Novo Nordisk erlebt ein Wechselbad der Gefühle: Auf starke Produktnachrichten zum Wochenschluss folgt zum Wochenstart politischer Druck aus Washington. Im Zentrum steht nicht das Geschäft selbst, sondern ein neuer Handelsstreit zwischen den USA und Dänemark – mit potenziell spürbaren Folgen für Margen und Lieferketten.

Wegovy-Erfolg trifft auf Zollrisiko

Am Wochenende hat US-Präsident Trump angekündigt, ab dem 1. Februar 2026 einen Zoll von 10 % auf Importe aus Dänemark einzuführen – mit der Drohung, diesen bis zum 1. Juni auf 25 % zu erhöhen. Die Maßnahme wird explizit mit dem diplomatischen Streit um den geplanten Kauf Grönlands verknüpft. Damit rücken dänische Unternehmen, allen voran Novo Nordisk, ungewollt ins Zentrum eines geopolitischen Konflikts.

Der Zeitpunkt der Ankündigung ist für den Pharmakonzern heikel. Noch am Freitag hatte die Aktie deutlich zugelegt, nachdem neue IQVIA-Daten einen sehr starken Start der oralen Wegovy-Tablette in den USA belegten. In den ersten vier Tagen der Markteinführung wurden rund 3.071 Rezepte in US-Apotheken eingelöst – klar mehr als die etwa 1.900 Verschreibungen, die Eli Lillys Konkurrenzpräparat Zepbound in einer vergleichbaren Startphase erreichte. Der Markt wertete das als Bestätigung, dass Novo die Nachfrage im wichtigen Adipositas-Segment erfolgreich ausbaut.

Der Kursrückgang zu Wochenbeginn spiegelt nun einen anderen Blickwinkel wider: Operativ laufen die Geschäfte mit Adipositas-Medikamenten zwar weiter stark, doch mögliche Zölle auf dänische Exporte in die USA – den mit Abstand wichtigsten Markt – könnten Druck auf Preise und Margen ausüben.

Produktionsstandorte und Handelsrisiko

Anleger versuchen derzeit abzuschätzen, wie stark die angekündigten Zölle Novo Nordisk tatsächlich treffen würden. Zwar ist der Konzern ein dänisches Unternehmen, hat seine Produktion aber gezielt in den USA ausgebaut, um genau solche grenzüberschreitenden Risiken abzufedern. Die großen Werke in Clayton, North Carolina, sind ein zentraler Baustein der Lieferkette für GLP‑1-Medikamente wie Wegovy.

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Völlig unabhängig vom Handelspolitik-Risiko ist Novo damit jedoch nicht. Ein relevanter Teil der Wirkstoffe (aktive pharmazeutische Ingredienzien, API) und fertigen Produkte wird weiterhin in Dänemark hergestellt oder von dort verschifft. Analysten verweisen darauf, dass US-Produktionen mit „Made in USA“-Label wohl von Zöllen ausgenommen wären, während der übrige Teil der Wertschöpfungskette unter die geplanten Abgaben fallen könnte. In Summe drohen dann spürbare „Reibungskosten“ in der Supply Chain.

Die Unsicherheit darüber, wie breit und wie hart die Zölle tatsächlich greifen würden, hat die Risikobereitschaft im nordischen C25-Index spürbar gedämpft. Novo Nordisk fungiert hier als Gradmesser für die allgemeine Nervosität rund um das Thema Handelspolitik.

Zwei Handelstage, zwei Geschichten

Die Kursentwicklung der vergangenen beiden Handelstage zeigt, wie eng sich fundamentale Stärke und politische Risiken derzeit überlagern:

  • Freitag – Fundamentale Stärke: Der Markt feierte den gelungenen Start der oralen Wegovy-Variante. Das neue Format spricht Patienten an, die Injektionen meiden, und stärkt damit die Verteidigung der Marktposition gegenüber Eli Lilly. Die kräftige Kursreaktion war eine direkte Antwort auf die robusten Verschreibungszahlen.
  • Montag – Politische Bremse: Mit der US-Zollankündigung kommt ein Risiko ins Spiel, das sich kaum mit klassischen Bewertungsmodellen greifen lässt. Der sozusagen „eingepreiste Grönland-Zuschlag“ auf dänische Assets belastet nun auch Novo Nordisk.

Trotz der jüngsten Schwankungen liegt der aktuelle Kurs mit 50,34 € noch spürbar über dem 52‑Wochen-Tief von 39,05 €, zugleich aber deutlich unter dem Hoch von 87,10 € – ein Spiegelbild der hohen Volatilität rund um den Titel im vergangenen Jahr. Technisch gesehen hat die Aktie zwar vom Tief aus klar aufgeholt, bleibt aber weit von früheren Höchstständen entfernt.

Die Divergenz ist deutlich: Auf der einen Seite ein sehr erfolgreicher Produktlaunch und starke Nachfrage im Kerngeschäft, auf der anderen Seite ein externer politischer Faktor, der die Planungssicherheit massiv erschwert.

Ausblick: Quartalszahlen und Zoll-Entscheidung im Fokus

In den kommenden Tagen richtet sich der Blick vor allem darauf, wie US-Investoren den Rücksetzer einordnen: Reicht das Argument der US-Produktionsstandorte aus, um das politische Risiko teilweise zu relativieren, oder dominieren vorerst die Sorgen um Zölle auf Importe aus Dänemark?

Ein klarer fundamentaler Ankertermin steht bereits fest: Anfang Februar legt Novo Nordisk die Zahlen für das vierte Quartal 2025 vor. Dann dürfte das Management detailliert zur Hochlaufkurve der oralen Wegovy-Pille Stellung nehmen und zugleich aufzeigen, wie der Konzern seine Lieferketten und Preisstrukturen für den Fall tatsächlich umgesetzter US-Zölle absichern will. Bis konkrete Entscheidungen zur Ausgestaltung der Strafzölle fallen, ist mit erhöhten Kursschwankungen bei der Novo-Nordisk-Aktie zu rechnen.

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