PayPal setzt strategisch klar auf künstliche Intelligenz – doch an der Börse bleibt die Begeisterung verhalten. Mit der Übernahme der E‑Commerce-Automationsplattform Cymbio drängt der Zahlungsdienstleister in ein neues Feld: „Agentic Commerce“, also Handel, den KI-Assistenten aktiv steuern. Gleichzeitig ziehen institutionelle Investoren Geld ab, und die Aktie kratzt an ihrem Jahrestief. Wie passt das zusammen?

AI-Offensive mit Cymbio

Die am 24. Januar angekündigte Übernahme von Cymbio ist ein zentraler Baustein in PayPals aktualisierter Technologie-Strategie. Cymbio fokussiert sich auf Multi-Channel-Commerce und die direkte Anbindung von Marken an Retail-Plattformen.

PayPal will die Technologie in seinen Dienst „Store-Sync“ integrieren. Ziel ist es, Produktkataloge von Händlern nahtlos mit KI-gesteuerten Plattformen und Assistenten zu verbinden – etwa mit Microsoft Copilot oder Perplexity. In der Vision des Managements wird damit „Agentic Commerce“ möglich: KI-Agenten, die Produkte finden, vergleichen und im Idealfall eigenständig Transaktionen im Namen der Nutzer anstoßen.

Stichpunkte zur strategischen Stoßrichtung:

  • Integration von Cymbio in PayPals „Store-Sync“-Service
  • Direkte Anbindung von Händlerkatalogen an KI-Assistenten
  • Positionierung in einem entstehenden Marktsegment („Agentic Commerce“)
  • Ziel: Mehr Transaktionen und höhere Relevanz im digitalen Handel

Damit versucht PayPal, sein Kerngeschäft über reine Zahlungsabwicklung hinaus in Richtung intelligenter Commerce-Infrastruktur zu erweitern. Ob die Börse daraus kurzfristig einen Wachstumstreiber macht, ist bislang aber offen.

Institutionelle Skepsis und Analystenbild

Parallel zur AI-Offensive gab es einen deutlich weniger freundlichen Impuls von institutioneller Seite. Der Teacher Retirement System of Texas, ein großer US-Pensionsfonds, hat seine PayPal-Position im dritten Quartal kräftig reduziert.

Nach den gemeldeten Daten wurden rund 280.220 Aktien verkauft, was einer Verringerung der Beteiligung um 40,3 % entspricht. Der Fonds hält nun noch 414.564 Aktien mit einem Wert von etwa 27,8 Mio. US‑Dollar. Marktbeobachter dürften das als Signal sehen, dass zumindest ein Teil der langfristigen, professionellen Investoren die jüngsten Strategie-Schritte mit Vorsicht bewertet.

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Auch bei den Analysten ist das Bild gemischt:

  • Jefferies bestätigt „Hold“ mit einem Kursziel von 60 US‑Dollar – also begrenztes Aufwärtspotenzial aus Sicht des Hauses.
  • Morgan Stanley bleibt bei „Sell“ mit Ziel 51 US‑Dollar und verweist auf strukturelle Herausforderungen.
  • Der Konsens von 47 Analysten liegt dagegen bei rund 73,33 US‑Dollar, was theoretisch deutliches Potenzial nach oben andeutet – trotz der jüngsten Schwäche.

Diese Spannbreite zeigt: Die Marktmeinung ist alles andere als einheitlich, und die Strategie hin zu „Agentic Commerce“ ist noch weit davon entfernt, als klarer Kurstreiber akzeptiert zu sein.

Druck im Stablecoin-Geschäft

Im Kryptobereich gerät PayPal zusätzlich unter Wettbewerbsdruck. Im Stablecoin-Segment, in dem PayPal mit PYUSD antritt, dominiert weiterhin Circle mit USDC.

  • USDC kommt aktuell auf eine Marktkapitalisierung von etwa 73,7 Mrd. US‑Dollar.
  • PYUSD liegt mit rund 3,7 Mrd. US‑Dollar deutlich zurück.

Innerhalb der PayPal-App bietet PYUSD zwar einen attraktiven Jahreszins von 3,75 % (APR), doch im Gesamtmarkt ist der Stablecoin gemessen am Volumen klar im Hintertreffen. Das unterstreicht, wie schwer es ist, gegenüber einem etablierten Krypto-Anbieter allein aus der eigenen Nutzerbasis heraus signifikant Marktanteile zu gewinnen.

Bewertung, Momentum und technische Lage

An der Börse spiegelt sich die strategische Neuausrichtung bisher kaum in positiver Kursdynamik wider. In den vergangenen zwölf Monaten hat die Aktie rund 44 % an Wert verloren; im Januar wurde mit 47,69 Euro ein neues 52‑Wochen-Tief markiert, von dem der aktuelle Kurs mit 48,01 Euro kaum entfernt ist. Damit notiert der Titel deutlich unter seinem 50‑, 100‑ und 200‑Tage-Durchschnitt, was einen klaren Abwärtstrend bestätigt.

Fundamental wirkt die Bewertung dagegen moderat: Für 2026 liegt das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis bei rund 10,2, auf Basis einer für 2025 prognostizierten Gewinn je Aktie von 5,36 US‑Dollar. Der Markt preist damit eher ein Umfeld niedrigen Wachstums ein.

Parallel arbeitet PayPal an einer Banklizenz (Industrial Loan Company, ILC) im US-Bundesstaat Utah. Damit will der Konzern sein Kreditbuch stärker ins eigene Haus holen. Seit 2013 wurden rund 30 Mrd. US‑Dollar an Krediten ausgereicht; eine interne Abwicklung könnte die Margen verbessern, erhöht aber auch die regulatorische Komplexität.

Ausblick auf die Q4-Zahlen

Der nächste harte Test für die Investmentstory steht bereits fest: Am 3. Februar legt PayPal die Zahlen zum vierten Quartal vor. Entscheidend wird sein, ob sich erste Effekte der AI-Initiativen und der „Agentic Commerce“-Strategie in Kennzahlen wie Umsatz oder Total Payment Volume (TPV) erkennen lassen.

Aus technischer Sicht bleibt der Bereich um 55 bis 56 US‑Dollar ein wichtiger Unterstützungsbereich. Im US-Handel markiert das 52‑Wochen-Tief bei 55,02 US‑Dollar eine zentrale Marke, deren Unterschreiten weiteren Verkaufsdruck auslösen könnte. Auf der anderen Seite könnten überzeugende Q4-Daten oder konkrete Pläne zur Monetarisierung der Cymbio-Integration den Druck von der Aktie nehmen und zumindest eine Gegenbewegung in Richtung der Analysten-Kursziele anstoßen.

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