LONDON — Die Automobilzulieferer setzen erstmals vollintegrierte humanoide Roboter in der Serienfertigung ein. Ein erfolgreicher Pilotversuch in dieser Woche markiert den Übergang von der Forschung zur praxistauglichen Anwendung.

Das britische Robotik-Unternehmen Humanoid hat gemeinsam mit SAP und dem Automobilzulieferer Martur Fompak einen Live-Produktionstest abgeschlossen. Dabei wurde der Radroboter HMND 01 Alpha direkt in die SAP-Logistiksoftware eingebunden. Das System empfing in Echtzeit Arbeitsaufträge und führte sie autonom aus.

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Vom Experiment zum integralen Bestandteil

Im Fokus stand ein kritischer Kommissioniervorgang. Der Roboter navigierte eigenständig durch das Lager, identifizierte spezifische Behälter und lud sie auf Transportwagen. Entscheidend war die direkte Anbindung an SAP Business AI und das Warehouse-Management-System.

„Diese Roboter agieren nun als Erweiterung der digitalen Unternehmensprozesse“, erklärt Dr. Lukasz Ostrowski, der bei SAP die Robotik-Forschung leitet. Sie verfügten über ein Kontextverständnis, das klassische Automatisierungslösungen nicht böten. Der Test beweise, dass humanoide Formen ohne aufwendige Umbauten einsetzbar seien.

Automobilbranche treibt 30-Milliarden-Markt an

Die Branche gilt als Vorreiter. Eine aktuelle Studie von IDTechEx prognostiziert, dass der globale Markt für humanoide Roboter bis 2036 auf rund 29,5 Milliarden Euro wachsen wird. Die kontrollierten Umgebungen und strukturierten Abläufe von Automobilwerken bieten ideale Voraussetzungen für den frühen Einsatz.

Während die Logistik nachzieht, verspricht die Automobilfertigung durch repetitive, körperlich anstrengende Tätigkeiten die schnellste Amortisation. Sinken die Hardwarekosten weiter, werden die Roboter auch dort attraktiv, wo starre Automatisierung zu teuer oder unflexibel ist.

Tesla und BMW schalten einen Gang hoch

Die großen Hersteller gehen bereits in die Vollen. Tesla hat sein Optimus-Programm massiv ausgeweitet. Das Unternehmen stellt in Fremont (Kalifornien) die Produktion älterer Fahrzeugmodelle ein, um Kapaziäten für die Robotermontage freizumachen. Derzeit sucht Tesla über 100 Spezialisten, um die Serienfertigung des Optimus Gen-3 voranzutreiben. Die Massenproduktion soll noch im Sommer starten.

BMW exportiert seine Erfahrungen nach Europa. Nach einem zehnmonatigen Pilotprojekt im US-Werk Spartanburg startet nun ein „Physical AI“-Projekt im Leipziger Werk. Es ist die erste Integration humanoider Roboter in die reale Automobilproduktion auf dem europäischen Kontinent. Sie unterstützen bei der Batteriemontage und der Komponentenfertigung.

Finanzierung und neue Geschäftsmodelle sichern Kommerzialisierung

Die wirtschaftliche Tragfähigkeit wird durch massive Kapitalspritzen und innovative Vertriebskonzepte untermauert. Das Unternehmen Apptronik, Entwickler des Apollo-Roboters, sammelte jüngst 520 Millionen Euro ein, angeführt von Google und Mercedes-Benz. Das Gesamtinvestment liegt nun bei über einer Milliarde Euro.

Gleichzeitig setzt die Branche auf Robots-as-a-Service (RaaS). Statt teurer Anschaffungen mieten Hersteller die Roboterleistung. Agility Robotics liefert seine Digit-Roboter nach diesem Modell an Toyota in Kanada aus. So automatisieren Unternehmen physisch belastende Aufgaben wie das Bewegen von Behältern, ohne ihre Finanzflexibilität zu verlieren.

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Ausblick: Kooperative Sicherheit und Systemintegration

Die Herausforderung liegt künftig weniger in der Mechanik als in der vollständigen Systemintegration. Die nächste Entwicklungsstufe sind „kooperativ sichere“ Roboter, die ohne Schutzzaun neben Menschen arbeiten können.

Experten gehen davon aus, dass diese Roboter bald zum Standard in globalen Fertigungswerken gehören werden. Sie sollen helfen, Fachkräftemangel zu mildern und die Ergonomie am Arbeitsplatz zu verbessern. Der Pilotversuch bei Martur Fompak hat gezeigt: Die Zukunft der Automobilfertigung ist bereits in Bewegung.