Liebe Leserinnen und Leser,

was haben ein schwäbischer Autobauer, ein US-Präsident und deutsche Windräder gemeinsam? Sie alle liefern dieser Tage Antworten auf Fragen, die niemand gerne hört. Mercedes-Chef Ola Källenius warnt vor wirtschaftlichem Niedergang und Rechtspopulismus. Donald Trump dreht am Zoll-Rad und zwingt Indien zum Energie-Poker. Und Deutschlands Windkraftanlagen produzieren trotz massiven Ausbaus weniger Strom als im Vorjahr – weil schlicht der Wind fehlt. Drei Geschichten, die zeigen: Selbst die besten Pläne scheitern an der Realität, wenn Rahmenbedingungen nicht mitspielen.

Källenius schlägt Alarm: "Dann kommen die Populisten"

Der Ton ist ungewöhnlich scharf für einen DAX-Vorstand. "Deutschland entwickelt sich wirtschaftlich seit etwa 10 bis 15 Jahren in eine falsche Richtung", sagte Mercedes-Chef Ola Källenius dem "Spiegel". Seine Warnung: Wenn sich das nicht ändere, "dann kommen die Populisten von rechts, die für nichts eine Lösung haben."

Die Diagnose des Schweden an der Spitze des Stuttgarter Traditionskonzerns ist eindeutig. Deutschland habe mit die höchsten Arbeitskosten der Welt. Jahrelang habe man das mit gesteigerter Produktivität wettmachen können – doch das reiche nicht mehr. Källenius' Vergleich ist drastisch: Es sei, "als ob man vor einer Fußball-WM sagt, wir trainieren genug, obwohl alle anderen doppelt so viel trainieren." Jeder wisse, dass man so nicht Weltmeister werde.

Besonders pikant: Källenius verteidigt zwar das Recht auf Teilzeitarbeit, fordert aber Einschränkungen. "Teilzeit mit einem Sachgrund wie Kindererziehung oder Pflege ist ein wunderbares Instrument", erklärt er. Klar sei aber auch, dass die Deutschen insgesamt wieder mehr arbeiten müssten, sonst gerate "unsere einzigartige Produktivitätsmaschine noch stärker ins Stocken."

Seine Forderung an die Politik: "Wir müssen weg von Verpflichtungen und Strafen und hin zu marktbasierten Anreizen sowie massiven Investitionen in die Infrastruktur." Europa verliere sonst seine ökonomische Stärke. Die Botschaft ist klar – und sie kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die deutsche Industrie bereits unter Druck steht.

Trump und Indien: Öl-Poker mit geopolitischen Folgen

Während Källenius vor inneren Problemen warnt, zeigt Donald Trump, wie schnell sich externe Rahmenbedingungen ändern können. Der US-Präsident hat die im August eingeführten Strafzölle gegen Indien gestrichen – 25 Prozent auf indische Waren, die eigentlich Russlands Ölgeschäft schwächen sollten.

Trumps Begründung: Indien habe Schritte unternommen, um den Import von russischem Öl einzustellen, und zugesagt, Energieprodukte aus den USA zu beziehen. Eine offizielle Bestätigung aus Neu-Delhi steht allerdings aus. Stattdessen verpflichtet sich Indien in einer gemeinsamen Erklärung, in den nächsten fünf Jahren US-Güter im Wert von 500 Milliarden Dollar zu kaufen – darunter Energieprodukte, Flugzeuge und Flugzeugteile.

Die Rechnung ist einfach: Trump wollte Putins Kriegskasse schwächen, indem er Indiens Ölkäufe aus Russland verteuert. Jetzt dreht er den Spieß um und macht Indien zum Abnehmer amerikanischer Energie. Gleichzeitig senkt er die sogenannten reziproken Zölle auf indische Waren von 25 auf 18 Prozent – Zölle, die angebliche Ungleichgewichte im Handel ausgleichen sollen.

Indiens Handelsminister Piyush Goyal verteidigte die Vereinbarung gegen Kritik der Opposition. Das Zwischenabkommen werde einen 30-Billionen-Dollar-Markt für indische Exporteure öffnen und Hunderttausende neue Jobs schaffen. Über die Senkung der US-Zölle hinaus würden Zölle auf Güter wie Generika, Edelsteine und Flugzeugteile auf null gesetzt.

Doch die "Hindustan Times" berichtet, dass es keine unmittelbaren Anzeichen dafür gebe, dass Indien seine Energiekäufe aus Russland tatsächlich auf null reduzieren werde. Trump hat also einen Deal verkündet – ob er hält, wird sich zeigen müssen.

Deutschlands Windkraft-Paradox: Mehr Anlagen, weniger Strom

Während Trump mit Zöllen jongliert, kämpft Deutschland mit einem Problem, das keine Politik lösen kann: dem Wetter. Die für die Energiewende wichtigen Windkraftanlagen haben 2025 trotz starken Ausbaus weniger Strom produziert als im Vorjahr. Insgesamt wurden 132,6 Terawattstunden Windstrom erzeugt – nach 138,3 TWh im Jahr zuvor.

