Nvidia startet ins neue Börsenjahr mit einem klaren Signal auf zwei Ebenen: strategische Verstärkung im Top-Management und potenziell milliardenschwere Nachfrage aus China. Gleichzeitig wächst der Zweifel, ob der KI-Boom an der Börse in diesem Tempo weitergehen kann. Genau dieser Spagat zwischen operativer Stärke und Bewertungsangst prägt aktuell das Bild.

Neue Marketingchefin und China-Fantasie

Der wichtigste konkrete Schritt ist die Erweiterung des Führungsteams: Nvidia schafft erstmals die Position eines Chief Marketing Officer. Ab Februar 2026 übernimmt Alison Wagonfeld diese Rolle. Sie kommt von Google Cloud, wo sie maßgeblich daran beteiligt war, das Geschäft auf eine jährliche Umsatzrate von rund 60 Milliarden US-Dollar zu bringen, und berichtet künftig direkt an CEO Jensen Huang.

Hintergrund des Moves: Trotz enormer finanzieller Dominanz liegt die globale Markenwahrnehmung zurück – im Interbrand-Ranking 2025 kommt Nvidia nur auf Platz 15. Mit der neuen Struktur soll die Marke klarer positioniert und bislang zersplitterte Kommunikationsstränge gebündelt werden. Das Unternehmen schärft damit gezielt sein Profil als zentrale Plattform für KI-Infrastruktur, nicht nur als Chip-Lieferant.

Parallel sorgt ein Medienbericht für Fantasie auf der Umsatzseite. Laut Bloomberg will der chinesische Technologiekonzern Alibaba mehr als 200.000 H200-Chips bestellen. Kommt die Bestellung im Rahmen der bestehenden US-Exportregeln durch, wäre das ein deutlich spürbarer Erlöshebel und ein weiteres Zeichen für die anhaltend hohe Nachfrage nach Hochleistungs-Hardware für KI-Rechenzentren in Asien – trotz geopolitischer Spannungen.

CES-Neuheiten und Produktionsschwenk

Von der CES 2026 hallen noch weitere Ankündigungen nach. Jensen Huang stellte dort die neue KI-Plattform „Alpamayo“ für autonomes Fahren vor. Ziel ist, fahrerähnliche Entscheidungsfindung in Fahrzeugen zu ermöglichen. Gemeinsam mit Mercedes-Benz soll die Technologie in den kommenden Monaten zunächst in den USA starten, mit anschließender Ausweitung auf Europa und Asien.

Zusätzlich skizzierte Nvidia einen Fahrplan für einen eigenen Robotaxi-Dienst im kommenden Jahr. Das unterstreicht die Ambition, nicht nur Chip-Zulieferer, sondern Systemanbieter für komplette KI-gestützte Mobilitätslösungen zu werden.

Auf der Angebotsseite deuten Branchengerüchte dagegen auf eine klare Prioritätenverschiebung hin. Laut Berichten von Club386 könnte Nvidia die Consumer-Serie GeForce RTX 50 Super auf unbestimmte Zeit verschieben. Angeblicher Grund: Produktionskapazitäten – insbesondere Speicher- und Waferkontingente – sollen zugunsten margenstarker KI-Datacenter-Chips umgeschichtet werden. Demnach könnte die RTX-50-Produktion um bis zu 40 % reduziert werden, um Enterprise-Kunden zu bedienen. Das passt ins Bild eines Konzerns, der konsequent dem lukrativsten Nachfragekanal folgt.

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Bewertungssorgen vs. KI-Boom

An der Börse ist Nvidia mit rund 4,5 Billionen US-Dollar bewertet, das KGV auf Basis der vergangenen zwölf Monate liegt bei 45,8. Nach dem Rekordhoch im Oktober 2025 hat die Aktie rund 9 % korrigiert – Ausdruck wachsender Nervosität, ob die KI-Bewertung noch ausreichend durch künftige Gewinne gedeckt ist.

Gleichzeitig zeichnen das Management und Teile der Branche weiterhin ein sehr optimistisches Bild. Finanzchefin Colette Kress hat zuletzt von KI-Produktnachfrage in Höhe von mehr als 500 Milliarden US-Dollar bis 2026 gesprochen. Zulieferer TSMC meldet einen Umsatzsprung von 20 %, primär getrieben durch KI-Aufträge, und die Analystenhäuser Mizuho und Goldman Sachs haben ihre Prognosen für die Halbleiter-Lieferkette bis 2027 angehoben.

Auf der Gegenseite werden die warnenden Stimmen lauter. Michael Burry von Scion Asset Management warnte am 9. Januar vor einem möglichen Crash, der die Dotcom-Blase übertreffen könnte. Als Risiko nennt er die starke Gewichtung von Mega-Caps wie Nvidia in passiven Anlageprodukten. Strategen von BCA Research erwarten zudem, dass der Investitionsboom in KI rund um 2026 seinen Höhepunkt erreicht, weil Technologieinvestitionen im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung ein nicht nachhaltiges Niveau erreichen könnten.

Die Lage im Überblick:

  • Deutlich optimistische Nachfragesignale (u. a. 500-Milliarden-Dollar-Ausblick, TSMC-Umsatzplus)
  • Strategische Fokussierung auf margenstarke KI-Datacenter-Chips
  • Zunehmende Skepsis prominenter Investoren und Strategen zur Nachhaltigkeit des KI-Booms
  • Bewertung auf hohem Niveau, nach leichter Korrektur seit dem Rekordhoch

Operativ überwiegen derzeit die positiven Signale, die Bewertungsdiskussion dürfte die Aktie aber weiter begleiten.

Ausblick und Aktie im Marktbild

Der nächste harte Test steht bereits fest: Am 25. Februar 2026 legt Nvidia die Zahlen für das vierte Quartal vor. Darauf richtet sich nun der Fokus der Investoren. Der aktuelle Analystenkonsens von 39 Experten liegt bei „Strong Buy“, mit einem durchschnittlichen Kursziel von 252,49 US-Dollar – das impliziert ein Aufwärtspotenzial von etwas mehr als 36 % gegenüber dem jüngsten Kurs.

Charttechnisch pendelt die Aktie aktuell nahe 185 US-Dollar und damit nur gut 3 % unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 190,53 US-Dollar. Auf Sicht von zwölf Monaten steht ein Plus von rund 37 %, seit Anfang Dezember hat der Titel deutlich zugelegt. Mit einem RSI von 63 und klarem Abstand zu den gleitenden Durchschnitten (unter anderem rund 26 % über der 200-Tage-Linie) spiegelt der Kurs das starke Sentiment wider, ohne in eine extrem überkaufte Zone vorgedrungen zu sein.

Entscheidend für die nächsten Wochen werden drei Punkte sein: Ob sich der mögliche Großauftrag von Alibaba bestätigt, wie stark sich die Verschiebung von Gaming- hin zu Datacenter-Produkten in den Zahlen niederschlägt und ob Nvidia mit dem Q4-Bericht am 25. Februar die hohen Wachstumserwartungen in einem zunehmend kritischen Marktumfeld untermauern kann.

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