Netflix Aktie: Übernahme drückt
Netflix startet schwach ins neue Jahr. Die Aktie hat die erste Handelswoche 2026 mit einem deutlichen Rückgang beendet und bleibt seit Monaten unter Druck. Hintergrund ist weniger das operative Geschäft, sondern vor allem Unsicherheit rund um die geplante Großübernahme von Warner Bros. Discovery.
WBD-Deal als Belastungsfaktor
Der Hauptgrund für die negative Stimmung ist die aggressive Übernahmeofferte für Warner Bros. Discovery (WBD). Netflix hat eine verbindliche Vereinbarung zur Übernahme der Film- und TV-Studios sowie der HBO-Max-Vermögenswerte geschlossen. Der Deal hat ein Gesamtvolumen von rund 82,7 Milliarden US‑Dollar, davon 72 Milliarden US‑Dollar Eigenkapitalwert.
Brisant wird die Lage durch eine konkurrierende Offerte: Paramount Skydance bietet 30 US‑Dollar je WBD-Aktie, was einem Volumen von etwa 108,4 Milliarden US‑Dollar entspricht. Damit liegt das Gebot klar über den 27,75 US‑Dollar je Aktie, die Netflix bietet.
Die Börse fürchtet, dass Netflix entweder nachlegen und deutlich mehr bezahlen muss oder sich auf einen langen, regulatorisch heiklen Prozess einstellen muss, der sich über ein Jahr hinziehen könnte. Diese Kapitalbelastung überstrahlt derzeit die operativen Fortschritte – die Aktie hat in den vergangenen sechs Monaten rund 29 % verloren.
Starke Inhalte, verhaltende Reaktion
Operativ liefert Netflix im Kerngeschäft solide Zahlen, die der Markt momentan weitgehend ignoriert:
- Kinoerlöse: Das „Stranger Things“-Finale erzielte über den Jahreswechsel geschätzt 25 bis 30 Millionen US‑Dollar an den Kinokassen und lief in mehr als 620 AMC-Kinos.
- Live-Sport: Das NFL-Weihnachtsspiel zwischen den Lions und den Vikings zog rund 27,5 Millionen Zuschauer in den USA an.
- Abo-Wachstum: Das werbefinanzierte Abo-Modell bleibt Treiber des Neukundengeschäfts und steht in den verfügbaren Märkten für mehr als die Hälfte der neuen Anmeldungen.
An der Börse dominieren jedoch Sorgen um die Finanzierung des WBD-Deals und steigende Produktionsbudgets – etwa 400 bis 480 Millionen US‑Dollar für die finale Staffel von „Stranger Things“ – gegenüber den positiven Nutzungsdaten.
Technisches Bild unter Druck
Aus technischer Sicht hat sich die Lage deutlich eingetrübt. Der Kurs liegt klar unter der 50‑Tage-Linie (103,38 US‑Dollar) und der 200‑Tage-Linie (115,59 US‑Dollar). Das daraus resultierende „Death Cross“-Signal wird von Charttechnikern häufig als Hinweis auf einen anhaltenden Abwärtstrend gewertet.
Aktuell testet die Aktie eine zentrale Unterstützungszone um 89 US‑Dollar. Ein Bruch dieses Niveaus könnte aus technischer Sicht weiteren Spielraum bis etwa 75 US‑Dollar eröffnen. Auf der Oberseite gilt die Marke von 100 US‑Dollar als wichtiger psychologischer Widerstand, den der Titel in den vergangenen Wochen mehrfach nicht nachhaltig zurückerobern konnte.
Insiderverkäufe und Bewertung
Zusätzliche Skepsis löst jüngste Insideraktivität aus. Mitgründer und Director Reed Hastings hat im Dezember 375.470 Aktien zu einem Durchschnittskurs von 108,43 US‑Dollar veräußert. Verkäufe dieser Größenordnung werden von Privatanlegern oft als Signal für eine anspruchsvolle Bewertung oder bevorstehende Gegenwinde interpretiert.
Die Aktie notiert derzeit bei einem Forward-KGV von rund 37. Einige Analysten sehen dieses Niveau angesichts der Integrations- und Ausführungsrisiken rund um die WBD-Transaktion als ambitioniert an.
Optionsmarkt setzt auf Erholung
Auffällig ist der Blick auf den Derivatemarkt. Am Freitag wurden mehr als 343.000 Call-Optionen auf Netflix gehandelt. Das liegt rund 29 % über dem durchschnittlichen Tagesvolumen.
Diese ungewöhnlich hohe Call-Aktivität deutet darauf hin, dass ein Teil der Marktteilnehmer trotz des schwachen Kassakurses auf eine Gegenbewegung setzt oder den jüngsten Rückgang als überzogen ansieht. Damit gibt es zumindest im Optionshandel einen Kontrapunkt zur dominierenden Skepsis im Aktienkurs.
Analysteneinschätzungen und Ausblick
Trotz der erhöhten Volatilität bleibt der Analystenkonsens für 2026 vorsichtig positiv. Die durchschnittliche Empfehlung lautet „Moderate Buy“, verbunden mit einem Kurszielkorridor von etwa 129 bis 131 US‑Dollar. Ausgehend vom aktuellen Niveau entspräche das einem potenziellen Aufwärtsspielraum von über 40 %.
Auch einzelne Profi-Investoren wie Eric Clark, CIO von Accuvest Global Advisors, rechnen mit einem starken Jahr 2026 für Netflix. Die optimistische These: Gelingt die WBD-Übernahme, würde Netflix Zugang zu einem sehr umfangreichen Rechtekatalog inklusive Marken wie „Harry Potter“ und „Game of Thrones“ erhalten – ein strategischer Vorteil, der die aktuellen Belastungen langfristig aufwiegen könnte.
Wichtige Kennzahlen im Überblick
- Schlusskurs: ca. 91,00 US‑Dollar (-2,95 %)
- Tagesrange: 90,81 – 94,50 US‑Dollar
- 52‑Wochen-Spanne: 82,11 – 134,12 US‑Dollar
- Marktkapitalisierung: ca. 415 Milliarden US‑Dollar
- WBD-Deal (Equity Value): 72 Milliarden US‑Dollar
- Zentrale Unterstützung: 89,00 US‑Dollar
Nächste Wegmarken
In den kommenden Wochen rücken zwei Termine in den Vordergrund: Zum einen die weitere regulatorische Prüfung des Warner‑Bros.-Discovery-Deals, zum anderen der nächste Quartalsbericht Ende Januar. Wie klar Netflix die Finanzierungs- und Integrationsfragen des WBD-Kaufs adressiert und ob die Zahlen die aktuelle Schwäche im Kursverlauf konterkarieren können, dürfte maßgeblich bestimmen, ob sich der Trend der vergangenen Monate fortsetzt oder eine Erholung einsetzt.
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