Micron Aktie: KI treibt Fabrikoffensive
Micron setzt heute in New York zum größten Ausbau seiner Firmengeschichte an – und das mitten in einer globalen Speicherknappheit, die nach Unternehmensangaben noch Jahre anhalten wird. Während KI-Rechenzentren immer mehr Hochleistungsspeicher verschlingen, steckt der Rest des Markts im Angebotsengpass. Wie stark profitiert Micron tatsächlich von diesem Ausnahmeumfeld?
KI-Speicherboom und knappe Kapazitäten
Der Speicherhersteller gehört zu den klaren Gewinnern des KI-Trends. Vor allem im Markt für High Bandwidth Memory (HBM), der in Hochleistungs-Grafik- und KI-Chips steckt, ist Micron derzeit in einer Schlüsselposition. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben bis einschließlich 2026 komplett ausverkauft.
Gleichzeitig verschärft die Produktionslogik den Engpass: Für jedes Bit HBM muss Micron auf die Fertigung von drei Bits herkömmlichen Speichers verzichten. Dieses 3:1-Verhältnis macht aus dem KI-Boom ein strukturelles Angebotsthema – mehr HBM für Rechenzentren bedeutet weniger Speicher für klassische Endgeräte.
Laut Marketingchef Christopher Moore wird diese Knappheit frühestens 2028 spürbar nachlassen. Hintergrund ist die lange Anlaufzeit neuer Fabriken: Die „massive“ Expansion bringe vor 2028 keinen „wirklichen, bedeutenden Output“. Branchenbeobachter erwarten für dieses Quartal einen Preissprung bei DRAM von 50 bis 55 Prozent gegenüber dem Vorquartal – ein Ausmaß, das TrendForce-Analyst Tom Hsu als beispiellos einordnet.
Wall Street reagiert mit kräftigen Kurszielen
Die Kombination aus strukturellem Engpass und starker Marktposition schlägt sich deutlich in Analystenkommentaren nieder. Mehrere Häuser haben ihre Einschätzungen in den vergangenen Wochen teils deutlich nach oben angepasst:
- Piper Sandler bestätigt „Overweight“ und hebt das Kursziel von 275 auf 400 US-Dollar an
- Sanford C. Bernstein erhöht auf 330 US-Dollar und löst damit zum Jahresauftakt eine Rally aus
- RBC Capital startet die Beobachtung mit „Outperform“ und einem Ziel von 425 US-Dollar
- Wells Fargo bleibt bei „Overweight“ und schraubt von 335 auf 410 US-Dollar hoch
- Barclays geht noch weiter und erhöht das Ziel markant von 275 auf 450 US-Dollar
Der rote Faden: Die Institute verankern ihre optimistische Sicht auf der Annahme, dass Micron über Jahre von der Knappheit im HBM-Segment und der starken KI-Nachfrage profitieren kann.
Kursseitig spiegelt sich der Optimismus bereits deutlich wider. In den vergangenen 30 Tagen legte die Aktie um gut 75 % zu, auf zuletzt 336,63 US-Dollar. Damit notiert der Titel nur rund 3 % unter dem jüngsten 52‑Wochen-Hoch und deutlich über den gängigen gleitenden Durchschnitten – ein Hinweis auf eine sehr dynamische Aufwärtsbewegung.
New Yorker Megafab als Langfristprojekt
Parallel zur Börsenrally startet Micron heute den Spatenstich für ein Jahrhundertprojekt: In Onondaga County im Bundesstaat New York beginnt der Bau eines Megafab-Komplexes mit einem Gesamtvolumen von rund 100 Milliarden US-Dollar. Es handelt sich um die größte Halbleiterfertigung in den USA und die größte private Investition in der Geschichte des Bundesstaats.
Auf dem Gelände sollen bis zu vier Fertigungen entstehen, ausgelegt auf hochmoderne Speichertechnologien. CEO Sanjay Mehrotra eröffnet die Baustelle gemeinsam mit Vertretern der US-Regierung, des Kongresses und des Bundesstaates New York. Eine anschließende Veranstaltung ist an der Syracuse University geplant.
Der Zeitplan unterstreicht, wie langfristig Micron hier denkt:
- Fab 1: „Equipment-ready“ im zweiten Quartal 2028, Produktionsstart Anfang 2029
- Fab 2: geplanter Betrieb ab Ende 2030
- Fab 3: Produktionsstart um 2035
- Fab 4: Hochlauf bis etwa 2041
Zusätzlich dazu sollen neue Werke in Boise (Idaho) ab 2027 und 2028 Kapazitäten liefern. Dennoch kann das Unternehmen nach Angaben von Business-Chef Sumit Sadana mittelfristig nur rund zwei Drittel des Speicherbedarfs mancher Kunden decken – ein weiterer Hinweis auf das angespannte Verhältnis von Angebot und Nachfrage.
Bewertung und Gewinnsprung
Operativ hat Micron die Wende in Zahlen gegossen. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026 meldete der Konzern:
- Umsatz von 13,64 Milliarden US-Dollar
- Bereinigten Gewinn je Aktie von 4,78 US-Dollar
Für das zweite Quartal peilt das Management bereits 18,7 Milliarden US-Dollar Umsatz, ein EPS von 8,42 US-Dollar und eine Bruttomarge von 68 % an. Die Prognose zeigt, wie stark sich das Preisniveau und die Auslastung im aktuellen Zyklus entwickelt haben.
Auch die mittelfristigen Erwartungen sind ehrgeizig: Der Konsens an der Wall Street sieht den Gewinn je Aktie für das Gesamtjahr 2026 bei 32,42 US-Dollar – nach 8,29 US-Dollar im Geschäftsjahr 2025. Das wäre nahezu eine Vervierfachung in nur einem Jahr und spiegelt die Annahme wider, dass Micron seine Rolle als zentraler Speicherlieferant der KI-Industrie festigt.
Mit dem aktuellen Kurs um 336 US-Dollar und einem Abstand von mehr als 100 % zum 200‑Tage-Durchschnitt ist viel Zukunftsfantasie bereits eingepreist. Gleichzeitig skizziert der Fabrikausbau bis in die 2030er-Jahre, dass Micron die aktuelle Angebotsknappheit in eine langfristige Kapazitäts- und Marktführungsstrategie übersetzen will.
Micron-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Micron-Analyse vom 16. Januar liefert die Antwort:
Die neusten Micron-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Micron-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 16. Januar erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Micron: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...








