Microsoft geht mit Rückenwind in die nächste Berichtssaison. Kurz vor den Zahlen zum zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026 rücken vor allem zwei Themen in den Fokus: der Ausbau der KI-Rechenzentren für Azure und ein neuer Großauftrag der US-Luftwaffe. Die entscheidende Frage lautet: Wie stark zahlt sich der milliardenschwere KI- und Cloud-Ausbau schon in den kommenden Quartalen aus?

Fairwater-Rechenzentren als Wachstumstreiber

Besonders viel Aufmerksamkeit erhält derzeit der Fairwater-Komplex in Wisconsin. Dort baut Microsoft spezielle KI-Rechenzentren auf, die die Kapazitäten von Azure deutlich erhöhen sollen – und zwar schrittweise über das Jahr 2026 hinweg.

Ein UBS-Analyst bewertet diese Projekte klar positiv. Nach seiner Einschätzung sollen die Fairwater-Standorte Azure bis Ende Juni 2026 kräftig anschieben. Der Ausbau ist in Etappen geplant:

  • Bis Ende Februar sollen rund 100 Megawatt Kapazität ans Netz gehen
  • Bis Ende Juni sind etwa 400 Megawatt geplant
  • Weitere Ausbaustufen sollen im Sommer 2026 folgen

Auf Basis dieser Zeitleiste hebt UBS seine Prognose für das konstante Azure-Wachstum im vierten Geschäftsquartal 2026 von 35 auf 37 Prozent an. Das zeigt, wie stark die Erwartungen an die Cloud-Sparte bleiben – trotz der bereits hohen Ausgangsbasis. Zugleich senkt derselbe Analyst jedoch sein Kursziel von 650 auf 600 US-Dollar und verweist auf Bewertungsrisiken: Das Wachstum bleibt attraktiv, aber die Aktie ist aus seiner Sicht kein Schnäppchen.

Neuer Großauftrag der US-Luftwaffe

Einen zusätzlichen Impuls liefert ein frischer Regierungsauftrag. Microsoft erhielt einen festpreisgebundenen Auftrag der US-Luftwaffe im Volumen von 170,4 Millionen US-Dollar. Der Deal unterstützt das Cloud-One-Programm, das militärische Kunden mit Cloud-Diensten versorgt.

Der Vertrag wurde am 21. Januar vergeben und läuft bis Dezember 2028. Er umfasst Azure-Services innerhalb einer Multi-Cloud-Umgebung, in der neben Microsoft auch Amazon Web Services, Google Cloud und Oracle aktiv sind. Cloud One bildet dabei einen zentralen Baustein der „Digital Air Force“-Initiative.

Für Microsoft ist das weniger ein spektakulärer Einzeldeal als vielmehr ein weiteres Puzzleteil: Der Konzern festigt seine Position im sicherheitskritischen Regierungsumfeld und stärkt die Sichtbarkeit der Cloud-Umsätze über mehrere Jahre.

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Analysten rücken Kursziele zurecht

An der Wall Street werden die Modelle vor den Q2-Zahlen feinjustiert. Die Grundhaltung bleibt positiv, gleichzeitig werden Kursziele etwas zurückgenommen:

  • Citi-Analyst Tyler Radke senkt sein Kursziel von 690 auf 660 US-Dollar, Rating: Kauf
  • Mizuho-Analyst Gregg Moskowitz reduziert von 640 auf 620 US-Dollar, ebenfalls mit Kaufempfehlung
  • Jefferies-Analyst Brent Thill bestätigt sein Kauf-Rating mit einem Kursziel von 675 US-Dollar

Die Konsensschätzungen für das zweite Geschäftsquartal 2026 sind ambitioniert: Erwartet werden 3,92 US-Dollar Gewinn je Aktie, ein Plus von 21,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Umsatz soll auf 80,28 Milliarden US-Dollar steigen, was einem Wachstum von 15,3 Prozent entspricht.

Wichtige Kennzahl: Verpflichtete Cloud-Umsätze

Besonders genau schauen Analysten auf die „Remaining Performance Obligations“ (RPO). Diese Kennzahl misst die vertraglich zugesicherten, aber noch nicht realisierten Umsätze – also eine Art Blick in den Auftragspipeline der Cloud- und Abo-Geschäfte.

Jefferies verweist darauf, dass Microsofts RPO bereits im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026 um 51 Prozent auf 392 Milliarden US-Dollar gestiegen ist. Für das zweite Quartal halten die Analysten sogar den größten sequenziellen Anstieg der Unternehmensgeschichte für möglich.

Treiber sind hier vor allem die großen KI-Deals: Dazu zählen eine Verpflichtung über 250 Milliarden US-Dollar im Zusammenhang mit OpenAI sowie eine Azure-Compute-Vereinbarung mit Anthropic über 30 Milliarden US-Dollar. Diese Verträge fließen nur schrittweise in Umsatz und Gewinn, erhöhen aber schon heute die Visibilität für künftiges Wachstum.

Technisches Bild: Erholung setzt sich fort

Nach der Korrektur der vergangenen Monate zeigt die Aktie wieder Stärke. Am Freitag legte der Kurs um gut 5 Prozent zu und schloss bei 468,54 US-Dollar. Damit notiert die Aktie zwar noch knapp 4 Prozent unter ihrem 52‑Wochen-Hoch, aber spürbar über den wichtigen gleitenden Durchschnitten der vergangenen 50, 100 und 200 Tage, was technisch auf einen stabilisierenden Aufwärtstrend hindeutet.

In den vergangenen zwölf Monaten steht ein Plus von rund 9 Prozent zu Buche, während die Schwankungen mit einer annualisierten 30‑Tage‑Volatilität von über 57 Prozent relativ hoch sind. Der RSI von 45,8 signalisiert zugleich, dass der Titel aktuell weder überkauft noch überverkauft wirkt.

Ausblick: 28. Januar als Bewährungsprobe

Am 28. Januar wird Microsoft seine Zahlen für das zweite Geschäftsquartal vorlegen. Dann zeigt sich, ob die hohen Erwartungen an Azure und das KI-Geschäft durch konkrete Wachstumszahlen untermauert werden. Besonders entscheidend werden das tatsächliche Azure-Wachstum, die Entwicklung der RPO und erste Hinweise darauf sein, wie schnell sich die großen KI-Verträge von OpenAI und Anthropic in steigende Cloud-Umsätze verwandeln.

Kurzfristig dürfte der Markt daher vor allem darauf reagieren, ob Microsoft die Konsensschätzungen bei Umsatz und Gewinn klar übertrifft oder verfehlt. Mittelfristig werden die Investoren genau abwägen, ob die starke Wachstumsdynamik im Cloud- und KI-Bereich die aktuelle Bewertung rechtfertigt und ob der Ausbau der Fairwater-Rechenzentren wie geplant in nachhaltiges Umsatzwachstum übergeht.

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