Liebe Leserinnen und Leser,

an Tagen wie diesem zeigt sich, wer das Tempo bestimmt – und wer hinterherhechelt. Während der DAX am Montagmittag erneut an der psychologischen 25.000-Punkte-Marke kratzt, ohne sie nachhaltig zu durchbrechen, läuft in China und den USA ein Wettrennen der anderen Art: Alibaba feuert sein neues KI-Modell Qwen 3.5 in den Ring, just als ByteDances Doubao die 200-Millionen-Nutzer-Schwelle knackt. Und in Hollywood? Dort wird Warner Bros. zum Spielball einer Bieterschlacht, bei der es längst nicht mehr nur um Streaming-Rechte geht, sondern um politischen Einfluss und die Zukunft von CNN. Drei Schauplätze, ein Muster: Die Märkte suchen nach Orientierung in einer Welt, in der alte Gewissheiten bröckeln.

DAX im Wartemodus: Die 25.000 als Charthürde und Psychospiel

Der deutsche Leitindex startete mit 0,3 Prozent Plus in die Woche und notierte gegen Mittag bei rund 24.988 Punkten – nur einen Wimpernschlag von der runden Marke entfernt. Doch wie schon am vergangenen Donnerstag, als der DAX bis auf 25.239 Zähler kletterte, fehlt die Durchschlagskraft für einen nachhaltigen Ausbruch. Die Gründe liegen auf der Hand: In den USA bleiben die Börsen am Montag wegen des Presidents' Day geschlossen, in China und Südkorea wird das Neujahrsfest gefeiert. Impulse? Fehlanzeige. Erst am Freitag dürften wichtige Konjunkturdaten aus den USA und Europa wieder Schwung bringen.

Doch die Zurückhaltung hat tiefere Wurzeln. Jochen Stanzl von der Consorsbank bringt es auf den Punkt: „Anleger haben ihr Geld in den vergangenen Wochen aus KI-Aktien in Blue Chips und etablierte Unternehmen umgeschichtet, in der Hoffnung, dort eine vergleichsweise sichere Anlage gefunden zu haben. Die Kursverluste bei Logistik- und Finanzaktien in der letzten Woche zeigten jedoch, dass selbst eingesessene Unternehmen im Zweifel nicht vor KI-Disruption gefeit sind." Die Folge: erhöhte Unsicherheit. JPMorgan-Stratege Mislav Matejka warnt unter den Sektoren mit „KI-Kannibalisierung" besonders vor Software, Dienstleistungen und Medien. Ausgerechnet jene Branchen also, die lange als Wachstumstreiber galten.

Immerhin: Banken zeigten sich europaweit erholt von jüngsten Verlusten, im DAX lagen Commerzbank und Deutsche Bank zeitweise vorne. Auch Baustoffwerte wie Heidelberg Materials und Hochtief waren gefragt – letztere erreichten sogar ein Rekordhoch. Doch das Index-Schwergewicht Siemens belastete mit einem Minus von 2,6 Prozent, nachdem die Aktie erst am Donnerstag auf ein Allzeithoch geklettert war. Der DAX bleibt damit ein Spiegelbild der Märkte: vorsichtig optimistisch, aber ohne klare Richtung.

Anzeige: Nach intensiver Recherche zur aktuellen Marktunsicherheit habe ich eine Strategie analysiert, die genau das Gegenteil der klassischen Diversifikation verfolgt. Investmentexperte Jörg Mahnert zeigt in seinem aktuellen Webinar, wie ein konzentriertes Portfolio aus nur 10 Momentum-Aktien im vergangenen Jahr eine Performance von über 400 Prozent erzielte – während breit gestreute Depots im einstelligen Bereich verharrten. Das Prinzip: Statt 50 mittelmäßige Werte zu halten, fokussiert sich das 10x10 Depot auf die zehn stärksten Kapitalströme weltweit und nutzt wissenschaftlich belegte Momentum-Faktoren. Sie erhalten börsentägliche Updates, klare Kauf- und Verkaufssignale und optional Hebel-Empfehlungen für zusätzliche Renditechancen. Die Strategie richtet sich bewusst gegen die deutsche Zurückhaltung und bringt das Prinzip erfolgreicher US-Hedgefonds für Privatanleger nach Deutschland. Details zur 10x10 Depot-Strategie und Zugang zum Webinar

