IBM muss einen deutlichen Rücksetzer verkraften, doch die grundlegende Story dahinter bleibt für viele Profis intakt: steigende Gewinne, ein klarer Fokus auf KI und neue Dienstleistungen für Unternehmenskunden. Während der Markt kurzfristig nervös reagiert, bauen mehrere Großbanken ihre Kursziele sogar aus. Entscheidend wird nun, ob IBM die hohen Erwartungen mit den anstehenden Quartalszahlen untermauern kann.

Deutlicher Rückgang, aber positive Analystensignale

In den vergangenen sieben Tagen hat die IBM-Aktie rund 16 % an Wert verloren und liegt mit etwa 259 Euro deutlich unter ihrem 52‑Wochen-Hoch von gut 312 Euro. Trotz dieser Schwächephase bleibt der Blick vieler Analysten klar nach vorne gerichtet.

Evercore ISI hat das Kursziel von 315 auf 330 US‑Dollar angehoben und den Wert auf die „Tactical Outperform“-Liste gesetzt. Begründung: ein aus Analystensicht „günstiges Set-up“ für die anstehenden Zahlen zum vierten Quartal 2025 am 28. Januar.

Auch andere Häuser haben zuletzt nachgelegt:

  • Bank of America: Kursziel von 315 auf 335 US‑Dollar erhöht, Rating „Buy“
  • Jefferies: Hochstufung von „Hold“ auf „Buy“, Ziel von 300 auf 360 US‑Dollar angehoben
  • RBC Capital: Kursziel von 300 auf 350 US‑Dollar, Einstufung „Outperform“
  • Stifel: Zielanhebung von 295 auf 325 US‑Dollar, Rating „Buy“

Im Konsens ergibt sich damit eine Einstufung „Moderate Buy“ mit 12 Kaufempfehlungen, vier Halteempfehlungen und einer Verkaufsempfehlung. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei gut 320 US‑Dollar und signalisiert damit ein Aufwärtspotenzial im mittleren einstelligen bis niedrigen zweistelligen Prozentbereich.

Erwartungen an Q4: Gewinnplus und KI-Schub

Die anstehenden Zahlen zum vierten Quartal 2025 sind ein wichtiger Prüfstein. Analysten rechnen mit einem Gewinn je Aktie zwischen 4,29 und 4,33 US‑Dollar – ein Plus von 9 bis 10 % gegenüber dem Vorjahr. Beim Umsatz stehen rund 19,2 Milliarden US‑Dollar im Fokus, was einem Zuwachs von etwa 9,5 % entspricht.

Evercore geht davon aus, dass IBM die Erwartungen erreicht oder leicht übertrifft. Treiber sollen vor allem drei Bereiche sein:

  • Infrastructure: Rückenwind durch den laufenden Mainframe-Zyklus
  • Consulting: Verbesserungen im Beratungsgeschäft
  • Software: Wachstum von rund 7 % im Jahresvergleich (währungsbereinigt)

Parallel dazu laufen umfangreiche Effizienzprogramme. IBM plant bis Ende 2025 Kosteneinsparungen von 4,5 Milliarden US‑Dollar auf Run-Rate-Basis. Diese Maßnahmen sollen die Margen spürbar verbessern und zusätzlichen Spielraum für Gewinnsteigerungen schaffen.

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Neue KI-Dienstleistung für Unternehmen

Ein weiterer Baustein der Story ist der Ausbau des KI-Angebots. Am 19. Januar hat IBM „Enterprise Advantage“ vorgestellt – einen neuen, asset-basierten Beratungsservice, mit dem Unternehmen agentische KI-Anwendungen im großen Maßstab aufbauen und betreiben können.

Kernidee: Bewährte KI-Werkzeuge werden mit Beratungs-Know-how kombiniert, um firmeninterne Plattformen zu entwickeln, zu steuern und zu überwachen. Der Ansatz ist bewusst cloud-agnostisch ausgelegt und unterstützt AWS, Google Cloud, Microsoft Azure sowie IBM watsonx.

Enterprise Advantage knüpft an „IBM Consulting Advantage“ an, das bereits in über 150 Kundenprojekten eingesetzt wurde und laut IBM Produktivitätssteigerungen von bis zu 50 % ermöglicht hat. Damit versucht der Konzern, seine KI-Kompetenz nicht nur über Software, sondern auch über wiederverwendbare Beratungs-Assets zu monetarisieren.

Langfristige Fantasie durch Quantenforschung

Neben KI setzt IBM weiterhin auf Quantencomputing als langfristigen Wachstumstreiber. Forscher des Unternehmens haben kürzlich im Fachjournal Nature Computational Science eine neue Quantenalgorithmus-Familie namens QAMOO (quantum approximate multi-objective optimization) vorgestellt.

Dieser Ansatz adressiert Optimierungsprobleme mit mehreren, teils konkurrierenden Zielgrößen – eine Problemklasse, mit der klassische Computer an Grenzen stoßen. Genau in solchen Spezialanwendungen erwarten viele Experten die ersten praktischen Vorteile von Quantencomputern.

Analysten der UBS zählen IBM zu den führenden Anbietern im Quantenbereich und sehen das Unternehmen zusammen mit Alphabet beim Ansatz über supraleitende Qubits vorne. Die Bank spricht von „bedeutenden Durchbrüchen“ und hält es für möglich, dass ein echtes Quanten-„Vorteilszeitalter“ bereits in den 2030er-Jahren beginnt.

Bewertung und Ausblick

Fundamental hat die Aktie in den vergangenen zwölf Monaten in US-Dollar bereits etwa 30 % zugelegt, vor allem getragen von der KI-Story. IBM wird aktuell mit einem Forward-KGV von rund 25 bewertet und liegt damit leicht über dem Branchenschnitt der integrierten Computersysteme von etwa 24.

Wichtige Kennzahlen im Überblick:

  • Marktkapitalisierung: rund 272 Milliarden US‑Dollar
  • Dividendenrendite: ca. 2,3 %
  • Beta: 0,68 (geringere Schwankung als der Gesamtmarkt)
  • 52‑Wochen-Spanne: 214,50 bis 324,90 US‑Dollar

Für das Geschäftsjahr 2026 erwarten Analysten, dass IBM am unteren Ende seines mittleren einstelligen Wachstumsziels guidet. Beim freien Cashflow werden etwa 15 Milliarden US‑Dollar angepeilt. Wachstumsimpulse kommen vor allem aus der Integration der Confluent-Übernahme und einer beschleunigten Entwicklung bei Red Hat, während anspruchsvolle Vergleichswerte im Infrastrukturgeschäft kurzfristig auf die Dynamik drücken können.

Damit hängt viel daran, ob IBM am 28. Januar sowohl bei den Zahlen als auch beim Ausblick die hohen Erwartungen bestätigt – gelingt das, könnte der jüngste Kursrückgang im Rückblick eher wie eine technische Atempause wirken als wie ein Trendbruch.

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