Gold markiert ein neues Allzeithoch und entfernt sich weiter von früheren Preisregionen. Treiber sind ein schwächerer US-Dollar, zunehmende geopolitische Spannungen und wachsende Zweifel an der geldpolitischen Ausrichtung in den USA. Damit stellt sich die Frage: Wie weit trägt dieser Lauf noch?

Die Fakten im Überblick

  • Neues Rekordhoch bei Gold, Flucht in „sichere Häfen“ nimmt weiter zu
  • US-Dollar auf dem niedrigsten Stand seit vier Jahren
  • Politische Signale aus Washington deuten auf Toleranz für einen schwächeren Dollar hin
  • Fed-Sitzung und Personalfrage an der Spitze der Notenbank erhöhen die Unsicherheit
  • Geopolitische Risiken und schwaches Verbrauchervertrauen stützen die Goldnachfrage
  • Banken heben Kursziele für Gold und Silber deutlich an

Gestern schloss Gold bei 5.056,60 US-Dollar je Feinunze – zugleich das 52‑Wochen-Hoch und aktuell der höchste jemals erreichte Stand. Auf Sicht von 30 Tagen ergibt sich ein Anstieg von rund 16 Prozent, seit Jahresbeginn liegt das Plus bei 16,46 Prozent. Der Kurs notiert damit mehr als 12 Prozent über dem 50‑Tage-Durchschnitt von 4.501,19 US-Dollar, der RSI von 57,7 signalisiert trotz der Rallye noch keine akute Überhitzung.

Schwacher Dollar, starke Nachfrage

Ein zentraler Treiber des Goldpreises ist die anhaltende Dollarschwäche. Der Greenback befindet sich auf dem niedrigsten Niveau seit vier Jahren und leidet unter einer Vertrauensdelle. Zusätzliche Dynamik erhielt die Bewegung durch eine bemerkenswerte Äußerung von Präsident Donald Trump: Auf den Wertverlust der US-Währung angesprochen, bezeichnete er den aktuellen Kurs als „großartig“.

Viele Marktteilnehmer werten diese Aussage als Hinweis, dass die US-Regierung einen schwächeren Dollar zumindest nicht aktiv bekämpft. Für Gold, das in der Regel in US-Dollar gehandelt wird, wirkt ein solcher Umfeld gleich doppelt unterstützend: Für Anleger außerhalb des Dollarraums wird der Einstieg relativ günstiger, gleichzeitig suchen Investoren vermehrt nach Alternativen zu Dollar-Vermögenswerten.

Parallel dazu wartet der Markt auf die Entscheidungen der Federal Reserve. Die zweitägige Sitzung läuft, es wird mit unveränderten Zinsen gerechnet. Im Fokus steht daher die Pressekonferenz von Fed-Chef Jerome Powell. Trump hat zudem angekündigt, bald seinen Kandidaten für den Chefposten der Fed zu nominieren und dabei sinkende Zinsen unter neuer Führung in Aussicht gestellt. Das schürt Zweifel an der künftigen Unabhängigkeit der Notenbank und macht Gold als politikunabhängige Anlage zusätzlich attraktiv.

Geopolitische Risiken stützen den „sicheren Hafen“

Neben der Dollarentwicklung spielt die weltpolitische Lage eine wichtige Rolle. Mehrere Risikofaktoren kommen zusammen und verstärken die Safe-Haven-Nachfrage:

Sollten Anleger Gewinne mitnehmen? Oder startet bei Gold gerade der nächste Boom?

  • Angekündigte neue Zölle auf Importe aus Südkorea mit Erhöhungen von 15 auf 25 Prozent
  • Ein drohender US-Regierungsstillstand kurz vor der Finanzierungsfrist am 30. Januar
  • Andauernde Spannungen zwischen den USA und Europa in der Frage um Grönland
  • US-Verbrauchervertrauen auf dem niedrigsten Stand seit über 11,5 Jahren

Die Kombination aus handelspolitischen Konflikten, innenpolitischer Blockadegefahr und schwächerer Konsumentenstimmung erhöht die Unsicherheit über die wirtschaftliche Entwicklung. In solchen Phasen greifen Investoren erfahrungsgemäß verstärkt zu Gold, um Portfolios gegen politische und konjunkturelle Schocks abzusichern.

Banken und Terminmärkte: Erwartungen ziehen an

Die positive Stimmung spiegelt sich auch in den Prognosen großer Häuser und im Terminhandel wider. Die Deutsche Bank rechnet inzwischen mit einem Goldpreis von 6.000 US-Dollar je Feinunze bis Jahresende. Begründet wird dies mit:

  • Anhaltend hoher Investmentnachfrage
  • Steigenden Allokationen von Zentralbanken
  • Umschichtungen institutioneller Anleger in nicht-dollarbasierte Vermögenswerte

Auch die Aktivität an den Futures-Märkten zieht deutlich an. Die CME Group meldete am Montag einen neuen Rekord im Metallhandel: 3.338.528 Kontrakte wurden an einem einzigen Tag umgesetzt und damit der bisherige Höchststand vom Oktober 2025 klar übertroffen. Das zeigt, wie stark das Interesse institutioneller und professioneller Anleger derzeit ist.

Edelmetallsektor im Aufwind

Der Rückenwind beschränkt sich nicht nur auf Gold. Der gesamte Edelmetallsektor profitiert von der Suche nach stabilen Wertspeichern:

  • Silber legte seit Jahresbeginn fast 60 Prozent zu und erreichte am Montag ein Rekordhoch von 117,69 US-Dollar je Feinunze. Citi hat das kurzfristige Kursziel auf 150 US-Dollar angehoben.
  • Platin markierte mit 2.918,80 US-Dollar je Feinunze ein Rekordniveau und notiert aktuell leicht darunter bei 2.679 US-Dollar.
  • Palladium zeigt sich mit Kursen um 1.952 US-Dollar ebenfalls fester.

Damit weitet sich die Bewegung auf mehrere Edelmetalle aus – ein Hinweis darauf, dass es nicht nur um eine isolierte Goldstory geht, sondern um einen breiteren Umschichtungsprozess in als relativ sicher wahrgenommene Sachwerte.

Charttechnik und Ausblick

Aus technischer Sicht bleibt das Bild klar nach oben gerichtet. Gold hat mit dem Durchbruch der 5.000‑US‑Dollar-Marke am Montag einen wichtigen Widerstand überwunden, den viele Marktteilnehmer als zentrale Hürde betrachtet hatten. Seitdem setzt sich der Aufwärtstrend dynamisch fort.

Analysten verorten den nächsten kurzfristigen Widerstand im Bereich um 5.240 US-Dollar je Feinunze. Mit dem gestrigen Schlusskurs von 5.056,60 US-Dollar liegt der Markt noch darunter, gleichzeitig aber deutlich über dem 52‑Wochen-Tief von 3.941,30 US-Dollar. Der Abstand von über 28 Prozent zum Tief verdeutlicht, wie weit sich der Preis in den vergangenen Monaten nach oben gearbeitet hat.

Für die weitere Entwicklung werden vor allem zwei Faktoren entscheidend sein: die Signale der Fed zu Zinspfad und Unabhängigkeit sowie der Verlauf der politischen Konflikte in den USA und international. Bestätigen sich Erwartungen an länger niedrigere Realzinsen und anhaltende Unsicherheit, bleiben die Rahmenbedingungen für Gold und die übrigen Edelmetalle vorerst deutlich positiv.

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