D-Wave Quantum setzt mit der angekündigten Übernahme von Quantum Circuits Inc. einen markanten strategischen Schritt. Der Kauf soll das Unternehmen vom Spezialisten für Annealing-Lösungen zu einem Anbieter mit vollständigem Zugang zum Markt für Quantencomputing machen. An der Börse kommt der Schritt bislang positiv an, auch wenn Bewertung und Volatilität hoch bleiben.

Worum geht es konkret?

  • Volumen der Transaktion: 550 Mio. US-Dollar
  • Struktur: 300 Mio. US-Dollar in Aktien, 250 Mio. US-Dollar in bar
  • Ziel: Zugang zu Gate-basiertem Quantencomputing mit integrierter Fehlererkennung
  • Geplanter Abschluss: Ende Januar 2026
  • Kursreaktion: Aktie heute im Plus, rund 12 % seit Jahresbeginn

Strategische Begründung der Übernahme

Erweiterung über Annealing hinaus

D-Wave reagiert mit dem Schritt auf eine zentrale Sorge vieler Investoren: Die bisherige Fokussierung auf Quanten-Annealing, das zwar für Optimierungsprobleme geeignet ist, aber nicht die Flexibilität von Gate-basierten Systemen bietet.

Mit Quantum Circuits übernimmt D-Wave:

  • Dual-Rail-Qubit-Technologie mit integrierter Fehlererkennung
  • Deutlich geringeren Ressourcenbedarf für den Aufbau logischer Qubits
  • Ein Team um Mitgründer Rob Schoelkopf, einen Pionier der supraleitenden Quantenprozessoren

Quantum Circuits setzt in seiner Entwicklung auf den Ansatz „erst Korrektur, dann Skalierung“ und zielt damit direkt auf das zentrale Problem der Branche: effektive Fehlerkorrektur als Voraussetzung für wirtschaftlich nutzbare Quantencomputer.

Technologie-Integration und Zeitplan

D-Wave plant, bereits 2026 ein erstes Gate-basiertes System mit Dual-Rail-Architektur zu liefern. Dabei soll:

  • die Fehlerkorrekturtechnologie von Quantum Circuits
  • mit D-Waves Erfahrung in der skalierbaren Steuerung supraleitender Prozessoren

kombiniert werden.

Geplant ist außerdem ein neues F&E-Zentrum in New Haven (Connecticut), das die Nähe zu den Forschungsaktivitäten der Yale University nutzen soll. CEO Alan Baratz sieht das Unternehmen durch die Übernahme in der Lage, 2026 Gate-Model-Produkte auf den Markt zu bringen und parallel das etablierte Annealing-Geschäft weiterzuentwickeln. Damit beansprucht D-Wave, als einziges Unternehmen beide Technologieansätze abdecken zu können.

Deal-Struktur und Finanzlage

Transaktionsdetails

Der Kaufpreis von 550 Mio. US-Dollar setzt sich wie folgt zusammen:

  • 300 Mio. US-Dollar in D-Wave-Stammaktien
  • 250 Mio. US-Dollar in bar

Voraussetzungen für den Vollzug sind unter anderem:

  • kartellrechtliche Freigabe nach dem Hart-Scott-Rodino Act
  • Zustimmung der NYSE zur Notierung der neuen Aktien

Der Abschluss wird für Ende Januar erwartet. Centerview Partners berät D-Wave finanziell, die Kanzlei Paul, Weiss übernimmt die rechtliche Begleitung.

Auswirkungen auf die Bilanz

D-Wave geht aus einer relativ soliden Liquiditätsposition in die Transaktion. Per Q3 2025 verfügte das Unternehmen über:

  • 836,2 Mio. US-Dollar an liquiden Mitteln
  • 195,26 Mio. US-Dollar an Gesamtverbindlichkeiten

Die Bar-Komponente von 250 Mio. US-Dollar reduziert den finanziellen Spielraum, lässt aber weiterhin substanzielle Mittel für Forschung und Entwicklung.

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Operativ meldete D-Wave im dritten Quartal 2025:

  • Umsatz: 3,7 Mio. US-Dollar (+100 % gegenüber Vorjahr)
  • Bruttomarge: 71,4 % (plus 15,6 Prozentpunkte)
  • Bereinigter Nettoverlust: 18,1 Mio. US-Dollar (Vorjahr: 23,2 Mio. US-Dollar)

Damit verbessert sich das Ergebnis, bleibt aber deutlich negativ – typisch für ein Unternehmen in einer frühen Wachstumsphase.

