Liebe Leserinnen und Leser,

91 Hongkong-Dollar – auf diesen Tiefststand sackte die BYD-Aktie heute ab. Der niedrigste Stand seit etwa einem Jahr, und das bei einem Unternehmen, das gerade erst Tesla als weltgrößten E-Auto-Verkäufer überholt hatte. Gleichzeitig stürzt Gold um weitere 5 Prozent, Silber verliert nochmals 8 Prozent, und Bitcoin rutscht unter 77.000 Dollar. Was auf den ersten Blick wie drei separate Krisen aussieht, hat einen gemeinsamen Nenner: die Nominierung von Kevin Warsh als neuer Fed-Chef durch Donald Trump. Diese Personalie schickt Schockwellen durch alle Anlageklassen – von chinesischen Autowerten über Edelmetalle bis hin zu Kryptowährungen. Warum ausgerechnet diese Entscheidung die Märkte derart durchschüttelt und was das für deutsche Anleger bedeutet, schauen wir uns jetzt genauer an.

BYD: Wenn der Marktführer plötzlich Marktanteile verliert

Der chinesische Elektroautobauer BYD verliert heute in Hongkong knapp 7 Prozent und markiert damit den tiefsten Stand seit zwölf Monaten. In Shenzhen sieht es kaum besser aus: Minus 4,2 Prozent auf 87,05 Yuan. Der Grund: Im Januar brachen die Verkäufe den fünften Monat in Folge ein – das schwächste Januar-Ergebnis seit 2020, als Corona die Welt lahmlegte. Besonders bitter: Konkurrent Geely verkaufte im selben Monat mehr Autos als BYD, und Leapmotor legte sogar 27 Prozent zu.

Was ist da los? China hat sein Subventionsprogramm für E-Autos umgestellt – weg von Pauschalbeträgen, hin zu preisabhängigen Zuschüssen. Das trifft ausgerechnet BYDs Kerngeschäft: die günstigen Modelle unter 25.000 Dollar, mit denen der Konzern groß geworden ist. Analysten von Macquarie sprechen von einem "scharfen Marktanteilsverlust" und erwarten keine Trendwende, bevor BYD neue Modelle mit besserem Preis-Leistungs-Verhältnis auf den Markt bringt. Die China Passenger Car Association rechnet für 2026 mit Stagnation – dem schlechtesten Jahr seit 2020.

BYD versucht gegenzusteuern: Im Januar startete der Konzern aufgerüstete Plug-in-Hybrid-Modelle mit Langstrecken-Batterien. Doch auch hier enttäuscht die Bilanz – die Verkäufe dieser Fahrzeuge, die über die Hälfte des Gesamtabsatzes ausmachen, sanken um 28,5 Prozent. Immerhin: Die Auslandsverkäufe sprangen um 43 Prozent nach oben und machten 48 Prozent aller Auslieferungen aus. Allerdings hat BYD sein ursprüngliches Exportziel von 1,6 Millionen Fahrzeugen bereits auf 1,3 Millionen gesenkt. Seit Mai 2025 hat die Aktie fast 40 Prozent verloren – auch Warren Buffetts Berkshire Hathaway hat sich 2025 komplett von BYD getrennt.

Edelmetall-Crash: Wenn Spekulanten zur Flucht gezwungen werden

Der Goldpreis fällt heute um weitere 5 Prozent auf 4.554 Dollar je Feinunze – nach einem historischen Minus von 10 Prozent am Freitag. Silber verliert nochmals 8 Prozent und notiert bei 77 Dollar, nachdem es am Freitag den schlimmsten Tag seit März 1980 erlebt hatte: Minus 30 Prozent an einem einzigen Handelstag. Was hier passiert, ist mehr als eine simple Korrektur – es ist eine Kettenreaktion.

Der Auslöser: Kevin Warsh. Trumps Nominierung des ehemaligen Fed-Gouverneurs als Nachfolger von Jerome Powell hat die Märkte auf dem falschen Fuß erwischt. Warsh gilt als "Falke", der in der Vergangenheit vor Inflation gewarnt und die Bilanzausweitung der Fed kritisiert hat. Die Botschaft für die Märkte: Die Hoffnung auf schnelle, tiefe Zinssenkungen war verfrüht. Höhere Realzinsen machen nicht-verzinsliche Anlagen wie Gold und Silber weniger attraktiv – und lösen bei überhitzten Märkten Panikverkäufe aus.