Der Grund ist simpel: "2025 wehte vor allem an Land nur ein durchschnittlich laues Lüftchen", erklärt der Netzbetreiber 50Hertz. Unter normalen Umständen wäre die Windausbeute aufgrund des Zubaus deutlich höher ausgefallen. 2023 war das stärkste Windjahr seit mehr als 20 Jahren, 2024 lag im langjährigen Mittel.

Von der Nordsee wurden im vergangenen Jahr 20,8 TWh Offshore-Windenergie an Land übertragen – in etwa der Vorjahreswert. Rechnerisch könnte damit der Jahresbedarf von rund 6,5 Millionen Haushalten gedeckt werden. Die sechs Meereswindparks in der Ostsee erzeugten rund 5,4 TWh Strom, zehn Prozent mehr als im Vorjahr.

Die Zahlen zeigen das Dilemma der Energiewende: Selbst massive Investitionen in neue Anlagen können wetterbedingte Schwankungen nicht ausgleichen. Gleichzeitig verdeutlichen sie, warum Europa die Nordsee zum "grünen Kraftwerk" ausbauen will. Beim jüngsten Nordsee-Gipfel Ende Januar in Hamburg kündigten neun Staaten an, die Nordsee "zum weltgrößten Drehkreuz" für saubere Energie zu machen. Ziel: bis zu 100 Gigawatt Leistung grenzüberschreitend zu vernetzen.

Deutschland steigt dafür bei Tennet Germany ein – der Bund übernimmt 25,1 Prozent für rund 3,3 Milliarden Euro über die KfW. Beim Ostsee-Netzbetreiber 50Hertz ist der Bund bereits mit 20 Prozent beteiligt. Die Botschaft: Die Energiewende wird zur Staatsaufgabe.

Mieter aufgepasst: Hubigs Reform zieht Zügel an

Während die Wirtschaft über Standortbedingungen diskutiert, rückt ein anderes Thema in den Fokus: bezahlbares Wohnen. Das Bundesjustizministerium hat einen Reformvorschlag veröffentlicht, der Mieterinnen und Mieter finanziell entlasten soll. Der Entwurf sieht strengere Vorgaben für Vermieter vor und zielt darauf ab, weniger Ausnahmen von der Mietpreisbremse zuzulassen.

"Wer eine bezahlbare Wohnung sucht, hat es an vielen Orten heute extrem schwer", sagt Bundesjustizministerin Stefanie Hubig. Ein Grund seien Probleme im Mietrecht. Die geplanten Änderungen haben es in sich: Wer eine Wohnung möbliert vermietet, soll künftig nicht nur angeben müssen, wie viel Geld er monatlich für die Nutzung der Einrichtungsgegenstände veranschlagt. Vielmehr wird eine klare Obergrenze eingezogen – und das Alter der Möbel muss berücksichtigt werden.

Strenger werden auch die Regeln für Kurzzeitmietverträge. Da diese von der Mietpreisbremse ausgenommen sind, besteht der Verdacht, dass Vermieter diese Variante wählen, um höhere Mieten zu verlangen. Künftig soll eine gesetzlich festgelegte Höchstgrenze von sechs Monaten gelten.

Besonders umstritten: die geplante Deckelung von Indexmieten. Bei solchen Verträgen orientiert sich die Steigerung an der Entwicklung der Verbraucherpreise. Der Entwurf sieht vor, dass die Steigerung jährlich nicht mehr als 3,5 Prozent der bisherigen Nettokaltmiete ausmachen darf. Der Mieterbund hält auch das noch für zu hoch – Vermieterverbände laufen Sturm.

Was das für Sie bedeutet

Die Nachrichten dieser Woche zeigen ein Muster: Strukturelle Probleme lassen sich nicht mit kurzfristigen Maßnahmen lösen. Källenius' Warnung vor wirtschaftlichem Niedergang ist mehr als Manager-Gejammer – sie spiegelt die Sorge einer ganzen Branche wider, die zwischen hohen Kosten, regulatorischen Anforderungen und globaler Konkurrenz aufgerieben wird.

Trumps Zoll-Poker mit Indien demonstriert, wie schnell sich Handelspolitik ändern kann – und wie fragil vermeintlich sichere Lieferketten sind. Für Anleger heißt das: Geopolitische Risiken bleiben ein Faktor, den man nicht ignorieren sollte.

Und die Windkraft-Zahlen? Sie sind eine Erinnerung daran, dass die Energiewende kein Selbstläufer ist. Wer in erneuerbare Energien investiert, muss mit Schwankungen leben – nicht nur an der Börse, sondern auch bei der Stromerzeugung.

In der kommenden Woche dürfte die Berichtssaison weiter für Bewegung sorgen. Am Dienstag legt Robinhood Zahlen vor, am Mittwoch folgen Rivian und Coinbase. Und am 25. Februar steht der große Auftritt von Nvidia an – ein Termin, den kein Tech-Investor verpassen sollte.

Bis dahin: Bleiben Sie wachsam, bleiben Sie informiert.

Ihr Andreas Sommer