Shell Aktie: Geteilte Meinungen
Shell steht mitten in einer strategischen Neuausrichtung: Milliardeninvestitionen in Nigeria, ein laufendes Aktienrückkaufprogramm und strukturelle Umbauten im Kerngeschäft sollen den Energieriesen neu positionieren. Gleichzeitig gehen Analysten bei der Bewertung deutlich auseinander. Wie passt diese vorsichtige Einschätzung des Marktes zu den ambitionierten Plänen des Konzerns?
Analysten uneins, Fundament solide
Auf Analystenseite prallen derzeit zwei Sichtweisen aufeinander. Berenberg-Analyst Henry Tarr bestätigte am 23. Januar 2026 seine Kaufempfehlung und sieht das Kursziel bei 32,50 Pfund. Er setzt damit klar auf weiteres Potenzial.
Deutlich zurückhaltender zeigt sich UBS: Analyst Joshua Stone hält seit Anfang Januar 2026 an einem Neutral-/Hold-Votum fest und peilt 3.000 Pence als Zielmarke an. Die Spanne zwischen den Kurszielen unterstreicht, wie unterschiedlich Shells Perspektiven derzeit interpretiert werden.
Fundamental liefert der Konzern zugleich belastbare Zahlen. Für das dritte Quartal 2025 meldete Shell bereinigte Gewinne (Adjusted Earnings) von 5,4 Milliarden US‑Dollar. Auf der Insiderseite überwiegt jedoch der Verkaufsdruck: In den vergangenen drei Monaten haben 59 Insider ihre Verkaufspositionen ausgebaut – ein Signal, das viele Marktbeobachter tendenziell vorsichtig einordnen.
Kursseitig bleibt das Bild gemischt: Am Freitag schloss die Aktie bei 31,23 Euro, auf Wochensicht ergibt sich ein leichter Rückgang, während die 12-Monats-Performance moderat im Minus liegt. Damit notiert der Titel spürbar unter dem 52‑Wochen‑Hoch, aber klar über dem Zwischentief – von einer extremen Übertreibung ist der Markt also weit entfernt.
Milliardenoffensive in Nigeria
Ein Kernbaustein der aktuellen Strategie ist der Ausbau der Aktivitäten in Westafrika. Berichte vom 23. Januar bestätigen, dass Shell bis zu 20 Milliarden US‑Dollar in Nigerias Öl- und Gassektor investieren will. Die Mittel sind auf mehrere Großprojekte verteilt:
- Bonga South-West: Geplante Investitionen von nahezu 10 Milliarden US‑Dollar.
- Bonga North: Für dieses Projekt liegt bereits eine finale Investitionsentscheidung (FID) über rund 5 Milliarden US‑Dollar vor.
- HI/Feed Gas Projekt: Weitere 2 Milliarden US‑Dollar sind für diese Gasinitiative vorgesehen.
Das HI-Gasprojekt soll künftig bis zu 350 Millionen Standardkubikfuß Gas pro Tag liefern. Mit diesem Fokus auf Tiefsee- und Gasprojekte verstärkt Shell sein Engagement im klassischen fossilen Bereich – trotz parallel laufender Transformationspläne in Richtung niedrigerer Emissionen. Genau dieser Spagat ist einer der Gründe, warum Analysten die zukünftige Gewinnqualität unterschiedlich bewerten.
Aktienrückkauf und Umbau des Geschäfts
Parallel zu den Investitionen läuft ein umfangreiches Rückkaufprogramm. Seit dem Start am 30. Oktober 2025 zieht Shell kontinuierlich eigene Aktien ein. Am 23. Januar 2026 wurden an der London Stock Exchange und an Euronext Amsterdam zusammen 1.147.196 Papiere erworben, die zur Einziehung vorgesehen sind. Durch die Verringerung der ausstehenden Aktienzahl zielt das Management klar auf eine Stützung des Gewinns je Aktie (EPS) und eine aktionärsfreundliche Kapitalstruktur.
Auf operativer Ebene treibt der Konzern zudem strukturelle Änderungen voran. Ende 2025 bündelte Shell seine britischen Offshore-Öl- und Gasaktivitäten mit Equinor in einem neuen Gemeinschaftsunternehmen namens „Adura“. Ziel ist es, Synergien zu heben und komplexe Offshore-Projekte effizienter zu betreiben.
Gleichzeitig gerät der Konzern in den USA unter politische und gesellschaftliche Beobachtung. In Kalifornien sorgt der Plan, rund 1.000 Tankstellen zu schließen oder zu veräußern und den Fokus auf Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge zu verlagern, für Diskussionen. Diese Maßnahmen zeigen, dass Shell sein Vertriebsnetz an veränderte Mobilitätsgewohnheiten anpasst, was aber nicht überall auf Zustimmung stößt.
Marktumfeld und Einordnung
Das aktuelle Umfeld spielt der Branche grundsätzlich in die Karten. Die Ölpreise sind am Wochenende deutlich angezogen: Brent legte um rund 2,8 % auf knapp unter 66 US‑Dollar zu, WTI stieg in ähnlichem Umfang auf gut 61 US‑Dollar. Steigende Notierungen verbessern typischerweise die Margen integrierter Öl- und Gaskonzerne und stützen den Cashflow für Investitionen und Rückkäufe.
Die Shell-Aktie spiegelt diese Gemengelage nur teilweise wider: Der Kurs liegt knapp unter wichtigen gleitenden Durchschnitten, und die Jahresperformance ist leicht negativ. Damit positioniert sich der Titel derzeit eher im Mittelfeld – weder klar überhitzt noch deutlich ausverkauft.
Für die kommenden Monate werden vor allem drei Punkte entscheidend sein: die Fortschritte bei den Großprojekten in Nigeria, das Tempo des Aktienrückkaufs und die konkrete Ausgestaltung des Strukturumbaus in Europa und den USA. Zusammen bestimmen sie, ob sich die optimistische Sicht von Berenberg oder die vorsichtigere Einschätzung der UBS eher durchsetzt.
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