Nach dem Scheitern von Verhandlungen und dem Aufbau von erhöhtem Druck durch ein massives Aufgebot militärischer Kapazitäten im Nahen Osten, ist es Ende Februar zu einem Präventivschlag israelischer und amerikanischer Luft- und Seestreitkräfte gegen den Iran und damit zu einem – schon erwarteten – Krieg im Nahen Osten gekommen. Die ersten Reaktionen an den Finanzmärkten hielten sich zunächst im Rahmen, wenngleich riskante Assets wie Aktien und risikoreichere Anleihekategorien Kursabschläge verzeichneten, während Rohstoffe, insbesondere Öl, Gas und auch Gold sowie der US-Dollar als Krisenwährung deutliche Kurssprünge verzeichneten.

Bei den Staatsanleihen, die grundsätzlich als sicherer Hafen in volatilen Marktphasen gelten, gab es auch Kursabschläge und Renditeanstiege, zumal am Kapitalmarkt die Gefahr einer wieder merklich anziehenden Inflation gehandelt wurde. Was auch die bislang vorhandene US-Zinssenkungsfantasie zeitlich noch weiter in die Zukunft geschoben, wenn nicht gänzlich eliminiert hat.

Weil Europa aufgrund der bestehenden Abhängigkeiten einmal mehr als besonders verletzlich in Hinblick auf die Energiepreise und damit die importierte Inflation gilt, ist die gepreiste Wahrscheinlichkeit einer Zinsanhebung durch die EZB noch im heurigen Jahr sprunghaft angestiegen.

Ob dieser Konflikt die Weltwirtschaft nachhaltig negativ beeinträchtigen oder gar in eine Rezession führen wird, ist wohl in erster Linie von der Dauer der Auseinandersetzung und den deutlich erhöhten Energiepreisen in Folge von unterbrochenen Lieferketten und zerstörten Förderanlagen abhängig.

Somit lässt sich noch nicht seriös abschätzen, welche Spuren die Auswirkungen dieses Konflikts bei Inflation, Konsumklima, am Arbeitsmarkt und letztlich beim globalen Wirtschaftswachstum hinterlassen werden. Bis dato waren die Wachstumsprognosen noch außerordentlich positiv. Auch die Unternehmensergebnisse waren bislang sehr gut, ebenso der Ausblick auf die kommenden Quartale und das Gesamtjahr.

Aus heutiger Sicht sollte eine zeitliche Begrenzung des Konflikts auf wenige Wochen den Erholungspfad der Weltwirtschaft nur temporär und in geringem Maße beeinträchtigen. In unserer Asset Allocation passen wir die Positionierung an das veränderte Marktumfeld an.

 

Staatsanleihen: Stark gestiegene Energiepreise bringen Inflationssorgen zurück

Wir erwarten sinkende Renditen bei französischen und deutschen Staatsanleihen und setzen weiterhin auf australische und britische Staatsanleihen. Innerhalb der investierten Staatsanleihen gehen wir insbesondere bei US-Staatsanleihen von einer positiven Entwicklung aus. Mit den stark gestiegenen Energiepreisen sind die Inflationssorgen zurück und damit die Möglichkeit, dass Notenbanken restriktiver agieren als bisher erwartet. Das kann die Anleihenmärkte in Mitleidenschaft ziehen. Unsere Positionierung erfordert daher auch eine baldige Wiederaufnahme der Energieversorgung durch den Mittleren Osten.

 

Unternehmensanleihen: Vorsicht ist angebracht

Wir bleiben am Markt für Unternehmensanleihen defensiv positioniert und sind sowohl bei US High-Yield-Unternehmensanleihen als auch bei EUR IG Corporate Bonds vorsichtig positioniert. Neben der aktuellen geopolitischen Schockstarre im Nahen Osten sind es die größer werdenden Probleme am Private-Credit-Markt sowie am Leveraged-Loan-Markt, die in weiterer Folge das Potenzial haben, den Refinanzierungsmechanismus am Unternehmensanleihen-Markt zu beeinträchtigen. Noch scheinen die Ansteckungsrisiken überschaubar, es gilt jedoch, die Situation genau zu beobachten.

 

Emerging-Markets-Anleihen mit etwas höheren Risikoprämien


Nach den Ereignissen im Iran und den damit verbundenen Auswirkungen auf den Energiemarkt und die allgemeine Risikoaversion mussten auch Schwellenländer-Anleihen etwas höhere Risikoprämien hinnehmen. Schon in der Vergangenheit waren wir bei Emerging-Markets-Hartwährungsanleihen zurückhaltend. Die aktuelle Lage im Nahen Osten und der Möglichkeit eines länger und in seiner Dimension größer als erwarteten Krieges lässt uns an dieser vorsichtigen Positionierung festhalten.

 

Entwickelte Aktienmärkte weiterhin von gutem Konjunkturumfeld unterstützt

Die globalen Aktienmärkte präsentierten sich in den letzten Monaten weiterhin recht fest. Aktuell steht aber der Iran-Krieg im Mittelpunkt und wird das Tagesgeschehen dominieren und für Volatilität sorgen. Auf Sicht der nächsten Monate sehen wir die Aktienmärkte aber weiterhin von einem guten Konjunkturumfeld und soliden Unternehmensgewinnen unterstützt. Aufgrund der hohen Unsicherheit in Zusammenhang mit dem Irak-Konflikt positionieren wir uns allerdings etwas weniger offensiv.

 

Emerging-Markets-Aktien: Bodenbildung dürfte abgeschlossen sein

Auch Anfang 2026 hält der positive Trend in den Schwellenländern an, was die These einer abgeschlossenen Bodenbildung stützt. Da die Bewertungen zuletzt schneller stiegen als die realisierten Gewinne, bleibt das Gewinnwachstum der entscheidende Faktor. Aktuell zeigt sich dies in Südkorea: Nach einer starken Rallye erfolgt nun eine deutliche Korrektur. Wir werten dies primär als gesunde Positionsanpassung und Rebalancing, nachdem die Kurse den Fundamentaldaten kurzfristig vorausgelaufen waren.

 

Rohstoffmärkte: mittelfristige Folgen des Iran-Kriegs auf Angebotsseite unklar

Die internationalen Rohstoffmärkte präsentierten sich zuletzt durchwegs sehr fest. Nach einer außergewöhnlich starken Kursentwicklung bei Edelmetallen in den letzten zwölf Monaten kam es zuletzt zu einer Konsolidierung. Energierohstoffe reagierten auf den Iran-Krieg natürlich besonders stark. Aktuell ist nicht absehbar, wie die mittelfristigen Folgen auf der Angebotsseite sein werden. Klar ist jedoch, dass kurzfristig eine deutliche Risikoprämie eingepreist wurde.