RWE setzt innerhalb weniger Tage zwei markante strategische Akzente: ein Großerfolg im britischen Offshore-Windmarkt und ein weiterer langlaufender LNG-Vertrag in den USA. Beides stärkt die Position des Konzerns in zwei zentralen Säulen der Energiewende – erneuerbare Erzeugung und Versorgungssicherheit mit Gas. Wie sehr spiegelt sich diese Strategie bereits im Kurs wider?

Aktuell liegt die RWE-Aktie bei 50,64 Euro und damit rund 8 Prozent höher als zu Jahresbeginn. Auf Sicht von zwölf Monaten summiert sich das Plus sogar auf gut 72 Prozent – ein klarer Hinweis, dass der Markt den eingeschlagenen Kurs honoriert.

Offshore-Wind: Langfristige Erlöse gesichert

Im Mittelpunkt steht der historische Erfolg in der siebten britischen Contracts-for-Difference-Auktion (AR7). RWE sichert sich dort 20-jährige Abnahmeverträge für insgesamt 6,9 Gigawatt Offshore-Windkapazität – eine Größenordnung, die das bestehende Portfolio deutlich nach oben skaliert.

Zum CfD-Paket gehören:

  • Norfolk Vanguard East (Nordsee)
  • Norfolk Vanguard West (Nordsee)
  • Zwei Dogger Bank South-Projekte (Nordsee)
  • Awel y Môr in der Irischen See

Der Strike-Preis liegt bei 91,20 Pfund je Megawattstunde (Preisstand 2024, inflationsindexiert). Damit erhält RWE für die künftige Stromproduktion eine weitgehende Planungssicherheit: Erlöse sind über zwei Jahrzehnte vertraglich fixiert, gleichzeitig passt sich der Vergütungssatz an die Teuerung an.

KKR als Co-Investor bei Schlüsselprojekten

Besonderes Gewicht bekommt der Deal durch den Einstieg von KKR. Der US-Finanzinvestor übernimmt jeweils 50 Prozent an den Norfolk Vanguard-Projekten. RWE-CEO Markus Krebber spricht von einem wichtigen Meilenstein für die britische Offshore-Wind-Pipeline.

Die Logik dahinter:
- RWE bringt technische und operative Offshore-Expertise ein.
- KKR steuert Kapital und Erfahrung mit komplexen Infrastrukturinvestments bei.

Diese Struktur entlastet die RWE-Bilanz und erleichtert die Umsetzung der Großprojekte. Gleichzeitig bleibt RWE im operativen Geschäft klar in der Spur.

LNG-Verträge: Langfristige Gasquellen aus den USA

Kaum war der Offshore-Erfolg verkündet, folgte der nächste strategische Schritt. Die Handelstochter RWE Supply & Trading schließt mit Glenfarne einen 20-jährigen Vertrag über eine Million Tonnen LNG pro Jahr ab. Das entspricht etwa 13 LNG-Ladungen bzw. rund 1,4 Milliarden Kubikmetern Erdgas jährlich.

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Geliefert wird aus dem Texas LNG-Terminal im Hafen von Brownsville, das 2030 den Betrieb aufnehmen soll. Eine Besonderheit des Projekts: Es setzt auf elektrische Antriebsmotoren und zählt damit zu den emissionsärmsten LNG-Anlagen weltweit – ein Punkt, der auch in einem zunehmend regulatorisch geprägten Umfeld an Bedeutung gewinnt.

Zweite US-LNG-Quelle ergänzt Portfolio

Der neue Glenfarne-Vertrag ist bereits der zweite langfristige US-LNG-Deal für RWE. Bereits 2022 vereinbarte der Konzern mit Sempra Infrastructure eine 15-jährige Lieferung von 2,25 Millionen Tonnen LNG pro Jahr aus dem Port Arthur LNG-Terminal ab 2027.

