Micron reagiert mit einem klaren Ausbauplan auf einen ungewöhnlich angespannten Markt für Speicherchips. Nach einem starken Kurssprung zum Wochenschluss hat der Konzern am Wochenende den Kauf einer Fabrik in Taiwan bekannt gegeben und zugleich vor einer anhaltenden Knappheit bis über 2026 hinaus gewarnt. Die Kombination aus Kapazitätsausbau, hohen Gewinnen und deutlicher Nachfrageverschiebung sorgt für Rückenwind – aber wie belastbar ist diese Dynamik?

  • Aktienkurs am Freitag: +7,73% auf 362,65 US-Dollar, neues Rekordhoch
  • Geplanter Fabrikkauf in Taiwan für 1,8 Mrd. US-Dollar
  • Speicherknappheit laut Management bis über 2026 hinaus, Kapazitäten für 2026 bereits ausverkauft
  • Starkes Q1 2026: EPS 4,78 US-Dollar (deutlich über Erwartung), Umsatz +56,7% auf 13,64 Mrd. US-Dollar
  • Prognose Q2 2026: EPS 8,22–8,62 US-Dollar, Umsatz rund 18,7 Mrd. US-Dollar

Neuer Standort in Taiwan als taktische Brücke

Am Samstag hat Micron eine Absichtserklärung zum Kauf der P5-Fertigungsstätte in Tongluo, Taiwan, von Powerchip Semiconductor Manufacturing (PSMC) unterzeichnet. Das Volumen der Transaktion liegt bei 1,8 Mrd. US-Dollar.

Micron übernimmt die bestehende 300-mm-Cleanroom-Fläche von rund 28.000 Quadratmetern. Der Abschluss der Transaktion wird für das zweite Quartal 2026 erwartet. Anschließend soll die Fabrik auf DRAM-Produktion umgestellt werden; ein signifikanter Wafer-Ausstoß ist ab der zweiten Jahreshälfte 2027 geplant. Das Management positioniert den Zukauf ausdrücklich als Reaktion auf einen akuten Mangel an Speicherkapazitäten für KI-Infrastrukturen.

Parallel dazu veröffentlichte Micron am Sonntag eine deutliche Markteinschätzung: Die aktuelle Knappheit bei Speicherchips sei „beispiellos“ und werde nun voraussichtlich über 2026 hinaus anhalten. Nach Unternehmensangaben ist die gesamte Produktionskapazität für 2026 bereits verkauft. Haupttreiber ist die starke Nachfrage von Rechenzentren nach High Bandwidth Memory (HBM), die andere Abnehmersegmente verdrängt.

Diese Verschiebung bleibt nicht ohne Folgen für die Endmärkte: Große Smartphone-Hersteller wie Oppo sollen ihre Auslieferungsziele für 2026 aufgrund fehlender Komponenten um bis zu 20 % gekürzt haben.

Ein weiterer Stützpfeiler der positiven Stimmung ist Insideraktivität im Millionenbereich. Aufsichtsratsmitglied Teyin M. Liu erwarb zwischen dem 13. und 14. Januar rund 11.600 Aktien für insgesamt etwa 3,9 Mio. US-Dollar bei einem durchschnittlichen Preis von 337,22 US-Dollar. Der Kurs hat sich in den vergangenen zwölf Monaten um mehr als 239 % erhöht.

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In Europa zeigt sich heute Vormittag eine normale Konsolidierung nach der Rally: Die Aktie notiert um 304,90 Euro rund 2,5 % im Minus.

Starke Zahlen, konzentrierter Markt

Die jüngste Übernahmeankündigung und die Lieferwarnungen treffen auf eine Phase sehr solider Geschäftsentwicklung. Im ersten Geschäftsquartal 2026 erzielte Micron einen Gewinn je Aktie von 4,78 US-Dollar und übertraf damit den Analystenkonsens von 3,77 US-Dollar deutlich. Der Umsatz zog im Jahresvergleich um 56,7 % auf 13,64 Mrd. US-Dollar an.

Gleichzeitig hat sich die Marktstruktur im DRAM-Bereich zu einem faktischen „Triopoly“ entwickelt: Micron, Samsung und SK Hynix kontrollieren den Großteil des weltweiten Angebots. Alle drei Anbieter melden ausverkaufte Kapazitäten im Bereich hochwertiger KI-Speicher. Das verschiebt die Preisgestaltung klar zugunsten der Hersteller.

Die Knappheit schlägt inzwischen bis in klassische Consumer-Elektronik durch. So sollen die Speicherkosten für die kommende Nintendo-Konsole um mehr als 40 % gestiegen sein.

Neben der mittelfristigen Entlastung durch die Powerchip-Fabrik treibt Micron langfristige Großprojekte voran. In Syracuse (New York) entsteht eine Megafabrik mit einem Investitionsvolumen von rund 100 Mrd. US-Dollar. Diese Anlage wird jedoch voraussichtlich erst gegen Ende des Jahrzehnts vollständig in Betrieb gehen. Vor diesem Hintergrund dient der Standort in Taiwan als zentraler Baustein, um die erwartete Nachfrage in den Jahren 2027 und 2028 bedienen zu können.

Ausblick: Guidance und Analystenstimmung

Für das laufende zweite Geschäftsquartal 2026 zeigt sich das Management sehr zuversichtlich. Micron stellt einen Gewinn je Aktie zwischen 8,22 und 8,62 US-Dollar in Aussicht – nahezu eine Verdopplung gegenüber Q1. Der Umsatz soll bei rund 18,7 Mrd. US-Dollar liegen.

Die Analystenmehrheit bleibt klar positiv eingestellt. Rund 89 % der beobachtenden Häuser stufen die Aktie derzeit mit „Kaufen“ ein. In Reaktion auf die jüngsten Nachrichten haben mehrere Institute ihre Kursziele angehoben; Cantor Fitzgerald sieht das Potenzial inzwischen bei bis zu 450 US-Dollar.

Charttechnisch befindet sich der Titel in einem ausgeprägten Aufwärtstrend und hat frühere Widerstände hinter sich gelassen. Der Relative-Stärke-Index signalisiert allerdings überkaufte Bedingungen, was kurzfristige Schwankungen begünstigen kann – passend dazu der leichte Rücksetzer im frühen europäischen Handel heute. Ein zentrales Ereignis für die weitere Einschätzung wird der formale Abschluss des Taiwan-Deals im zweiten Quartal 2026 sein, der zeigen dürfte, ob Micron den ambitionierten Ausbauplan im vorgesehenen Zeitrahmen umsetzen kann.

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