Die Mannheimer Illusion, der Davoser Kälteschock und der 82-Milliarden-Zweifel
Liebe Leserinnen und Leser,
willkommen im Auge des kognitiven Sturms. Gestern mussten wir an dieser Stelle den Bruch der 25.000-Punkte-Marke im DAX analysieren – eine Kapitulation vor der geopolitischen Realität. Heute nun liefert uns die Statistik eine Zahl, die wie ein Gruß aus einem Paralleluniversum wirkt.
Wer heute Morgen um 11:00 Uhr nach Mannheim blickte, sah strahlenden Sonnenschein: Die deutschen Finanzprofis sind plötzlich so optimistisch wie lange nicht. Wer jedoch zeitgleich auf die Kurstafeln in Frankfurt schaute, sah tiefrote Vorzeichen und einen Leitindex, der weiter im Bereich von 24.570 Punkten nach Halt sucht.
Wir erleben an diesem Dienstag eine gefährliche Dissonanz. Wie kann die Hoffnung auf einen Konjunktur-Wendepunkt im Jahr 2026 so vital sein, während die Realität der Aktienkurse gerade von geopolitischer Eiseskälte erfasst wird? Die Antwort liegt irgendwo zwischen einem Institut in der Kurpfalz, einem verschneiten Gipfel in Davos und einer 82-Milliarden-Wette in Hollywood.
Versuchen wir, Ordnung in dieses Chaos zu bringen.
Die Mannheimer Anomalie
Beginnen wir mit der statistischen Überraschung des Tages. Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) meldete heute Vormittag Werte, die in normalen Zeiten ein Kursfeuerwerk gezündet hätten. Der ZEW-Index der Konjunkturerwartungen schoss im Januar auf 59,6 Punkte – ein sattes Plus von fast 14 Punkten, weit über den Prognosen der Volkswirte (50,0).
Das Faszinierende offenbart sich beim Blick unter die Motorhaube: Ausgerechnet jene Branchen, die im Fadenkreuz der Handelspolitik stehen, strotzen vor neuer Zuversicht. Der Maschinenbau (+22,7 Punkte) und die Stahlindustrie (+18,2) melden sich eindrucksvoll zurück. Selbst die gebeutelten Autobauer (+16,5) sehen plötzlich Licht am Ende des Tunnels. ZEW-Präsident Achim Wambach spricht sogar davon, dass 2026 den „Wendepunkt markieren" könnte.
Doch hier liegt das Paradoxon: Diese Umfragewerte treffen auf eine harte Wand aus Realität. Die deutschen Exporte in die USA sind bereits 2025 um fast 10 Prozent eingebrochen. Dass die Finanzprofis ausgerechnet jetzt, wo neue Zölle drohen, so bullisch sind, lässt zwei Schlüsse zu: Entweder unterschätzt man in Mannheim die Eskalationsspirale um Grönland massiv – oder man setzt darauf, dass politische Börsen tatsächlich kurze Beine haben. Eine gewagte Wette.
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Davos: „Tief durchatmen" im Zoll-Hagel
Während Mannheim hofft, zittert Frankfurt vor Davos. Der DAX verlor heute Mittag rund 1,5 Prozent. Der Auslöser ist unüberhörbar: Donald Trump dominiert das Weltwirtschaftsforum, noch bevor er morgen um 14:30 Uhr seine Rede hält.
Der Konflikt um Grönland hat die Anekdoten-Phase verlassen und ist zur handfesten Bedrohung für die europäische Bilanzsaison mutiert. Trump bekräftigte heute, es gebe „kein Zurück" bei seinen Plänen. Die Drohkulisse steht unverändert: 10 Prozent Zölle auf Importe aus acht europäischen Ländern ab dem 1. Februar, steigend auf 25 Prozent im Sommer. Für Frankreichs Winzer, denen 200 Prozent Zoll auf Champagner drohen, geht es hier nicht mehr um Margen, sondern um Existenzen.
