Nvidia Aktie: China-Risiko im Fokus
Nvidia versucht heute eine Gegenbewegung nach dem deutlichen Rückgang vom Vortag. Dabei rücken zwei Themen in den Mittelpunkt: der eskalierende Konflikt um KI-Chiplieferungen nach China und die strategische Vertiefung im Bereich KI-Inferenz durch Zukäufe und Beteiligungen. Wie stark beeinflusst diese Kombination aus Geopolitik und Technologieausbau die mittelfristige Perspektive?
Wichtige Punkte im Überblick:
- Blockade von H200-Chips durch chinesische Zollbehörden trotz US-Exportfreigabe
- Geplante China-Reise von CEO Jensen Huang noch vor dem chinesischen Neujahrsfest
- 150-Millionen-Dollar-Investment in Baseten, Bewertung rund 5 Milliarden Dollar
- Hintergrund: 20-Milliarden-Transaktion mit Groq Ende 2025 als wesentlicher Technologiedeal
- RBC Capital mit „Outperform“ und Kursziel 240 Dollar
- Kurskorrektur etwa 16 % unter dem Hoch von Oktober 2025, Bewertung rund 24x erwartete FY2027-Gewinne
Handelsstreit um H200-Chips
Im Zentrum steht der sogenannte „reverse trade war“ um den H200-KI-Chip. Zwar hat die US-Regierung den Export der Prozessoren jüngst genehmigt, doch Berichte vom 20. und 21. Januar bestätigen, dass chinesische Zollbehörden die Lieferungen blockieren. Zulieferer haben daraufhin ihre Produktion ausgesetzt.
Um diesen Absatzkanal wieder zu öffnen, plant CEO Jensen Huang noch vor dem chinesischen Neujahrsfest eine Reise nach Peking. Der Besuch gilt als Versuch, eine dauerhafte Verlagerung von Nachfrage hin zu lokalen Wettbewerbern wie Huawei zu verhindern. Gelingt dies nicht, droht dem Konzern ein spürbarer Rückgang im China-Geschäft.
Die Blockade signalisiert zugleich eine Verschiebung der Kräfteverhältnisse: Während bisher vor allem US-Exportbeschränkungen Nvidias Wachstum bremsten, nutzt Peking nun eigene Hebel, um den Einsatz heimischer Chips zu erzwingen – selbst dann, wenn Washington Exporte zulässt.
Fokus auf KI-Inferenz: Groq und Baseten
Parallel zu den politischen Risiken verstärkt Nvidia seine Position im Inferenz-Geschäft, also in der Phase, in der trainierte KI-Modelle im Alltag zum Einsatz kommen.
Am 21. Januar bestätigte das Unternehmen ein Investment von 150 Millionen Dollar in Baseten, einen Anbieter von Inferenz-Infrastruktur. Die Finanzierungsrunde bewertet das Start-up mit 5 Milliarden Dollar. Diese Beteiligung ergänzt die große Transaktion mit Groq, die Ende Dezember 2025 abgeschlossen wurde.
Die Groq-Vereinbarung mit einem Volumen von 20 Milliarden Dollar wurde offiziell als „nicht-exklusive Lizenzvereinbarung“ strukturiert, um kartellrechtliche Hürden zu vermeiden. In der Praxis kam sie jedoch einem Assetkauf mit „Acqui-Hire“-Charakter gleich: Nvidia übernahm das Kern-IP von Groq sowie rund 90 % der Entwicklungsmitarbeiter, einschließlich Gründer Jonathan Ross, während Groq als eigenständige Hülle bestehen blieb.
Durch diese Struktur sicherte sich Nvidia entscheidende Low-Latency-Technologien, ohne einen umfassenden regulatorischen Stopp zu riskieren. Das Investment in Baseten verstärkt diese Linie: Der Konzern baut gezielt Technologien auf, die seine GPUs sowohl für das Training als auch für die Inferenz als Standardplattform absichern sollen.
RBC Capital Markets unterstreicht diese Strategie in einer Erststudie vom 15. Januar. Die Analysten vergaben ein „Outperform“-Rating und ein Kursziel von 240 Dollar. Begründet wurde dies unter anderem mit einem Auftragsbestand von inzwischen über 500 Milliarden Dollar sowie dem wachsenden Software-Ökosystem, das kurzfristige Kursschwankungen relativieren soll.
Bewertung und Markteinordnung
Die jüngste Kurskorrektur um rund 16 % gegenüber dem Hoch von Oktober 2025 hat die Bewertung auf etwa das 24‑Fache der erwarteten Gewinne für das Geschäftsjahr 2027 gedrückt. Historisch entspricht dies einem Abschlag für ein Unternehmen, das im Bereich KI-Training einen Marktanteil von über 90 % hält.
Die aggressive Ausrichtung auf Inferenz mit den Bausteinen Groq und Baseten verdeutlicht, wie das Management den Markt einschätzt: Das Schwergewicht verschiebt sich schrittweise vom Aufbau der Modelle (Training) hin zu deren Einsatz im laufenden Betrieb (Inference). Nvidia kauft gezielt effiziente Technologien zu, um beide Phasen auf der eigenen Hardware zu bündeln.
Technische Marken und nächste Termine
Charttechnisch verteidigt die Aktie derzeit eine wichtige Unterstützungszone um 176 Dollar. Ein Bruch dieses Bereichs könnte laut Marktbeobachtern den Weg in Richtung 152 Dollar öffnen. Auf der Oberseite gilt der Bereich um 200 Dollar als relevante Hürde.
Kurzfristig richten sich die Blicke auf die geplante China-Reise von Jensen Huang. Eine Einigung, die den Abfluss der H200-Chips über den Zoll wieder ermöglicht, hätte das Potenzial, die Aktie zügig in Richtung 200 Dollar zu treiben. Hält Peking hingegen an der Blockade fest, wären spürbare Senkungen der Asien-Umsatzprognosen wahrscheinlich.
Der nächste große fundamentale Impuls folgt mit den Zahlen zum vierten Quartal am 25. Februar 2026. Dann wird der Markt genauer erfahren, wie die Groq-Assets in die Blackwell-Roadmap eingebunden werden und welche Erwartungen Nvidia an den Ausbau des Inferenz-Geschäfts knüpft.
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