Commerzbank Aktie: Finanzielle Zukunftsperspektiven
Die Commerzbank steht zwischen selbstbewusster Eigenständigkeit und anhaltenden Übernahmespekulationen. In Davos hat CEO Bettina Orlopp die Fronten gegenüber Großaktionär UniCredit geschärft – und zugleich die eigene Strategie bis 2028 verteidigt. Spannend ist dabei, dass Kurszielanhebungen wie die von JPMorgan auf 36 Euro auf ein Umfeld treffen, in dem der Titel nach einer Kursverdopplung erste Ermüdungszeichen zeigt.
Orlopp stellt UniCredit in die zweite Reihe
Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos nutzte Bettina Orlopp die Bühne für eine klare Botschaft Richtung Mailand. Gegenüber der italienischen Zeitung Corriere della Sera bezeichnete sie UniCredit nüchtern als „Investor“ und erteilte Integrationsplänen eine Absage. UniCredit hält inzwischen rund 28 % an der Commerzbank – ein Engagement, das die Bundesregierung zuvor als „unkoordiniert und feindselig“ eingeordnet hatte.
Orlopp rückte stattdessen die eigene „Momentum“-Strategie in den Mittelpunkt. Sie verwies auf:
- eine Kursverdopplung innerhalb der letzten zwölf Monate
- steigende Profitabilität bei gleichzeitiger Kapitalrückführung an die Aktionäre
- ambitionierte, aber als realistisch bezeichnete Ziele bis 2028
Damit versucht das Management, die Diskussion von der Übernahmefantasie hin zu operativen Fortschritten zu verschieben. Die Botschaft: Die Bank sieht sich stark genug, ihren Weg eigenständig weiterzugehen.
Aktuell notiert die Aktie bei 34,72 Euro. Damit liegt sie zwar rund 4 % unter dem Stand zu Jahresbeginn, aber noch deutlich über dem 200-Tage-Durchschnitt von 31,52 Euro – ein Hinweis, dass der übergeordnete Aufwärtstrend trotz der jüngsten Konsolidierung intakt ist.
Kursziel hoch, Stimmung kühler
Kurz vor den Zahlen zum vierten Quartal hat JPMorgan das Kursziel von 33 auf 36 Euro angehoben und die Bewertungsbasis auf Ende 2027 verschoben. Am Rating „Neutral“ hielt Analyst Kian Abouhossein jedoch fest. Die höhere Zielmarke honoriert also die Fortschritte der vergangenen Jahre, signalisiert aber zugleich Zurückhaltung nach der starken Kursentwicklung.
An der Börse fiel die Reaktion verhalten aus. Der Titel liegt rund 16 % unter dem 52-Wochen-Hoch von 41,58 Euro und hat in den vergangenen 30 Tagen leicht nachgegeben. Nach einem Kursplus von über 90 % auf zwölfmonatiger Sicht wirkt die Rally spürbar ausgereizter. Der RSI von 45,6 unterstreicht das Bild: weder Überkauf noch Ausverkauf, sondern eine Phase der Neuorientierung.
Dass die Euphorie nachlässt, zeigt auch der Analystenkonsens der vergangenen Monate. Mehrere Häuser haben ihre Empfehlungen zurückgenommen:
- Goldman Sachs: Abstufung auf „Sell“ (August 2025)
- Deutsche Bank: Abstufung auf „Hold“ (August 2025)
- Morgan Stanley: Abstufung auf „Equalweight“ (September 2025)
- JPMorgan: Abstufung auf „Neutral“ (September 2025)
Parallel dazu setzte S&P Global Ratings im Dezember 2025 mit einem auf „positiv“ angehobenen Ausblick bei bestätigten A/A-1-Ratings einen Kontrapunkt. Die Agentur verweist auf Fortschritte bei den Finanzzielen für 2028 und eine verbesserte Widerstandsfähigkeit in Stressszenarien. Unterm Strich trifft also eine solide fundamentale Entwicklung auf eine Marktmeinung, die nach der Kursverdopplung vorsichtiger geworden ist.
Finanzierung und Marktumfeld
Abseits der Übernahmedebatte hat die Bank eine grüne Tier-2-Anleihe über 500 Millionen Euro erfolgreich platziert. Die nachrangigen Papiere mit zwölfjähriger Laufzeit und Kündigungsrecht nach sieben Jahren werden in Frankfurt gehandelt. Bemerkenswert: Die Emission kam ohne Stabilisierungsmaßnahmen aus, was für eine ausreichende Investoren-Nachfrage spricht und die Fähigkeit der Bank unterstreicht, regulatorisches Kapital am Markt aufzunehmen.
Gleichzeitig bleibt das Umfeld für europäische Banken anspruchsvoll. Unsicherheit über mögliche neue US-Zölle und geopolitische Spannungen – insbesondere die sogenannte Greenland-Debatte – drücken auf den Sektor. Commerzbank-Analysten warnten zuletzt vor potenziellen Sanktionsrisiken für Halter von US-Staatsanleihen im Fall einer weiteren Eskalation der transatlantischen Beziehungen. In diesem Kontext wirken Bewertungen wie ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 17 und ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von 1,13 als Ausdruck der bereits eingepreisten Transformation, aber auch der gestiegenen Erwartungen.
Fazit: Zwischen Eigenständigkeit und Erwartungsdruck
Die zentrale Weichenstellung bleibt klar: Das Management setzt auf eine eigenständige Zukunft und versucht, die Diskussion weg von UniCredit hin zu operativer Leistung und 2028-Zielen zu lenken. Nach der starken Kursentwicklung des vergangenen Jahres, der leichten Schwäche seit Jahresbeginn und einem Kurs, der rund 10 % über dem 200-Tage-Durchschnitt liegt, steht die Aktie an einem Punkt, an dem Worte aus Davos und kommende Zahlen gleichermaßen zählen. Entscheidend wird sein, ob die Bank die bisher gezeigte Dynamik bei Profitabilität, Kapitalrückführung und Resilienz in den nächsten Quartalen bestätigen und damit die aktuell eingepreisten Erwartungen rechtfertigen kann.
Commerzbank-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Commerzbank-Analyse vom 22. Januar liefert die Antwort:
Die neusten Commerzbank-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Commerzbank-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 22. Januar erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Commerzbank: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...








