Der 25.000-Punkte-Durchbruch, die Caracas-Dividende und das 2-Prozent-Finale
Liebe Leserinnen und Leser,
gestern sprachen wir an dieser Stelle noch von der Ehrfurcht vor der runden Zahl, von der dünnen Luft am Gipfel und dem Zögern vor der historischen Hürde. Heute Morgen wurde diese Zurückhaltung pulverisiert. Die 25.000-Punkte-Marke ist gefallen.
Doch das Bild, das sich uns bietet, trägt Züge einer ökonomischen Schizophrenie. Während draußen vor den Werkstoren die Prognosen für das deutsche Wirtschaftswachstum bei mageren 0,2 Prozent stagnieren, knallen auf dem Frankfurter Parkett die Sektkorken. Wer diesen Rekord als Vitalitätsnachweis der heimischen Industrie missversteht, unterliegt einer gefährlichen Illusion. Dieser DAX-Höhenflug wird nicht von Auftragsbüchern im Mittelstand getragen, sondern ist ein Kind der Geopolitik: Rüstungsmilliarden treffen auf die zynische Erleichterung über billigeres Öl durch US-Interventionen.
Wir erleben heute, wie Krisen zu Kurstreibern mutieren.
Hier ist, was Sie heute wissen müssen.
Die Caracas-Dividende: Rekordjagd im Schatten der Geopolitik
Es ist vollbracht: Am heutigen Mittwochvormittag kletterte der deutsche Leitindex auf in der Spitze 25.035 Zähler. Das dritte Rekordhoch in Folge ist das Ergebnis einer spezifischen Gemengelage, die man fast als „Krisen-Dividende" bezeichnen könnte.
Zwei Faktoren treiben die Kurse:
1. Der Rüstungs-Boom: Die staatlichen Infrastruktur- und Verteidigungsmilliarden fließen. Aktien wie Rheinmetall (+1,01 %), Hensoldt und Renk profitieren massiv von der anhaltenden Unsicherheit, sei es in der Ukraine oder durch die neuen Spannungen um Grönland.
2. Das Öl-Aufatmen: Der entscheidende Impuls kam jedoch aus Südamerika. Die Märkte honorieren den US-Eingriff in Venezuela und die Ankündigung von Präsident Trump, die Kontrolle über 30 bis 50 Millionen Barrel Öl zu übernehmen, mit fallenden Energiepreisen.
Der Analyst Jochen Stanzl spricht treffend von einer Erleichterung über den „fehlenden Militärkonflikt" im großen Stil. Statt eines Flächenbrands setzt der Markt auf eine erzwungene Stabilisierung der Förderquoten. Die Folge: Der Preis für ein Barrel Brent fiel um 1 Prozent auf gut 60 Dollar. Für die energieintensive deutsche Industrie wirkt dies wie ein Konjunkturprogramm zum Nulltarif.
Inflation: Die EZB erreicht ihr Ziel
Passend zur Rekordlaune lieferte Eurostat heute Vormittag die erlösenden Daten aus Luxemburg: Die Inflation in der Eurozone ist im Dezember auf exakt 2,0 Prozent gesunken. Damit ist das Mandat der Europäischen Zentralbank (EZB) punktgenau erfüllt.
Treibende Kraft war auch hier der Energiesektor, der um 1,9 Prozent nachgab und den Gesamtwert von zuvor 2,1 Prozent drückte. Zwar verharrt die Kerninflation (ohne Energie und Lebensmittel) noch bei zähen 2,3 Prozent, doch die Richtung stimmt.
Für Ihr Depot bedeutet das vor allem eines: Planungssicherheit. Der Druck auf die EZB, die Zügel straffen zu müssen, entfällt. Auch wenn Experten der Commerzbank kurzfristig keine weiteren Senkungen des Leitzinses (aktuell 2 Prozent) erwarten, ist das Gespenst neuer Erhöhungen vom Tisch. Einzig der Blick nach Österreich trübt das Bild: Dort bleibt die Teuerung mit fast 4 Prozent schmerzhaft hoch.
