Ein großer Verteidigungsauftrag aus Großbritannien und ein besseres ESG-Rating – auf den ersten Blick spricht heute viel für Leonardo. An der Börse fällt die Reaktion jedoch verhalten aus: Die Aktie hinkt dem Gesamtmarkt hinterher, obwohl die Fundamentaldaten Rückenwind liefern. Wie kommt es zu dieser Diskrepanz zwischen operativer Stärke und Kursverlauf?

Großauftrag aus Großbritannien

Im Mittelpunkt des Tages steht die Bestätigung eines strategisch wichtigen Vertrags mit dem britischen Verteidigungsministerium. Leonardo UK hat zusammen mit BAE Systems einen Auftrag im Volumen von 453 Millionen Pfund unterschrieben, um die Eurofighter-Typhoon-Flotte der Royal Air Force mit neuer Radartechnologie auszustatten.

Konkret geht es um die vollständige Serienproduktion des European Common Radar System (ECRS) Mk2. Dieses moderne AESA-Radar (Active Electronically Scanned Array) soll auf 40 Typhoon-Jets der Tranche 3 installiert werden. Für Leonardo ist das nicht nur ein Umsatztreiber, sondern auch ein klarer Industrieimpuls: Rund 300 hochqualifizierte Arbeitsplätze am Standort Edinburgh werden durch das Projekt abgesichert, der als globales Kompetenzzentrum für Entwicklung und Fertigung des Radars gilt.

Der Vertrag baut auf einer bereits im Juni 2025 zugesagten Vorfinanzierung von 205 Millionen Pfund auf und unterstreicht das langfristige Engagement der britischen Regierung in dieses Programm. Obwohl die Produktion gemeinsam mit BAE Systems läuft, bleibt Leonardo als führender Radarspezialist zentral für die technische Umsetzung.

Markt dreht – Defensive Titel unter Druck

Trotz dieser positiven Nachricht kann die Aktie heute nicht von einer Erholung am italienischen Aktienmarkt profitieren. Während sich der FTSE MIB nach einem schwächeren Vortag erholt, bleibt Leonardo im Minus und zeigt damit eine Underperformance gegenüber dem Index.

Hintergrund ist eine spürbare Stimmungsumschichtung an den Märkten. Nachdem Berichte bekannt wurden, dass US-Präsident Donald Trump von drohenden Strafzöllen gegen Europa abrückt und militärische Optionen im Zusammenhang mit Grönland ausschließt, hat sich die akute geopolitische Nervosität abgeschwächt. Anleger schichten Kapital aus als „sicher“ wahrgenommenen Verteidigungswerten wie Leonardo und Fincantieri in konjunktursensiblere Branchen wie Industrie und Luxusgüter um.

Leonardo leidet damit kurzfristig weniger unter eigenen Problemen als unter einer Sektorrotation, die risikoreichere Assets bevorzugt. Die aktuelle Kursbewegung steht somit eher für eine technische und stimmungsgetriebene Reaktion als für eine Neubewertung der Ertragsaussichten.

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Ein Blick auf die mittelfristige Kursentwicklung zeigt zudem, dass die Aktie trotz des Rücksetzers gut gelaufen ist: Auf Sicht von zwölf Monaten hat sich der Kurs nahezu verdoppelt, während er noch spürbar unter dem jüngsten 52‑Wochen-Hoch bleibt.

ESG-Rating deutlich verbessert

Zusätzlichen Rückenwind auf fundamentaler Ebene liefert eine Rating-Anhebung im Nachhaltigkeitsbereich. Die Agentur Sustainalytics hat am 21. Januar das ESG-Risiko-Rating von Leonardo von 29/100 auf 22/100 verbessert und die Risikosteuerung des Konzerns nun als „Strong“ eingestuft.

Damit gehört Leonardo in der Branche Luft- und Raumfahrt & Verteidigung weltweit zu den Spitzenreitern: Das Unternehmen rangiert aktuell auf Platz 3 von 113 bewerteten Firmen. Positiv hervorgehoben werden vor allem Fortschritte bei Dekarbonisierung und im nachhaltigen Management der Lieferkette. Für einen Rüstungskonzern ist eine solche ESG-Verbesserung bemerkenswert, da institutionelle Investoren zunehmend auf Nachhaltigkeitskennzahlen achten.

Strategische Bedeutung des ECRS-Mk2-Programms

Der heute bestätigte Radarauftrag ist nicht nur ein weiterer Posten im Auftragsbuch, sondern hat klare strategische Dimensionen. Das ECRS Mk2 verschafft der Royal Air Force erweiterte elektronische Kriegsführungsfähigkeiten. Piloten können damit mehrere Ziele in der Luft und am Boden gleichzeitig erkennen, identifizieren und verfolgen, während das System zugleich gegnerische Luftverteidigung stört.

Diese Technologieverlängerung soll sicherstellen, dass der Eurofighter Typhoon als Kampfflugzeugplattform bis weit in die 2040er-Jahre einsatzfähig und konkurrenzfähig bleibt. Für Leonardo bedeutet das eine Festigung der Rolle als führender europäischer Anbieter von Verteidigungselektronik und Radar-Systemen. Die langfristig angelegten Lieferungen der neuen Radarsysteme – geplant gegen Ende des Jahrzehnts – sichern über Jahre hinweg wiederkehrende Umsätze und erhöhen die Visibilität der Erlösströme.

In Kombination mit der verbesserten ESG-Bewertung entsteht damit ein Bild, in dem operative und strategische Kennziffern eher auf Stabilität und Wachstum als auf Schwäche hindeuten.

Ausblick: Fundamentale Stärke, makrogetriebener Kurs

Kurzfristig bleibt die Aktie anfällig für Stimmungsumschwünge an den Märkten, insbesondere wenn geopolitische Spannungen zunehmen oder – wie aktuell – nachlassen und dadurch Verteidigungswerte relative Schwäche zeigen. Technische Faktoren spielen ebenfalls eine Rolle: Der Kurs liegt klar über den wichtigen gleitenden Durchschnitten der vergangenen 50, 100 und 200 Tage, während ein RSI von rund 75 auf einen überkauften Zustand und damit auf eine erhöhte Korrekturanfälligkeit hindeutet.

Entscheidend für die weitere Einordnung dürfte der nächste Zahlenvorlage-Termin Anfang März werden. Auf dem für den 4. März 2026 erwarteten Earnings Call steht vor allem die Frage im Raum, ob die jüngliche Entspannung in der politischen Rhetorik Auswirkungen auf die mittelfristigen Planungen im Verteidigungshaushalt hat und wie stark sich der jetzt bestätigte Radar-Großauftrag in der Guidance niederschlägt. Bis dahin zeigt sich: Der aktuelle Kursverlauf spiegelt vor allem globale Makro- und Rotationsbewegungen wider, während die fundamentale Basis von Leonardo durch gesicherte Aufträge und ein verbessertes Nachhaltigkeitsprofil gestützt bleibt.

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