Gewinn
Der Münchner Technologiekonzern hat im ersten Geschäftsquartal alle Erwartungen übertroffen und seine Jahresprognose angehoben – ein Signal, das die Börse mit einem Kurssprung von mehr als sechs Prozent auf ein neues Allzeithoch bei 274,30 Euro quittierte. Das bereinigte operative Ergebnis des Industriegeschäfts kletterte um 15 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro, deutlich über den erwarteten 2,64 Milliarden Euro. Besonders beeindruckend: Alle Bereiche trugen zum Wachstum bei, doch die Fabrikautomatisierung stach heraus.
Was steckt dahinter? Künstliche Intelligenz, präziser gesagt: der rasante Ausbau von Rechenzentren weltweit. Siemens profitiert doppelt – einerseits von der klassischen Industrieautomation, die in Zeiten wirtschaftlicher Erholung wieder anzieht, andererseits vom KI-getriebenen Infrastrukturboom. Allein im Bereich Smart Infrastructure verzeichnete das Unternehmen ein Rekordvolumen von 1,8 Milliarden Euro an Großaufträgen für Rechenzentren, etwa die Hälfte davon entfiel auf einzelne Großprojekte. "Die Nachfrage nach Rechenzentren hat unsere Erwartungen deutlich übertroffen", sagte Vorstandschef Roland Busch. Für das Gesamtjahr 2025/26 strebt Siemens nun ein vergleichbares Umsatzwachstum von mehr als sieben Prozent an – optimistischer als die meisten Analysten.
Mit einer Marktkapitalisierung von über 217 Milliarden Euro hat Siemens SAP als wertvollstes DAX-Unternehmen abgelöst. Während die Walldorfer unter KI-Sorgen leiden und seit ihrem Rekord vor einem Jahr mehr als ein Drittel an Wert verloren haben, legt Siemens 2026 bereits 14 Prozent zu. Ein bemerkenswerter Rollentausch – und ein Lehrstück darüber, wie schnell sich Machtverhältnisse verschieben können, wenn Technologietrends neue Gewinner küren.
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Mercedes im freien Fall: Gewinneinbruch und vorsichtiger Ausblick
Während Siemens jubelt, herrscht in Stuttgart Katerstimmung. Mercedes-Benz musste für 2025 einen Gewinneinbruch verbuchen, der selbst pessimistische Analysten überraschte. Das bereinigte operative Ergebnis stürzte um 40 Prozent auf 8,2 Milliarden Euro ab, die Marge in der wichtigsten Pkw-Sparte sackte von 8,1 auf 5,0 Prozent – und für 2026 stellt das Unternehmen lediglich 3 bis 5 Prozent in Aussicht. Die Aktie verlor zeitweise mehr als fünf Prozent und riss BMW, VW und Porsche mit ins Minus.
Was ist schiefgelaufen? Drei Faktoren bilden einen toxischen Cocktail: Erstens haben US-Zölle allein eine Milliarde Euro verschlungen. Zweitens brach das China-Geschäft dramatisch ein – minus 19 Prozent bei den Verkäufen in einem Markt, der fast ein Drittel des Gesamtabsatzes ausmacht. Drittens drückte der schwache Dollar mit Währungsverlusten von 1,5 Milliarden Euro allein in der Pkw-Sparte. Der durchschnittliche Verkaufspreis sank von 71.000 auf 68.100 Euro je Auto – ein klares Zeichen für den Preiskampf, den chinesische Konkurrenten wie BYD befeuern.
Das Sparprogramm läuft auf Hochtouren: 1,6 Milliarden Euro stellte Mercedes 2025 für Stellenabbau zurück, bis 2027 sollen Produktions- und Fixkosten jeweils um zehn Prozent sinken. Doch die Auszahlungen für Aufhebungsverträge belasten den freien Cashflow, der bereits von 9,2 auf 5,4 Milliarden Euro eingebrochen ist. Analysten zeigen sich skeptisch: Die Margen-Prognose für 2026 liegt unter dem Konsens, und erst 2027 will Mercedes wieder eine zweistellige Marge erreichen. Die Dividende wird von 4,30 auf 3,50 Euro gekürzt – ein weiteres Signal, dass die goldenen Jahre vorerst vorbei sind.