Damit verfügt RWE über:

  • Eine gesicherte LNG-Quelle ab 2027 (Port Arthur)
  • Eine zweite Quelle ab 2030 (Texas LNG, Brownsville)

Für die europäische Gasversorgung bedeutet das zusätzliche Flexibilität und Diversifizierung, insbesondere weg von traditionellen Pipeline-Lieferanten.

Die wichtigsten Fakten im Überblick

  • 6,9 GW neue Offshore-Wind-CfDs in Großbritannien
  • 20-jährige Abnahmeverträge mit inflationsindexiertem Strike-Preis (91,20 Pfund/MWh)
  • KKR erwirbt 50 % an den Norfolk Vanguard-Projekten
  • 20-jähriger LNG-Liefervertrag mit Glenfarne (1 Mio. Tonnen/Jahr) ab 2030
  • Zweiter langfristiger US-LNG-Deal nach Sempra-Port-Arthur-Vereinbarung
  • RWE-Aktie: rund 72 % Plus auf 12-Monats-Sicht, ca. 8 % seit Jahresbeginn

Kursbild und Fundament: Wachstum mit Rückenhalt

Trotz des Tagesrückgangs von rund 2 Prozent auf 50,64 Euro bleibt das technische Bild konstruktiv. Die Aktie notiert:

  • Rund 10 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt (45,88 Euro)
  • Knapp 30 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt (39,06 Euro)
  • Etwa 5 Prozent unter dem jüngsten 52-Wochen-Hoch von 53,42 Euro

Mit einem 14-Tage-RSI von 59,8 ist der Titel weder überkauft noch stark überverkauft. Die hohe annualisierte 30-Tage-Volatilität von gut 74 Prozent zeigt allerdings, dass die Schwankungsbreite zuletzt deutlich erhöht war.

Auf fundamentaler Ebene stützt eine solide Bilanz die Expansionspläne. RWE verfügt über liquide Mittel von 8,9 Milliarden Euro bei einer Verschuldungsquote von 52,91 Prozent. Der jüngste Umsatz lag bei 21,54 Milliarden Euro, der Nettogewinn bei 2,16 Milliarden Euro. Daraus ergibt sich ein KGV (TTM) von 17,40 bei einer Dividendenrendite von 2,14 Prozent – im Sektor kein Ausreißer, aber ein auskömmliches Niveau für einen wachstumsorientierten Versorger.

Offshore-Portfolio wächst in die nächste Dimension

Bereits heute betreibt RWE 19 Offshore-Windparks in fünf Ländern mit einer installierten Gesamtkapazität von 6,2 Gigawatt, wovon 3,3 Gigawatt auf den Konzern entfallen. Vier weitere Projekte befinden sich im Bau:

  • Sofia (Nordsee, vor Nordengland)
  • Thor (Dänemark)
  • OranjeWind (vor der niederländischen Küste)
  • Nordseecluster (nördlich der Insel Juist)

Nach Fertigstellung dieser Anlagen kommen weitere 4,8 Gigawatt Erzeugungskapazität hinzu. In Kombination mit den neuen britischen CfDs zeichnet sich ein deutlich größerer Offshore-Footprint ab, der langfristig wiederkehrende Erlöse liefern soll.

Fazit: Strategie spiegelt sich zunehmend im Kurs

RWE verbindet zwei wesentliche Trends der Energiebranche: stark wachsendes Offshore-Windgeschäft mit langfristig gesicherten Einnahmen und parallel der Aufbau robuster LNG-Lieferketten für Europa. Die jüngsten Deals mit Großbritannien und den US-Partnern KKR und Glenfarne fügen sich nahtlos in diese Linie ein.

Für die Aktie bedeutet das: Nach einem Anstieg um rund 72 Prozent auf Jahressicht und einem Kurs, der klar über den wichtigen gleitenden Durchschnitten liegt, preist der Markt bereits einen guten Teil dieser Wachstumsgeschichte ein. Entscheidend für die nächsten Quartale wird sein, dass RWE die großen Offshore-Projekte im Zeit- und Budgetrahmen umsetzt und die LNG-Verträge wie geplant in konkrete Lieferströme überführt.

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