Liebe Leserinnen und Leser,

es sind Szenen einer neuen Weltordnung, die sich an diesem Montagmittag in Echtzeit abspielen: Während in Manhattan die Handschellen klicken und der entmachtete Nicolás Maduro dem Haftrichter vorgeführt wird, knallen am Frankfurter Parkett die Sektkorken. Die Synchronizität der Ereignisse könnte zynischer kaum sein.

Der deutsche Leitindex DAX notiert an diesem 5. Januar 2026 nicht etwa trotz, sondern wegen der globalen Eskalation auf einem historischen Allzeithoch. Die Märkte honorieren geopolitische Härte und preisen eine Ära ein, in der Rüstungsgüter zur härtesten Währung werden. Alte ökonomische Gewissheiten – etwa, dass Chaos in Ölstaaten die Preise treibt – werden dabei kurzerhand pulverisiert.

Willkommen in einer Woche, in der die Karten der Weltwirtschaft neu gemischt werden – und Deutschland eine paradoxe Hauptrolle spielt.

Der Khaki-Boom: Wenn Unsicherheit den DAX treibt

Wer heute Morgen auf die Kurstafeln in Frankfurt blickt, sieht eine historische Eruption. Der DAX hat die psychologisch massive Marke von 24.800 Punkten durchbrochen. Doch lassen Sie sich nicht täuschen: Der Treibstoff dieser Rallye ist keine organische Konsumlaune, sondern eine brisante Mischung aus politischer Hoffnung auf Kanzlerkandidat Friedrich Merz und harter militärischer Realität.

Das Kapital flüchtet in die Sicherheit der Wehrhaftigkeit. Rüstungsaktien erleben eine Renaissance, die selbst optimistische Prognosen in den Schatten stellt. Rheinmetall schoss im heutigen Handelsverlauf zeitweise um über 7 Prozent nach oben, Hensoldt legte in ähnlicher Größenordnung zu.

Die Logik der Investoren ist brutal rational: Die durch die US-Intervention in Venezuela verschärfte Weltlage und der andauernde Ukraine-Krieg garantieren volle Auftragsbücher bis weit in das nächste Jahrzehnt. Sicherheit ist das teuerste Gut des Jahres 2026, und deutsche Konzerne liefern die Hardware dazu. Flankiert wird dies von der Wette auf die "Merz-Dividende": Der Markt antizipiert Infrastrukturmilliarden und einen radikalen Bürokratieabbau.

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Während Rheinmetall heute über 7 Prozent zulegt, zeigt ein kostenloses Webinar, wie Anleger systematisch von solchen Marktbewegungen profitieren können. Das Konzept basiert auf gezielten Einstiegssignalen in volatilen Marktphasen – konkret werden Strategien vorgestellt, die bei Aktien wie Rheinmetall, Siemens Energy oder Heidelberg Materials bereits dreistellige Gewinnchancen ermöglicht haben. Sie erfahren, wie zweimal wöchentlich Handelssignale für DAX-Werte und andere deutsche Aktien identifiziert werden. Details zur Trading-Strategie für volatile Märkte

Das Öl-Paradoxon und die 100-Milliarden-Lücke

Normalerweise löst ein militärischer Eingriff in einem Land mit den größten Ölreserven der Welt Panik an den Rohstoffmärkten aus. Heute erleben wir das Gegenteil. Die Notierungen für Brent und WTI gaben nach der Festnahme Maduros nach; Brent fiel zeitweise unter die Marke von 60,30 US-Dollar.

Wie passt das ins Bild? Die Händler spielen eine riskante Zukunftswette: Sie setzen darauf, dass unter der De-facto-Kontrolle der USA die venezolanische Ölproduktion, die zuletzt bei unter einer Million Barrel pro Tag dümpelte, mittelfristig massiv hochgefahren wird. US-Präsident Trump ließ bereits verlauten, dass amerikanische Ölfirmen "bereit" stünden.

Hier jedoch kollidiert die Marktfantasie mit der physischen Realität. Experten warnen, dass die Infrastruktur Venezuelas derart marode ist, dass eine Rückkehr zu alten Produktionsniveaus Investitionen von über 100 Milliarden Dollar und Jahre der Stabilität erfordern würde. Der Markt handelt eine Utopie. Der wahre Profiteur der Unsicherheit bleibt indes das Gold, das als ultimativer sicherer Hafen um über 2,4 Prozent auf gut 4.435 US-Dollar kletterte.

Trumps arktischer Blick: Kopenhagen unter Druck

Die US-Außenpolitik zeigt sich in diesen ersten Januartagen von einer atemberaubenden Geschwindigkeit. Nach dem Zugriff in Caracas richtet sich der Blick aus dem Weißen Haus nun wieder nach Norden. Trumps erneute Äußerungen über ein strategisches Interesse an Grönland haben in Kopenhagen und Brüssel für erhebliche Unruhe gesorgt.

Zwar wiesen Dänemark und Grönland die "Fantasien über eine Annexion" heute scharf zurück, doch die Botschaft ist angekommen: In Washington regiert ein transaktionales Weltbild, das vor souveränen Grenzen keinen Halt macht.

Die europäische Antwort folgt prompt: Bundeskanzler Merz reist morgen nach Paris. Auf Einladung von Emmanuel Macron trifft sich dort eine "Koalition der Willigen", um über den Ukraine-Krieg und die neue geopolitische Härte zu beraten. Europa muss im Eiltempo lernen, in einer Welt der "Hard Power" zu bestehen, wenn es nicht zum Spielball werden will.

Ernüchterung bei den Rückversicherern

Nicht alle Sektoren nehmen an der heutigen Party teil. Ein bemerkenswerter Kontrapunkt zur allgemeinen Euphorie ist die Schwäche der Rückversicherer. Aktien von Munich Re und Swiss Re gaben heute spürbar nach.

Der Grund ist profan, aber schmerzhaft: Die Vertragserneuerungsrunde im Januar deutet auf erheblichen Preisdruck hin. Nach den "goldenen Jahren" 2023 bis 2025 bröckelt die Preismacht der Branche. Es ist eine Erinnerung daran, dass auch in einem Bullenmarkt der Wettbewerb nicht schläft und Margen kein Naturgesetz sind.

Der Blick auf den Nachmittag

Während wir auf die Bilder aus dem New Yorker Gerichtssaal warten, richtet sich der ökonomische Fokus langsam auf die US-Konjunkturdaten. Heute Nachmittag (16:00 Uhr MEZ) erhalten wir mit dem ISM Manufacturing PMI einen wichtigen Pulsgeber für die US-Industrie. Erwartet wird ein Wert von 48,3 – was weiterhin eine Kontraktion bedeuten würde. Sollte dieser Wert jedoch positiv überraschen, könnte das die Zinsfantasien dämpfen und den Dollar stärken.

Zudem wirft der Freitag seine Schatten voraus: Die US-Arbeitsmarktdaten werden zeigen, ob die größte Volkswirtschaft der Welt trotz der geopolitischen Turbulenzen robust bleibt.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Start in diese ereignisreiche Woche. Behalten Sie die Risiken im Blick, auch wenn die Kurse feiern.

Herzlichst,

Ihr

Eduard Altmann