Alibaba vs. ByteDance: Das Rennen um Chinas KI-Krone wird härter

Während Europa auf Impulse wartet, dreht sich in China das Karussell schneller. Alibaba hat am Montag sein neues KI-Modell Qwen 3.5 vorgestellt – und das Timing ist kein Zufall. Nur zwei Tage zuvor hatte ByteDance sein Doubao 2.0 gelauncht, das inzwischen knapp 200 Millionen aktive Nutzer zählt und damit die größte KI-Chatbot-Basis in China kommandiert. Alibaba kontert nun mit einem Modell, das laut eigenen Angaben 60 Prozent günstiger im Betrieb ist als sein Vorgänger und achtmal besser bei der Verarbeitung großer Workloads. Vor allem aber: Qwen 3.5 soll in der Lage sein, eigenständig Aktionen über mobile und Desktop-Apps hinweg auszuführen – sogenannte „visuelle agentische Fähigkeiten".

„Built for the agentic AI era", heißt es in der Pressemitteilung. Das Ziel ist klar: Entwickler und Unternehmen sollen schneller und effizienter arbeiten können, bei gleichzeitig niedrigeren Kosten pro Recheneinheit. Alibaba positioniert Qwen 3.5 damit als Benchmark für das Verhältnis von Leistung zu Inferenzkosten. Ein cleverer Schachzug, denn genau hier liegt der Schlüssel zur Massentauglichkeit: Wer KI-Modelle günstiger anbieten kann, gewinnt die Entwickler – und damit den Markt.

Dass Alibaba in den letzten Wochen bereits Fortschritte gemacht hat, zeigt eine Kampagne, bei der Nutzer über den Qwen-Chatbot direkt Lebensmittel und Getränke kaufen konnten. Das Ergebnis: eine Versiebenfachung der aktiven Nutzer, trotz einiger technischer Pannen. ByteDance bleibt jedoch der Platzhirsch, und mit DeepSeek steht ein weiterer Konkurrent in den Startlöchern, der in den kommenden Tagen ein neues Modell präsentieren soll. Der globale Tech-Selloff, den DeepSeek vor einem Jahr auslöste, ist noch in frischer Erinnerung. Für Investoren bedeutet das: Der chinesische KI-Markt bleibt hochvolatil, aber auch hochspannend.

Warner Bros. im Clinch: Paramount bietet mehr, Netflix hat den Vertrag

Manchmal ist es nicht der Höchstbietende, der gewinnt – sondern der, der zuerst unterschrieben hat. Im Bieterkampf um Warner Bros. Discovery wird genau das gerade zur Zerreißprobe. Netflix hatte sich bereits mit einem Angebot von 83 Milliarden Dollar das Studio- und Streaming-Geschäft gesichert, die TV-Sender wie CNN sollen in ein eigenständiges Unternehmen abgespalten werden. Doch Paramount, im vergangenen Jahr von der Familie des Tech-Milliardärs und Trump-Unterstützers Larry Ellison übernommen, legt nach: 108,4 Milliarden Dollar für den gesamten Konzern – inklusive der Fernsehsender. Mehr noch: Paramount bietet an, die 2,8 Milliarden Dollar Vertragsstrafe zu übernehmen, die Warner an Netflix zahlen müsste, falls der Deal platzt. Und als Sahnehäubchen: eine Entschädigung für die Aktionäre, sollte die Übernahme nicht bis zum 31. Dezember abgeschlossen sein.

Der Verwaltungsrat von Warner Bros. steht nun vor einer heiklen Entscheidung. Laut Bloomberg glauben einige Mitglieder, dass das Paramount-Gebot entweder zu einem besseren Deal führen oder Netflix zu einer Angebotserhöhung drängen könnte. Beide Bieter haben bereits signalisiert, dass sie bereit wären, mehr zu zahlen. Doch es geht längst nicht mehr nur um Geld. Im Zentrum steht auch die Zukunft von CNN, dem Nachrichtensender, der oft kritisch über US-Präsident Donald Trump berichtet. Trump hatte im Dezember gefordert, dass CNN bei einem Deal „auf jeden Fall den Besitzer wechsele". Die Nachrichtenredaktion von CBS, einem Paramount-Sender, hat seit der Übernahme durch die Ellisons einen freundlicheren Ton gegenüber der Trump-Regierung angeschlagen. Für Anleger bedeutet das: Diese Bieterschlacht ist nicht nur ein M&A-Poker, sondern auch ein politisches Schachspiel.