Marktreaktion, Bewertung und Analysten

Kursentwicklung und Sentiment

Die Aktie hat in den vergangenen zwölf Monaten rund 400 % zugelegt, notiert aber noch etwa 30 % unter ihrem Allzeithoch von 46,75 US-Dollar aus Oktober 2025. Die Spanne der letzten 52 Wochen reicht von 3,74 bis 46,75 US-Dollar und unterstreicht die starke Schwankungsanfälligkeit des Titels.

Der Short Float liegt bei 12,47 % des frei handelbaren Volumens. Das zeigt, dass trotz der Kursrallye ein signifikanter Teil des Marktes skeptisch bleibt.

Analystenurteile und Kursziele

An der Wall Street überwiegt dennoch ein klar positives Bild. Neun Research-Häuser empfehlen die Aktie aktuell zum Kauf, Verkaufsempfehlungen liegen nicht vor. Zu den jüngsten Einschätzungen gehören:

  • Rosenblatt: Buy, Kursziel 43 US-Dollar (8. Januar 2026)
  • Wedbush: Outperform, Kursziel 35 US-Dollar (seit 17. Dezember 2025)
  • Mizuho: Outperform, Kursziel 46 US-Dollar (seit 11. Dezember 2025)
  • Jefferies: Kursziel 45 US-Dollar (Dezember 2025)

Der daraus abgeleitete durchschnittliche Zielkurs von rund 38,71 US-Dollar signalisiert ein Aufwärtspotenzial von etwa 29 % gegenüber dem aktuellen Niveau. Die Spanne der Kursziele reicht von 22 bis 48 US-Dollar.

Hohe Bewertungsmultiplikatoren

Trotz der strategischen Logik des Zukaufs bleiben die Bewertungskennzahlen außergewöhnlich hoch:

  • Kurs-Umsatz-Verhältnis: rund 376
  • Kurs-Buchwert-Verhältnis: über 135

Diese Multiples spiegeln den spekulativen Charakter von Frühphasen-Investments im Quantencomputing wider. Im Branchenvergleich sind sie zwar extrem, aber nicht singulär, da Wettbewerber wie Rigetti Computing oder Quantum Computing Inc. teilweise noch höher bewertet werden.

Wettbewerbsposition und Technologieprofil

Duales Plattformmodell

Mit dem Zukauf verändert sich die Positionierung von D-Wave im Wettbewerbsumfeld grundlegend. Statt eines reinen Anbieters annealing-basierter Optimierungslösungen tritt das Unternehmen künftig mit einer Doppelstrategie an:

  • Annealing-Systeme für klassische Optimierungsaufgaben
  • Gate-Model-Architektur für universellere Berechnungen

Damit rückt D-Wave in direkte Konkurrenz zu:

  • Gate-Model-Spezialisten wie IonQ und Rigetti Computing
  • Technologiekonzernen wie Alphabet (Willow-Prozessor) und Microsoft (Majorana 1), die eigene Quantenplattformen entwickeln

Bedeutung von Quantum Circuits

Quantum Circuits stärkt die Glaubwürdigkeit von D-Wave im Gate-Model-Segment. Wichtige Bausteine:

  • Erste Entwicklung von Dual-Rail-Qubits mit integrierter Fehlererkennung (veröffentlicht im August 2025)
  • Aqumen Seeker, ein 8-Qubit-QPU mit Dual-Rail-Architektur, eingeführt Ende 2024
  • Anwendungspartner wie Algorithmiq, die den Chip für Life-Sciences-Use-Cases einschließlich Wirkstoffforschung nutzen

Diese Historie zeigt, dass Quantum Circuits nicht nur Technologie, sondern auch konkrete Anwendungsprojekte in die Kombination einbringt.

Ausblick und nächste Termine

Der Vollzug der Übernahme wird für Ende Januar erwartet, vorbehaltlich regulatorischer Freigaben. Kurz darauf will D-Wave auf der hauseigenen Konferenz Qubits 2026 am 27. und 28. Januar in Boca Raton eine aktualisierte Produkt-Roadmap vorstellen. Dort sollen insbesondere:

  • der Integrationsfahrplan für Quantum Circuits
  • und der beschleunigte Weg zu fehlerkorrigierten Gate-Model-Systemen

konkretisiert werden.

Operativ rücken die Zahlen für das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2025 in den Fokus, die Anfang 2026 erwartet werden. Entscheidend wird sein, ob D-Wave das angepeilte Gate-Model-Produkt für 2026 wie angekündigt liefern kann und damit den strategischen Nutzen dieser bislang größten Kapitalallokation des Unternehmens untermauert.

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