Lufthansa Aktie: Rückenwind aus den USA
Starke Quartalszahlen von United Airlines treffen auf neue Tarifverhandlungen bei Lufthansa – ein Spannungsfeld, das die Aktie zur Wochenmitte prägt. Auf der einen Seite signalisiert das Transatlantik-Geschäft robuste Nachfrage und hohe Margen, auf der anderen Seite drohen steigende Personalkosten und mögliche Störungen im Betrieb. Wie weit reicht der Rückenwind aus Amerika gegen die hausgemachten Belastungsfaktoren?
Der Kurs notiert heute bei rund 8,50 Euro und damit leicht über dem Vortag. Auf Sicht von zwölf Monaten steht ein Plus von gut 40 Prozent zu Buche, zugleich liegt die Aktie aber noch deutlich unter dem 52‑Wochen-Hoch von 10,20 Euro. Charttechnisch bewegt sich der Wert eng am 50‑Tage-Durchschnitt – ein Zeichen dafür, dass der Markt auf klare Impulse wartet.
Starkes Signal von United Airlines
Der wichtigste Impuls kommt aktuell aus Chicago. United Airlines, zentraler Joint-Venture-Partner im Nordatlantik-Verkehr, hat am Dienstagabend deutlich besser als erwartet berichtet und untermauert den Optimismus für das Transatlantik-Geschäft.
Die wichtigsten Punkte aus dem United-Bericht:
- Gewinn über Erwartung: Gewinn je Aktie im 4. Quartal 2025 bei 3,10 US‑Dollar, klar über den prognostizierten 2,97 US‑Dollar
- Zuversichtlicher Ausblick: Prognose für 2026 mit einem Gewinn von 12,96 bis 14,54 US‑Dollar je Aktie
- Wachstum im Kerngeschäft: Quartalsumsatz steigt auf 15,40 Milliarden US‑Dollar
Für Lufthansa ist das mehr als nur eine positive Branchenmeldung. Beide Airlines betreiben ein Joint Venture auf den Transatlantikstrecken, teilen sich Erlöse und koordinieren Kapazitäten. Wenn United von starken Premium-Buchungen und hohen Gewinnen berichtet, deutet das auf robuste Margen auch bei Lufthansa auf den Routen zwischen Europa und Nordamerika hin – traditionell eine zentrale Ertragsquelle.
Dass der Lufthansa-Kurs in den vergangenen zwölf Monaten um rund 42 Prozent zugelegt hat und aktuell knapp über den gleitenden Durchschnitten der letzten 50 und 100 Tage liegt, passt zu diesem Bild einer Erholung mit Rückenwind aus dem Langstreckengeschäft. Der Abstand zum 52‑Wochen-Tief bei 5,80 Euro beträgt inzwischen fast 50 Prozent, was den Turnaround am Markt unterstreicht.
Geteiltes Bild bei den Analysten
Auf institutioneller Seite ist das Bild differenziert – mit einem klar positiven Akzent von Morgan Stanley. Die US-Investmentbank hat Anfang Januar 2026 ihre Einschätzung deutlich angehoben.
Morgan Stanley im Überblick:
- Rating: Hochstufung von „Underweight“ auf „Overweight“
- Neues Kursziel: Erhöhung von 5,40 auf 9,30 Euro
Begründet wird der Schritt mit dem laufenden Restrukturierungsprogramm, das bis 2027 ein jährliches EBITDA-Wachstum von etwa 20 Prozent ermöglichen soll. Ausgehend vom aktuellen Kurs um 8,50 Euro entspricht das Kursziel einem moderaten Aufwärtsspielraum von rund 10 Prozent.
Ganz einig sind sich die Analysten aber nicht. Barclays senkte die Einstufung Mitte Januar auf „Underweight“ und setzte das Kursziel bei 7,80 Euro an. Diese gegensätzlichen Bewertungen erklären, warum der Titel trotz der starken Branchensignale volatil bleibt und kurzfristig zwischen Optimismus und Vorsicht pendelt.
Auffällig ist: Mit einem RSI von 45 wirkt die Aktie weder überkauft noch überverkauft. Sie bewegt sich eher in einer neutralen Zone, in der neue Nachrichten schnell den Takt vorgeben können.
Tarifrunde als Bremsfaktor
Den klar positiven Vorgaben aus den USA stehen interne Herausforderungen gegenüber. Seit dem 19. Januar laufen neue Tarifverhandlungen mit Verdi für das Bodenpersonal. Die Gewerkschaft fordert für rund 20.000 Beschäftigte spürbare Gehaltserhöhungen, um die gestiegene Inflation auszugleichen.
Historisch sind solche Runden bei Lufthansa häufig von der Sorge vor Warnstreiks begleitet. Für den Markt geht es dabei um zwei Punkte:
- Kostenseite: Höhere Löhne würden die Personalkosten dauerhaft nach oben treiben.
- Betriebsrisiko: Arbeitskampfmaßnahmen könnten den Flugbetrieb beeinträchtigen und zusätzliche Belastungen im operativen Geschäft verursachen.
Investoren stellen deshalb die starken Ertragsaussichten auf der Langstrecke den möglichen Mehrausgaben für Personal gegenüber. Vor diesem Hintergrund überrascht es kaum, dass die Aktie trotz des positiven Umfelds bei United nicht einfach weiter durchzieht, sondern nahe dem 50‑Tage-Durchschnitt von 8,48 Euro seitwärts tendiert. Die hohe annualisierte 30‑Tage-Volatilität von über 80 Prozent zeigt zudem, wie sensibel der Markt aktuell auf neue Informationen reagiert.
Fazit: Rückenwind mit Vorbehalt
Unterm Strich bestätigen die Zahlen von United Airlines, dass das Kerngeschäft im Transatlantik-Verkehr robust und profitabel ist – ein klarer Pluspunkt für Lufthansa. Das optimistische Kursziel von Morgan Stanley und die solide Kursentwicklung der vergangenen zwölf Monate stützen dieses Bild, auch wenn Barclays mit einer vorsichtigeren Einschätzung gegenhält.
Kurzfristig hängt viel davon ab, wie die laufende Tarifrunde mit Verdi ausgeht. Kommt es zu einer Einigung ohne größere Störungen im Flugbetrieb und bleiben die Mehrkosten im Rahmen, wäre aus aktueller Sicht ein erneuter Anlauf in Richtung der jüngsten Hochs über 9 Euro eine plausible Fortsetzung des bestehenden Aufwärtstrends.
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