Interessant ist die fast schon theatralische „Good Cop, Bad Cop"-Dynamik der US-Delegation. Während Trump via Social Media Verbündete brüskiert, versucht sein Finanzminister Scott Bessent in den Davoser Lounges die Wogen zu glätten. Seine heutige Botschaft an die Europäer: „Tief durchatmen" und die Spannungen „ausspielen" lassen.
Die EU scheint jedoch wenig Lust auf Atemübungen zu haben. Kommissionspräsidentin von der Leyen nannte die Drohungen einen „Fehler" und kündigte eine „unerschütterliche" Antwort an. In Brüssel wird bereits eine handelspolitische „Bazooka" geladen – Gegenzölle auf US-Waren im Wert von 93 Milliarden Euro. Für den exportlastigen DAX ist dieses Szenario Gift.
Der 82-Milliarden-Dollar-Test
Nach Börsenschluss verlagert sich der Fokus heute Abend von der Geopolitik auf die Bilanzsaison. Alle Augen richten sich auf Netflix. Die Erwartungen sind sportlich: Ein Umsatzsprung von fast 17 Prozent auf knapp 12 Milliarden Dollar wird prognostiziert.
Doch die Abonnentenzahlen sind diesmal fast Nebensache. Der Elefant im Raum ist die geplante Übernahme von Warner Bros. Discovery (WBD) für 82,7 Milliarden Dollar. Die Netflix-Aktie hat seit Mitte 2025 rund 35 Prozent an Wert verloren, weil Anleger die Risiken dieses Mega-Deals scheuen.
Der heutige Abend wird zeigen, ob das Management die Wall Street davon überzeugen kann, dass diese massive Content-Konsolidierung der richtige Weg ist. Analysten debattieren bereits heftig über die Margen für 2026. Sollte Netflix heute Abend solide Zahlen liefern und – noch wichtiger – Klarheit zur Finanzierung des WBD-Deals schaffen, könnte dies der Tech-Branche den dringend benötigten Impuls geben. Scheitern sie, droht der nächste Abverkauf.
Warnsignale vom Anleihenmarkt
Die Nervosität greift derweil auf andere Asset-Klassen über. Bitcoin rutschte im heutigen Handelsverlauf unter die Marke von 91.000 US-Dollar (ca. 77.600 Euro). Die Erzählung vom „digitalen Gold" bekommt Risse, sobald Anleger in Krisenzeiten echte Liquidität bevorzugen.
Noch auffälliger ist die Bewegung am Anleihenmarkt: Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe kletterte auf 2,88 Prozent. Das ist in einem „Risk-off"-Umfeld ungewöhnlich – normalerweise flüchten Anleger in die Sicherheit der Anleihen, was die Renditen drückt. Dass sie steigen, deutet darauf hin, dass die Märkte eine höhere Inflation durch Zölle und Handelskriege einpreisen. Ein toxischer Cocktail für Aktien, den man nicht ignorieren darf.
Quintessenz
Wir erleben einen klassischen Konflikt zwischen Mikro- und Makroökonomie. Auf der Mikro-Ebene (siehe ZEW) sehen Unternehmen Lichtblicke und volle Auftragsbücher im Maschinenbau. Auf der Makro-Ebene (siehe Davos) droht die Politik, diese zarten Pflänzchen mit dem Stiefel des Protektionismus zu zertreten.
Für Sie als Anleger bedeutet das: Anschnallen. Der morgige Auftritt von Donald Trump in Davos wird der nächste Volatilitäts-Treiber sein. Bis dahin bleibt die Frage: Wer behält Recht – die Optimisten aus Mannheim oder die Pessimisten vom Frankfurter Parkett?
Ich wünsche Ihnen einen erkenntnisreichen Dienstag – atmen Sie tief durch, wie Mr. Bessent empfiehlt, aber behalten Sie Ihr Depot im Auge.
Herzlichst,
Ihr
Eduard Altmann