Lufthansa am Boden: Streiks legen den Flugverkehr lahm
Als wäre die wirtschaftliche Gemengelage nicht schon kompliziert genug, eskalierte heute der Tarifkonflikt bei Deutschlands größter Airline. Piloten und Kabinenpersonal legten die Arbeit nieder, deutschlandweit fielen mehr als 460 Flüge aus, rund 69.000 Passagiere waren betroffen. In Frankfurt, dem größten deutschen Drehkreuz, herrschte im Lufthansa-Terminal A gähnende Leere, während an den Umbuchungsschaltern lange Schlangen entstanden.
Die Gewerkschaften zeigen sich kämpferisch. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit fordert höhere Arbeitgeberbeiträge zu den Betriebsrenten, die Kabinengewerkschaft Ufo will Tarifverträge erzwingen, um Jobs bei der Regionaltochter Cityline zu sichern – dort sind 800 Stellen bedroht. "Was wir brauchen, ist ein neues Angebot. Die Lufthansa hat sich nicht gemeldet", sagte VC-Präsident Andreas Pinheiro. Weitere Streiks sind nicht ausgeschlossen, sollte das Management nicht einlenken.
Lufthansa steht unter Druck: Die Kerngesellschaft rutschte 2024 in die Verlustzone und soll mit dem Sanierungsprogramm "Turnaround" wieder profitabel werden. Der Vorstand warnt, die Forderungen der Gewerkschaften würden "weitere starke Kostensteigerungen" bedeuten – in einer Phase, in der das Unternehmen eigentlich sparen muss. Die Aktie reagierte überraschend gelassen und legte sogar leicht zu, doch das dürfte eher der allgemein positiven Marktstimmung geschuldet sein. Am 6. März legt der MDAX-Konzern neue Zahlen vor – dann wird sich zeigen, ob die Sanierung greift oder ob die Turbulenzen anhalten.
Thyssenkrupp kämpft weiter: Verlust ausgeweitet, Jindal-Gespräche ziehen sich
Auch beim Essener Industriekonzern bleibt die Lage angespannt. Im ersten Geschäftsquartal weitete sich der Nettoverlust von 51 auf 353 Millionen Euro aus – Hauptgrund waren hohe Restrukturierungskosten für das Stahlgeschäft sowie Abschreibungen im Zusammenhang mit dem geplanten Verkauf von Automation Engineering. Das bereinigte operative Ergebnis verbesserte sich zwar um zehn Prozent auf 211 Millionen Euro, doch der Umsatz sank um acht Prozent auf 7,2 Milliarden Euro, der Auftragseingang brach um 38 Prozent ein.
Die Gespräche mit dem indischen Stahlkonzern Jindal über einen Verkauf der Stahlsparte ziehen sich hin. "Es gibt noch eine Menge zu besprechen und zu verhandeln", sagte Finanzchef Axel Hamann. Die von der EU geplanten Schutzmaßnahmen gegen Billigimporte hätten die Bedingungen verändert. Wann und ob es zu einem Abschluss kommt, bleibt offen. Unabhängig davon läuft die Restrukturierung weiter – im laufenden Geschäftsjahr rechnet Thyssenkrupp mit Kosten im mittel bis hoch dreistelligen Millionen-Bereich. Die Aktie gab leicht nach, trotz der positiven Entwicklung bei der abgespaltenen Marineschiffbau-Tochter TKMS, die ihre Umsatzprognose angehoben hat.
Was das für Anleger bedeutet
Der heutige Handelstag zeigt einmal mehr: Die Märkte belohnen Klarheit und bestrafen Unsicherheit. Siemens profitiert von strukturellen Megatrends – KI, Automatisierung, Rechenzentren – und kann diese Stärke in konkrete Zahlen übersetzen. Mercedes hingegen kämpft mit externen Schocks und strukturellen Problemen, die sich nicht über Nacht lösen lassen. Lufthansa und Thyssenkrupp stecken mitten in schmerzhaften Transformationen, deren Ausgang ungewiss ist.
Für deutsche Anleger heißt das: Wer auf Technologie und Infrastruktur setzt, findet im DAX weiterhin Chancen. Wer auf Industrie und Mobilität vertraut, braucht Geduld und starke Nerven. Am Freitag stehen die US-Inflationszahlen an – sie werden zeigen, ob die Fed weiteren Spielraum für Zinssenkungen hat oder ob die Märkte ihre Erwartungen erneut anpassen müssen. Der DAX kratzte heute an der 25.100-Punkte-Marke, das Allzeithoch bei 25.507 Punkten rückt näher. Doch die Frage bleibt: Trägt die Rallye oder ist sie zu abhängig von wenigen Gewinnern?
Beste Grüße und einen erfolgreichen Handelstag
Andreas Sommer