Rüstung und Energie: Hensoldt hochgestuft, E.ON fordert Smart-Meter-Pflicht

Während die Märkte auf Richtungssuche sind, gibt es in zwei Sektoren klare Signale. Warburg Research hat das Kursziel für Hensoldt von 86 auf 91 Euro angehoben und die Aktie nach ihrem Rückschlag von „Hold" auf „Buy" hochgestuft. Analyst Christian Cohrs sieht die Papiere des Radarspezialisten nach der Korrektur auf einem realistischen Niveau und erwartet für 2025 ein „solides Jahresendergebnis in beiden Geschäftsbereichen und eine starke Auftragsdynamik". Das vergangene Jahr sieht er als Vorbereitung auf den erwarteten Boom im Verteidigungssektor. Auch Rheinmetall, RENK und TKMS legten am Montag zu, getragen von der anhaltend hohen Nachfrage im Rüstungsbereich.

Auf der Energieseite macht E.ON Druck: Vertriebsvorstand Marc Spieker fordert einen verpflichtenden Rollout von Smart Metern in Deutschland. „Hätte ich einen Wunsch frei, wäre es ein verpflichtender Rollout", sagte er gegenüber dpa. Während in vielen europäischen Ländern die Smart-Meter-Quote bereits bei 80 Prozent und mehr liegt, waren es in Deutschland Ende September 2025 nur knapp 4 Prozent – das entspricht gut zwei Millionen Geräten. Spieker kritisiert das Tempo scharf: „Das geht zu langsam und das geht auch viel zu lasch. Dass die Netzbetreiber, die immer noch nicht vorankommen, nicht auch einfach mal sanktioniert werden, das ist nicht in Ordnung." Sein Vorschlag: Zu langsame Netzbetreiber sollten nach einem Jahr das Recht verlieren, in ihrem Netzgebiet die Zähler auszuwechseln. Für Anleger ist das ein Hinweis darauf, dass der Umbau der Energieinfrastruktur noch Jahre dauern wird – und dass Unternehmen wie E.ON dabei eine zentrale Rolle spielen.

Krypto unter Druck: Bitcoin fällt, institutionelle Adressen kaufen nach

Der Kryptomarkt bleibt unter Verkaufsdruck. Bitcoin fiel am Montagmorgen um 3,13 Prozent auf rund 68.500 Dollar, Ethereum verlor 5,50 Prozent auf 1.970 Dollar, und Ripple gab um 8,27 Prozent auf 1,46 Dollar nach. Die vierte Verlustwoche in Folge ist vor allem auf makroökonomische Faktoren zurückzuführen: Die Auflösung des Yen-Carry-Trade, bei dem sich Marktteilnehmer günstig in Japan verschuldet hatten, um in renditestarke Risikoanlagen zu investieren, belastet digitale Assets. Hinzu kommt die Unsicherheit über die Zinspolitik der US-Notenbank, die Bitcoin und Co. im Vergleich zu Anleihen unattraktiver macht.

Doch unter der Oberfläche zeigt sich ein anderes Bild: Laut On-Chain-Analysen von Glassnode verzeichneten Wallets, die zwischen 10 und 100 Bitcoin halten, die aggressivsten Zuwächse seit Ende 2025, als die Kurse in Richtung 60.000 Dollar korrigierten. Das deutet darauf hin, dass professionelle Akteure die Volatilität nutzen, um ihre Bestände antizyklisch auszubauen. Auch Bitcoin-ETFs weisen trotz der Kursrücksetzer weiterhin ein verwaltetes Vermögen von über 100 Milliarden Dollar aus. Für langfristig orientierte Anleger könnte das ein Signal sein: Die „stealthy wealthy" – wie Princeton-Ökonom Owen Zidar sie nennt – kaufen nach, während Privatanleger in Panik geraten.

Was diese Woche noch kommt

Die nächsten Tage dürften ruhig bleiben, bis am Freitag die Flash-PMI-Daten aus Europa und die erste Schätzung für das US-BIP im vierten Quartal anstehen. Dann wird sich zeigen, ob die Zuversicht der Anleger trägt oder ob die Optimisten am Aktienmarkt enttäuscht werden. Bis dahin bleibt der DAX in seiner Warteschleife, die KI-Schlacht in China tobt weiter, und in Hollywood wird weiter um Warner Bros. gefeilscht. Eines ist sicher: Langweilig wird es nicht.

Bis morgen,
Andreas Sommer