Evonik Aktie: Berenberg drückt Daumen senkrecht
Berenberg stellt Evonik heute mit einem klaren Verkaufsvotum an den Pranger – inklusive deutlicher Kurszielsenkung und Warnung vor einer möglichen Dividendenkürzung. Für einen Wert, der lange als verlässlicher Dividendenzahler galt, ist das ein Schlag auf zentraler Ebene des Investmentcases. Wie schwer wiegt diese Neubewertung für eine Aktie, die ohnehin nahe am Jahrestief notiert?
Berenberg-Studie setzt klares Negativsignal
In einer neuen Studie dreht Berenberg das Rating für Evonik von „Hold“ auf „Sell“ und reduziert das Kursziel von 14,60 auf 11,60 Euro. Damit liegt das neue Ziel deutlich unter dem heutigen Schlusskurs von 13,26 Euro und signalisiert weiteres Abwärtspotenzial.
Im Fokus der Kritik steht die nachlassende Preissetzungsmacht im aktuellen Marktumfeld. Laut Analyst Sebastian Bray gelingt es Evonik trotz der Hoffnung auf eine Erholung 2026 weder, Preise stabil zu halten noch Volumina spürbar zu steigern. Damit rücken die bisherigen Markterwartungen an das operative Ergebnis in weite Ferne.
Besonders brisant ist die explizite Warnung vor einer möglichen Dividendenkürzung. Die kontinuierliche Ausschüttung war für viele institutionelle wie private Investoren ein zentrales Argument für ein Engagement. Ein Rückgang oder Einschnitt bei der Dividende würde aus Sicht von Berenberg eine erneute Bewertungsrunde erzwingen – und das nicht zu Gunsten der Aktie.
Zusätzlich bemängelt die Bank den schleppenden Konzernumbau. Für zum Verkauf stehende Unternehmensteile sind bislang keine Käufer gefunden worden, was geplante Portfolioanpassungen verzögert und erhoffte Entlastungen auf der Ergebniss- und Schuldenseite aufschiebt.
Die Kernpunkte der Berenberg-Einstufung:
- Rating von „Hold“ auf „Sell“ gesenkt
- Kursziel von 14,60 auf 11,60 Euro reduziert
- Nachlassende Preissetzungsmacht und schwache Volumenentwicklung
- Konkrete Warnung vor möglicher Dividendenkürzung
- Verzögerter Verkauf nicht-strategischer Geschäftsbereiche
Sektor unter Druck, SYNEQT ohne Kursimpuls
Die negative Studie trifft auf ein ohnehin vorsichtiges Umfeld für Chemiewerte. Andere Häuser wie Deutsche Bank und UBS hatten ihre Einschätzungen zwar zuletzt bestätigt, bleiben mit Kurszielen von jeweils 13 Euro aber ebenfalls zurückhaltend. Ein klarer Katalysator für eine nachhaltige Erholung ist im Sektor derzeit nicht in Sicht.
Am 2. Januar hat Evonik seine neue Infrastruktur-Tochter SYNEQT operativ an den Start gebracht. In dieser Einheit sind Standortdienstleistungen gebündelt, die perspektivisch auch externen Partnern geöffnet oder teilweise veräußert werden könnten. An der Börse sorgt dieser Schritt bislang allerdings nicht für Auftrieb. Investoren warten auf konkrete Hinweise, ob und wann externe Kapitalgeber einsteigen oder welche Struktur für eine mögliche Monetarisierung gewählt wird. Ohne solche Signale bleibt der Blick auf das schwächere Kerngeschäft gerichtet.
Parallel dazu kämpft die gesamte Chemieindustrie zum Jahresbeginn 2026 mit einer anhaltend zähen Industrienachfrage weltweit. Die Hoffnung, dass sinkende Zinsen die Investitionsbereitschaft rasch ankurbeln, spiegelt sich in den Orderbüchern bisher nicht wider. Für einen zyklischen Wert wie Evonik ist das ein schwieriger Nährboden.
Chartbild und Ausblick: Vertrauen auf dem Prüfstand
Charttechnisch zeigt sich das angeschlagene Bild deutlich. Mit einem Schlusskurs von 13,26 Euro notiert die Aktie nur noch knapp über dem 52‑Wochen‑Tief von 12,83 Euro und rund 40 % unter dem Hoch von 22,26 Euro. Der Abstand zur 200‑Tage-Linie von fast 19 % sowie ein extrem niedriger RSI von 15,8 unterstreichen die anhaltende Schwächephase.
Im kurzfristigen Fokus stehen nun zwei Faktoren:
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Quartalszahlen Anfang März:
Mit der Veröffentlichung der Zahlen für das vierte Quartal muss das Management zeigen, ob die von Berenberg skizzierten Szenarien zu pessimistisch sind. Überraschungen auf der Ertragsseite könnten zumindest einen Teil des Vertrauens zurückholen. -
Dividendenkommunikation:
Die Aussage zur künftigen Ausschüttung wird zum Schlüsseltest. Bestätigt Evonik die bisherige Dividendenlinie glaubhaft, wäre das ein Gegenargument zur „Sell“-These. Eine Kürzung oder zu vage Formulierungen würden dagegen die von Berenberg angestoßenen Neubewertungstendenzen verstärken.
Der Kurs liegt damit nur wenige Prozent über dem Jahrestief und deutlich unter allen relevanten gleitenden Durchschnitten – ein klarer Ausdruck eines verloren gegangenen Vertrauensvorschusses. Entscheidend wird, ob die Kombination aus Q4-Zahlen und Dividendenentscheid in den kommenden Wochen ausreicht, um das Szenario einer schleichenden Annäherung an das neue Berenberg-Kursziel von 11,60 Euro aufzubrechen.
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