Der 21. Stern, die chinesische Chip-Jagd und das Krypto-Katerfrühstück
Liebe Leserinnen und Leser,
ich wünsche Ihnen ein gesundes, erfolgreiches und vor allem weitsichtiges Jahr 2026.
Ist dieser alte Kontinent noch handlungsfähig? Es ist die Frage, die uns durch das vergangene Jahr begleitete wie ein ungeliebter Schatten. Doch an diesem Neujahrsmorgen liefert Europa eine Antwort, die so komplex ist wie die Union selbst: Ein klares „Ja" – vorgetragen mit zusammengebissenen Zähnen.
Während Bonn und weite Teile der Republik unter einer grauen Decke aus Glätte und Regen in den Tag starten, wird in Sofia Geschichte geschrieben. Pünktlich zum Stichtag wächst die Eurozone auf 21 Mitglieder an. Es ist ein politischer Kraftakt wider die ökonomische Schwerkraft. Ein Signal der Integration in einer Zeit der Zentrifugalkräfte. Doch der Blick auf die Weltkarte zum Jahresauftakt verrät: Die Party an den Märkten geht weiter, doch der DJ hat die Playlist gewechselt. Der DAX ruht auf Rekordniveau, im Tech-Sektor entbrennt der Kampf um die Hardware-Hoheit neu, und im Nahen Osten ziehen dunkle Wolken auf.
Starten wir diesen ersten Tag des Jahres mit einer Bestandsaufnahme der neuen Realität.
Bulgariens Wagnis: Feier auf dem Vulkan
Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Ausgerechnet jenes Land, das in den EU-Statistiken als das ärmste geführt wird und seit 2020 sieben Wahlen durchlaufen hat – die achte steht bereits im Raum –, tritt heute dem exklusiven Club der Euro-Länder bei. Seit Mitternacht ist der Lew Geschichte, fixiert auf den in Stein gemeißelten Umrechnungskurs von 1,95583 für einen Euro.
Für die bulgarische Wirtschaft, der die EU-Kommission für 2026 ein Wachstum von soliden 2 Prozent prognostiziert, ist der Beitritt ein zweischneidiges Schwert. EZB-Chefin Christine Lagarde verspricht Wohlstand und Stabilität; Tourismus und Handel dürften profitieren. Doch in den Straßen von Sofia mischt sich in den Jubel die Sorge. Die Angst vor dem „Teuro" trifft auf den Unmut über endemische Korruption. Dass die prowestliche Regierung erst im Dezember dem Druck der Straße weichen musste, verleiht dem heutigen Festakt den Charakter eines Tanzes auf dem Vulkan. Für Anleger ist die Botschaft klar: Die Eurozone gewinnt an Größe, aber auch an Heterogenität – und damit an potenzieller Instabilität.
Tech-Sektor: Chinas Hunger und die neue Auslese
Während wir in Europa Währungen tauschen, wird in Asien die technologische Vorherrschaft verhandelt. Eine Meldung vom heutigen Mittag lässt aufhorchen: Trotz aller Handelsbarrieren reißen sich chinesische Tech-Konzerne förmlich um Nvidias H200-KI-Chips. Der Hunger nach Rechenleistung im Reich der Mitte scheint immun gegen geopolitische Spannungen. Das nährt die Fantasie für Nvidia (die Aktie bleibt auch heute das Gesprächsthema Nummer eins), signalisiert aber vor allem eines: Der KI-Boom tritt 2026 in eine neue, hardware-hungrige Phase.
Doch Vorsicht vor dem Gießkannenprinzip. Die Analysten von JPMorgan haben pünktlich zum Jahresstart ihre Favoritenliste justiert und setzen auf strikte Selektion. Statt blindem Tech-Kauf empfehlen sie Alphabet (mit einem Kursziel von 385 US-Dollar) und Amazon, das via AWS die Infrastruktur des Booms stellt. Auch Spotify und DoorDash stehen auf den Kauflisten.
Ein Warnsignal sendet hingegen Tesla. Der E-Auto-Pionier konfrontierte den Markt zuletzt mit Daten, die zur Vorsicht mahnen. Zwar sieht das Analysehaus Baird für 2026 positive Katalysatoren, doch die Ära, in der Tesla-Aktionäre blind jedem Trend folgen konnten, scheint beendet. Der Markt verlangt 2026 nach Substanz, nicht mehr nur nach Visionen.