Das Problem verschärft sich, weil viele Spekulanten mit geliehenem Geld (Margin) auf weiter steigende Preise gesetzt hatten. Als Gold innerhalb von Tagen von über 5.500 Dollar auf unter 4.600 Dollar abstürzte, mussten sie Positionen glattstellen – was die Preise weiter nach unten drückte. Die CME reagierte und erhöhte die Margin-Anforderungen für Gold- und Silber-Futures um 2 bis 4 Prozentpunkte. In China kamen zusätzliche Probleme hinzu: Beliebte Silber-Futures-Fonds konnten nicht schnell genug liquidiert werden, was den Verkaufsdruck auf andere Märkte übertrug.

Doch Experten warnen vor voreiligen Schlüssen. Ole Hansen von der Saxo Bank spricht von einer "massiven Retail-Frenzy", die sich nun entlädt – aber die fundamentalen Treiber für Gold blieben intakt: geopolitische Risiken, fiskalische Sorgen und die Diversifizierung globaler Währungsreserven. Die LBBW hält an ihrer Prognose von 5.000 Dollar fest und sieht die aktuelle Korrektur als überfällig, aber nicht als Trendwende.

Kevin Warsh: Der Mann, der die Märkte umkrempelt

Warum hat eine Personalie solche Auswirkungen? Kevin Warsh war von 2006 bis 2011 Fed-Gouverneur und galt damals als Hardliner in Sachen Inflation. Er kritisierte die massiven Anleihekäufe der Fed und warnte früh vor den Risiken einer zu lockeren Geldpolitik. In jüngerer Zeit hat er sich allerdings auch für niedrigere Zinsen ausgesprochen – was zu Trumps Forderungen passt.

Die Märkte stehen nun vor einem Rätsel: Wird Warsh Trumps Wunsch nach schnellen Zinssenkungen erfüllen oder seine falkenhaften Prinzipien durchsetzen? Die Dollar-Stärke, die auf die Nominierung folgte, deutet darauf hin, dass Anleger Letzteres erwarten. Das hat weitreichende Folgen: Ein starker Dollar und höhere Zinsen belasten nicht nur Gold und Krypto, sondern auch Schwellenländer-Investments und Rohstoffe generell.

Interessant ist auch die politische Dimension: Warsh steht für die Unabhängigkeit der Fed – etwas, das Trump in der Vergangenheit immer wieder infrage gestellt hat. Analysten von Vital Knowledge warnen, dass Warsh die Fed-Bilanz aggressiv verkürzen könnte, was die Finanzbedingungen verschärfen würde – selbst wenn die Leitzinsen sinken. Das wäre ein Szenario, das viele Marktteilnehmer nicht eingepreist haben.

Tech-Aktien unter Druck: KI-Zweifel und Nvidia-Unsicherheit

Die Warsh-Nominierung trifft auch die Technologiewerte. Nvidia-Aktien fallen vorbörslich um fast 2 Prozent, nachdem das Wall Street Journal berichtete, dass Nvidias geplante 100-Milliarden-Dollar-Investition in OpenAI auf Eis liegt. Intern sollen Bedenken über Wettbewerb und OpenAIs Geschäftsdisziplin geäußert worden sein. CEO Jensen Huang dementierte zwar, unglücklich mit OpenAI zu sein, und kündigte eine "riesige Investition" an – allerdings "nichts wie 100 Milliarden".

Die Unsicherheit schwappt auf andere Chipwerte über: In Südkorea brechen Samsung um über 6 Prozent und SK Hynix um fast 9 Prozent ein. In Europa verlieren ASML und BE Semiconductor jeweils über 3 Prozent, Infineon gibt 2,3 Prozent ab. Das Problem: Die Märkte hatten auf eine KI-getriebene Nachfragewelle gesetzt – wenn jetzt die größten Deals ins Wanken geraten, stellt das die Bewertungen infrage.