Corporate Germany: KI-Allianzen und Patent-Schach
Abseits der Makrodaten spielen sich auf Unternehmensebene spannende Rochaden ab:
- Siemens als KI-Pionier: Die Aktie markierte heute bei 253,10 Euro ein neues Allzeithoch. Der Treiber ist die vertiefte Kooperation mit Nvidia. Was wir gestern bei der CES-Analyse als „Physical AI" bezeichneten – die Integration von KI in die physische Welt der Fabriken –, setzt Siemens nun operativ um. Der Markt belohnt diese Glaubwürdigkeit sofort.
Passend zu dieser Nvidia-Kooperation hat Tech-Experte Bernd Wünsche eine brisante Analyse zum globalen Chip-Krieg zwischen den USA und China durchgeführt. In seinem kostenlosen Webinar stellt er eine Halbleiter-Aktie vor, die er als "die neue Nvidia" bezeichnet – ein Unternehmen, das vom 280-Milliarden-Dollar-Chip-Act der US-Regierung massiv profitieren könnte. Wünsche zeigt konkret, warum der Halbleitersektor durch geopolitische Spannungen und staatliche Förderungen vor einem historischen Boom steht und welche Aktie dabei besonders aussichtsreich positioniert ist. Sie erfahren, wie institutionelle Investoren bereits Milliarden in diesen Sektor pumpen und warum Mikrochips als "das neue Öl" des 21. Jahrhunderts gelten. Die Analyse basiert auf über 100 Stunden Research aus 209 Finanzquellen weltweit. Details zur Chip-Krieg-Analyse und der neuen Nvidia-Aktie
- Bayers riskanter Angriff: Der Leverkusener Konzern geht in die Offensive und verklagt BioNTech, Pfizer und Moderna wegen Patentrechten an der mRNA-Technologie. Barclays stufte die Aktie prompt auf „Overweight" hoch. Es ist ein aggressiver, aber potenziell lukrativer Schachzug, um sich Anteile an einem Zukunftsmarkt zu sichern.
- Grenkes Verlässlichkeit: Der Leasing-Spezialist hat sein Neugeschäftsziel für 2025 mit 3,3 Milliarden Euro erreicht. Trotz Margendrucks durch den Wettbewerb beweist das Unternehmen in volatilen Zeiten operative Stabilität.
Krypto-Update: Die Stimmung kippt
Gestern noch thematisierten wir die Zuflüsse des „Smart Money", heute zeigt sich die wankelmütige Seite des institutionellen Kapitals. Während der Aktienmarkt feiert, kämpft der Bitcoin mit Widerständen unterhalb der 100.000-Dollar-Marke.
Besonders auffällig ist der abrupt drehende Wind bei den US-Spot-ETFs: Nach einem explosiven Jahresstart verzeichneten die Produkte gestern Nettoabflüsse von 243 Millionen Dollar an nur einem Tag – maßgeblich getrieben durch Verkäufe bei Fidelity. Hier werden Gewinne gnadenlos mitgenommen. Valr-CEO Farzam Ehsani hält zwar an seinem Kursziel von 130.000 Dollar für das erste Quartal fest, doch kurzfristig dominiert die Konsolidierung.
Der Blick nach vorn
Der heutige Nachmittag hält noch einen Spannungsmoment bereit: Um 14:15 Uhr MEZ wird der ADP-Arbeitsmarktbericht aus den USA veröffentlicht. Erwartet wird ein Stellenaufbau von 45.000 bis 49.000 Jobs. Sollten diese Zahlen die Erwartungen deutlich übertreffen, könnte das die Zinssenkungsfantasien in den USA dämpfen – und die Party im DAX kurzzeitig stören.
Doch für den Moment bleibt festzuhalten: Die 25.000 Punkte stehen. Sie sind ein Denkmal dafür, dass die Börse nicht die Gegenwart der Wirtschaft abbildet, sondern die Summe der Erwartungen an die Zukunft. Und diese Zukunft sieht – dank Rüstung und billigem Öl – für Investoren derzeit rosiger aus als die Realität in den Fabrikhallen.
Herzlichst,
Ihr
Eduard Altmann








