Energiewende: Netzausbau soll mit neuen Infrastrukturgebieten Fahrt aufnehmen
Die Bundesnetzagentur will Planungen für Stromtrassen massiv beschleunigen. Doch Netzengpässe und ein schleppender Smart-Meter-Rollout bremsen die grüne Transformation weiter aus.
Ein neuer Ansatz soll den Flaschenhals im deutschen Stromnetz lockern. Die Bundesnetzagentur hat eine Methode zur Ausweisung von Infrastrukturgebieten für neue Stromleitungen vorgestellt. In diesen vordefinierten, möglichst konfliktarmen Zonen entfallen später aufwändige Umwelt- und Artenschutzprüfungen. Das Ziel: Die Planungsverfahren für dringend benötigte Stromautobahnen erheblich verkürzen.
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„Der Netzausbau ist die tragende Säule für die Energiewende und eine zuverlässige Energieversorgung“, betonte Behördenchef Klaus Müller. Der Vorstoß folgt auf die Anpassung des Energiewirtschaftsrechts an EU-Vorgaben Ende 2025. Kann diese Vereinfachung den Ausbau der Stromnetze endlich in die Spur bringen?
Grüner Strom wächst – das Netz kommt nicht hinterher
Die Dringlichkeit ist offensichtlich. Im ersten Quartal 2026 deckten erneuerbare Energien bereits 53 Prozent des deutschen Stromverbrauchs ab – ein Plus von fast sechs Prozentpunkten im Jahresvergleich. Insgesamt speisten Wind, Sonne und Co. 73,4 Milliarden Kilowattstunden ins Netz ein.
Doch die Infrastruktur hält mit diesem rasanten Wachstum nicht Schritt. Immer noch müssen Wind- und Solaranlagen abgeregelt werden, weil die Leitungen voll sind. 2025 zahlten Netzbetreiber fast 435 Millionen Euro Entschädigungen für nicht abgenommenen Ökostrom. Zwar sank die Summe gegenüber dem Vorjahr um 120 Millionen Euro, unter anderem wegen eines schwachen Windjahrs. Die Probleme verlagern sich jedoch: Bayern stand 2025 erstmals an der Spitze der Empfänger – ein klares Zeichen, dass nun auch der massive Photovoltaik-Zubau im Süden die Netze an ihre Grenzen bringt.
Digitalisierung lahmt: Smart-Meter-Rollout stockt
Während an den großen Trassen gebaut werden soll, hinkt die Digitalisierung im Kleinen hinterher. Die Bundesnetzagentur leitete Ende März Verfahren gegen 77 Unternehmen ein, die die gesetzliche Quote für den Einbau intelligenter Stromzähler verfehlen. Diese Smart Meter sind jedoch essenziell für eine flexible und effiziente Netzsteuerung.
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„Der Einbau von Smart Metern spielt eine zentrale Rolle für die Digitalisierung unseres Stromsystems“, so Müller. Die Behörde droht mit Zwangsgeldern, um die gesetzlichen Vorgaben durchzusetzen. Parallel arbeitet sie an einer Reform der Netzentgelte, die auch die Wirtschaftlichkeit von Batteriespeichern beeinflussen wird. Erste Leitplanken dafür sollen im Mai oder Juni vorgestellt werden.
Kritik am „Netzpaket 2026“ und milliardenschwere Kosten
Die politischen Weichenstellungen bleiben umstritten. Branchenverbände wie der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) kritisieren die Pläne des Bundeswirtschaftsministeriums zur EEG-Reform und zum „Netzpaket 2026“ scharf. Sie sehen darin einen Rückschritt für die dezentrale Energiewende und warnen vor einer „Mangelverwaltung“ von Engpässen, anstatt diese zu beseitigen.
Die finanziellen Dimensionen sind gewaltig. Die Netzbetreiber beziffern die Investitionskosten für den notwendigen Netzausbau bis 2045 auf 365 bis 392 Milliarden Euro. Übertragungsnetzbetreiber wie Amprion argumentieren, dass neue Stromautobahnen die Engpasskosten mittelfristig senken und so die Verbraucher entlasten würden.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob der neue Ansatz der Infrastrukturgebiete den lang ersehnten Durchbruch bringt. Klar ist: Ohne ein schnelleres und intelligenteres Netz wird der grüne Strom der Zukunft regelmäßig auf der Strecke bleiben.