Genau zu diesem Thema der gezielten Selektion habe ich eine konkrete Trading-Strategie entwickelt, die systematisch profitable Marktbewegungen identifiziert. Das Konzept basiert auf drei Faktoren: technische Ausbrüche über den Donchian-Channel, bestätigende Volumenanalyse und fundamentale Katalysatoren. In einem kostenlosen Webinar wird die sogenannte "Cash-Rallye" vorgestellt – ein strukturierter Ansatz mit zwei konkreten Trade-Signalen pro Woche über zehn Wochen. Sie erfahren, wie das System in verschiedenen Sektoren funktioniert hat – von Rheinmetall (+136,5%) über Siemens Energy (+96,9%) bis zu Cameco (+60,2%). Die Methode arbeitet sektor-übergreifend und nutzt Bewegungen in Aktien, Rohstoffen oder Kryptos, je nachdem wo gerade die größten Impulse entstehen. Details zur systematischen Trading-Strategie
Pharma: Preismacht im Westen, Preiskrieg im Osten
Ein faszinierendes Lehrstück über die Divergenz globaler Märkte liefert uns zum Jahresauftakt die Pharmabranche. Während Novartis und andere Großkonzerne in den USA für 2026 Preiserhöhungen für mindestens 350 Medikamente durchsetzen wollen (im Median rund 4 Prozent), erleben wir in China das gegenteilige Extrem.
Novo Nordisk und Eli Lilly, die unangefochtenen Platzhirsche im Geschäft mit der Gewichtsreduktion, senken im Reich der Mitte die Preise für ihre Blockbuster Wegovy und Mounjaro. Der Grund? Ein brutaler Verdrängungswettbewerb. Zeitgleich meldet die FDA die Zulassung einer oralen Wegovy-Pille – ein potenzieller „Gamechanger", der den Markt für Adipositas-Behandlungen 2026 revolutionieren könnte. Für Investoren heißt das: Schauen Sie genau hin, wo der Umsatz entsteht. In den USA wird die Marge über die Preismacht gesichert, in Asien muss sie über die Masse erkämpft werden.
Krypto: Katerstimmung nach dem 126.000-Dollar-Rausch
Werfen wir einen Blick auf die digitalen Assets, die heute Morgen eher ernüchtert ins neue Jahr starten. Bitcoin notiert bei rund 87.700 US-Dollar. Das klingt auf den ersten Blick solide, ist aber ein deutlicher Rücksetzer gegenüber dem Allzeithoch von rund 126.000 Dollar, das wir 2025 gesehen haben. Das Jahr endete rot.
Ist die Luft raus? Nicht zwangsläufig. Experten wie David Duong von Coinbase rufen 2026 als das Jahr der institutionellen Adoption aus, getrieben durch ETFs und regulierte Stablecoins. Die Prognosen sprechen von einer „L1-Saison" (Layer 1), in der Blockchains wie Ethereum und Solana durch reale Netzwerknutzung glänzen müssen, statt nur als Spekulationsobjekt zu dienen. Doch das charttechnische Bild mahnt zur Geduld: Der Hype von 2025 muss erst verdaut werden, bevor die nächste Stufe zünden kann.
DAX & Co: Komfortzone mit Fallstricken
Und der Heimatmarkt? Der DAX begrüßt das Jahr 2026 auf einem äußerst komfortablen Niveau von 24.545 Punkten. Ein Plus von über 22 Prozent auf Jahressicht ist ein Polster, auf dem man sich gerne ausruht. Doch der Ausblick ist ambivalent: Ein günstiges geldpolitisches Umfeld trifft auf geopolitische Sprengfallen.
Die EZB warnte bereits Ende November vor Bewertungen, die sich von den Fundamentaldaten lösen könnten. Wenn Rheinmetall und Infineon den Index treiben, während Schwergewichte wie Siemens Energy schwächeln, zeigt das eine Konzentration, die Risiken birgt.
Was sonst noch wichtig ist
- Unruhe im Iran: Berichte über Proteste gegen die wirtschaftliche Misere und ein erstes Todesopfer deuten auf eine erneute Destabilisierung im Nahen Osten hin – ein Risikofaktor, den die Ölmärkte genau beobachten werden.
- Trumps Sparstift: Die US-Administration friert Bundesmittel für Kinderbetreuung in Minnesota aufgrund von Betrugsvorwürfen ein. Es ist ein erster Vorgeschmack auf den angekündigten, rigorosen Sparkurs im neuen Haushaltsjahr.
- Wetter-Warnung: Der Deutsche Wetterdienst warnt für den heutigen Tag vor Glätte in der Region Bonn. Passen Sie auf sich auf, wenn Sie heute noch unterwegs sind.
Quintessenz
Das Jahr 2026 beginnt nicht mit einem Paukenschlag, sondern mit einem komplexen Mosaik. Die Euro-Erweiterung ist ein politisches Signal, die Tech-Rallye wird selektiver, und die geopolitischen Risiken von Teheran bis Washington bleiben virulent.
Für Ihr Depot bedeutet das: Die Phase, in der „alles steigt", dürfte vorbei sein. 2026 wird das Jahr der Stock-Picker, der genauen Analysten und jener Investoren, die präzise zwischen Preismacht (USA) und Preiskampf (China) unterscheiden können.
Ich werde Sie auch in diesem Jahr täglich begleiten, die Fakten sortieren und hoffentlich dabei helfen, die richtigen Schlüsse zu ziehen.
Herzlichst,
Ihr
Eduard Altmann








