ATX-Verfall im März: Milliardenumsätze und ein Tag der Superlative an der Wiener Börse
In der jüngsten Ausgabe der „Kapitalmarktstimme – Daily Voice" ordnet Host Christian Drastil die bemerkenswerten Ereignisse rund um den großen ATX-Verfall im März ein und liefert dabei Statistiken, die selbst langjährige Marktbeobachter aufhorchen lassen.
Jahrestief trotz starkem Vormittag
Was als vielversprechender Handelstag begann, endete mit einem deutlichen Rücksetzer: Nach einem starken Vormittag verlor der ATX im Tagesverlauf noch 1,3 Prozent und schloss bei 5.194,8 Punkten. Damit markierte der österreichische Leitindex ein neues Jahrestief und liegt nun 2,47 Prozent seit Jahresbeginn im Minus. Der große Verfallstag im März, an dem Optionen und Futures auf den ATX auslaufen und zugleich Indexumstellungen wirksam werden, sorgte für massive Handelsaktivität – allerdings nicht in die von vielen Marktteilnehmern erhoffte Richtung.
Über eine Milliarde Euro Umsatz – der zweitgrößte Wert seit 20 Jahren
Die Umsatzzahlen des Verfallstages sind beeindruckend: Mit 1,068 Milliarden Euro wurde der zweitgrößte Tagesumsatz an der Wiener Börse seit zwei Jahrzehnten erzielt. Besonders zwei Titel stachen dabei heraus. Die OMV kam auf mehr als 300 Millionen Euro Umsatz – exakt 306 Millionen –, ein außergewöhnlicher Wert selbst für den Energiekonzern. Die Erste Group folgte mit 166 Millionen Euro und verzeichnete damit ihren besten Tagesumsatz des laufenden Jahres.
Drastil ordnet die Dimension dieser Zahlen ein, indem er den Vergleich zum deutschen Markt zieht: Der DAX erzielte am selben Tag einen „sensationellen Rekord" von 23 Milliarden Euro Umsatz. „In Wahrheit, wenn man das mal drei nimmt, kommt man auf einen Jahresumsatz der Wiener Börse aus den Vorjahren", so Drastil. Der durchschnittliche Tagesumsatz im DAX sei mittlerweile auf rund 10 Milliarden Euro gestiegen, wovon die Deutsche Börse als Betreiberin deutlich profitiere.
Indexumstellung: Palfinger rein, CPI Europe raus
Der Verfallstag brachte auch die angekündigten Änderungen in der ATX-Zusammensetzung mit sich: Palfinger wurde in den ATX aufgenommen, während CPI Europe den Leitindex verlassen musste. Bei der nicht beteiligten Mayr-Melnhof wurden 53 Millionen Euro umgesetzt – das 26-Fache eines normalen Tagesumsatzes. Bei Palfinger, dem Neuzugang, lag der Umsatz bei 14,4 Millionen Euro, was immerhin dem 12-fachen eines durchschnittlichen Handelstages entspricht.
Auch die Strabag sorgte für Aufsehen. Die Anpassung des Streubesitzfaktors – laut Drastil von 0,2 auf 0,3– führte zu Umsätzen von 25 Millionen Euro, dem 8-Fachen eines normalen Tages. Diese Zahlen verdeutlichen eindrucksvoll, welche Kapitalströme allein durch technische Indexanpassungen ausgelöst werden können.
Moving Average 200: Ein technischer Meilenstein bei der Erste Group
Für technisch orientierte Anleger lieferte der Verfallstag ein bemerkenswertes Signal: Die Erste Group durchbrach ihren gleitenden 200-Tage-Durchschnitt (Moving Average 200) von oben nach unten – nach 872 Tagen ununterbrochen oberhalb dieser wichtigen Unterstützungslinie. Wenngleich der Durchbruch nur knapp ausfiel, markiert er das Ende einer langen Serie. Im ATX hält nun nur noch die BAWAG ihre Position über dem eigenen Moving Average 200 – seit mittlerweile 857 Tagen. Dahinter folgt die RBI mit 478 Tagen über dieser technischen Marke. „Sonst purzelt das da nach und nach", konstatiert Drastil.
Ausblick: Partnerschaften, Buchprojekt und neue Formate
Neben der Marktanalyse teilte Drastil drei „Spoiler" mit seinen Hörern. Erstens wird die „Wiener Börse Party" bis Jahresende von der Deutsche Börse als Presenter begleitet – ein Signal für die wachsende Bedeutung des österreichischen Marktes im deutschsprachigen Raum. Zweitens steht eine 30-minütige Leseprobe aus dem sogenannten Fanboy-Buch kurz vor der Veröffentlichung, die sich mit den 1980er-Jahren an der Wiener Börse befasst und einen KI-Hintergrund hat, da Drastils Stimme auf Basis dieser Sprechprobe aufbereitet wird. Drittens kündigte er ein neues Event-Format an, zu dem er lediglich verriet, dass der Begriff „Main Event" hier in jedem Fall passe.
Fazit: Historische Volumina in einem schwierigen Marktumfeld
Der ATX-Verfall im März 2025 wird als Tag der Rekorde in die Börsengeschichte eingehen – allerdings weniger wegen der Kursrichtung als wegen der enormen Handelsvolumina. Über eine Milliarde Euro Umsatz in Wien, 23 Milliarden im DAX, Einzelwerte mit dem 26-Fachen ihres normalen Tagesumsatzes: Diese Zahlen zeigen die geballte Kraft von Indexumstellungen und Derivate-Verfallstagen. Gleichzeitig notiert der ATX auf Jahrestief, wichtige technische Marken wurden durchbrochen, und die Wiener Börse steuert dennoch auf ein starkes Umsatzjahr zu – mit dem Ziel, die Marke von 100 Milliarden Euro Gesamtumsatz anzupeilen. Wie Drastil es zusammenfasst: „Schöner ist es natürlich, wenn es nach oben geht, aber auch solche Phasen gehören dazu."