Oracle hingegen plant, 2026 zwischen 45 und 50 Milliarden Dollar aufzunehmen, um seine Cloud- und KI-Infrastruktur auszubauen. Die Aktie verliert vorbörslich dennoch 3,5 Prozent – ein Zeichen dafür, dass die Märkte gerade bei allem, was mit KI-Capex zu tun hat, nervös werden.

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Krypto im freien Fall: Bitcoin unter 77.000 Dollar

Bitcoin setzt seine Talfahrt fort und notiert am Montagmorgen bei 77.133 Dollar – ein Minus von über 2 Prozent. Zwischenzeitlich fiel die Kryptowährung sogar auf 75.767 Dollar, den tiefsten Stand seit April 2025. Seit dem Rekordhoch im Oktober 2025 hat Bitcoin nun etwa 40 Prozent verloren. Die Gesamtmarktkapitalisierung aller Kryptowährungen schrumpfte in den letzten 24 Stunden um 111 Milliarden Dollar.

Die Gründe sind vielfältig: Zum einen die Warsh-Nominierung, die Hoffnungen auf eine lockere Geldpolitik dämpft. Zum anderen massive Liquidationen – etwa 1,6 Milliarden Dollar an gehebelten Positionen wurden zwangsweise geschlossen. Dünne Liquidität am Wochenende verschärfte die Abwärtsbewegung zusätzlich. Ethereum verliert 6,6 Prozent auf 2.291 Dollar, XRP fällt 4,4 Prozent, Solana 3 Prozent.

Krypto-Aktien leiden mit: Strategy (ehemals MicroStrategy) gibt vorbörslich über 7 Prozent ab, Coinbase verliert 4,4 Prozent, Block 1,7 Prozent. In Tokio sackt Metaplanet um 7,4 Prozent ab. David Scutt von der StoneX Group erklärt: "Warshs Kritik an QE und der Fed-Bilanz löste eine sofortige Abwicklung von Trades aus, die von Währungsentwertung profitiert hatten – einschließlich Bitcoin."

Was das für deutsche Anleger bedeutet

Die Ereignisse zeigen, wie vernetzt die globalen Märkte sind: Eine Fed-Personalie löst Verkäufe bei chinesischen Autowerten, Edelmetallen und Kryptowährungen aus. Für deutsche Anleger ist die Botschaft klar: Diversifikation bleibt entscheidend. Wer ausschließlich auf Wachstumswerte oder spekulative Assets gesetzt hat, spürt jetzt den Schmerz.

Interessant ist die Entwicklung bei defensiven Werten: Versicherer wie Hannover Rück gewinnen heute 1,8 Prozent, nachdem Goldman Sachs die Aktie auf die "European Conviction List" gesetzt hat. Auch Nahrungsmittel-Aktien profitieren von der Flucht in Sicherheit: Danone und Unilever legen bis zu 2,2 Prozent zu. Airlines wie Air France (+3,3 Prozent) und Lufthansa (+1,4 Prozent) freuen sich über den fallenden Ölpreis, der um fast 5 Prozent nachgibt.

Der DAX hält sich mit einem Mini-Plus von 0,2 Prozent bemerkenswert stabil – ein Vorteil der geringen Gewichtung von Minen- und Tech-Werten im deutschen Leitindex. Doch die Nervosität ist spürbar: Die VIX-Volatilität steigt erneut, und die kommende Woche bringt mit Disney, Alphabet und Amazon wichtige Tech-Earnings sowie den US-Arbeitsmarktbericht am Freitag.

Am Donnerstag trifft sich zudem die EZB, wobei keine Zinsänderungen erwartet werden. Spannender wird die Frage, wie Präsidentin Lagarde die Euro-Stärke kommentiert – die Gemeinschaftswährung hatte letzte Woche kurzzeitig die 1,20-Dollar-Marke geknackt. Ein stärkerer Euro könnte die ohnehin schwache Inflation weiter drücken und der EZB Spielraum für weitere Zinssenkungen geben.

Die nächsten Tage werden zeigen, ob die aktuelle Korrektur eine gesunde Bereinigung überhitzter Märkte ist – oder der Beginn einer größeren Neubewertung. Eines ist sicher: Die Ära billiger Zinsen und unbegrenzter Liquidität scheint endgültig vorbei.

Bis morgen,
Andreas Sommer